22. April 2026, 17:59 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Das Halten von Hühnern im eigenen Garten erfreut sich wachsender Beliebtheit – besonders bei Menschen, die sich unabhängiger versorgen möchten. Auch immer mehr Familien interessieren sich dafür. Doch welche Vorteile bringt es eigentlich, wenn sich Eltern gemeinsam mit ihren Kindern um Hühner kümmern? myHOMEBOOK-Redakteurin Laura Kästner nennt drei Gründe, warum sich dieser Schritt lohnen kann. Ihr Vater hält seit vielen Jahren Hühner im Kleingarten, und sie selbst ist mit den Tieren aufgewachsen.
Vom Kleingarten zum Paradies für Hühner
Alleine in Deutschland nutzen rund 5 Millionen Menschen einen Kleingarten, in dem laut Bundeskleingartengesetz auf einem Drittel der Fläche Obst und Gemüse angebaut werden soll. Auch mein Vater hat einen solchen gepachtet und baut dort nicht nur seine eigenen Kartoffeln, Gurken und Erdbeeren an, sondern hält dort auch Hühner und Gänse – und zwar seit ich ein kleines Kind bin. Schon seit damals, habe ich Tiere und die Natur sehr geliebt und wann immer es nur ging, war ich mit meinen Eltern in ihrem Garten, der nur wenige Autominuten von unserem Zuhause entfernt lag. Da schon mein Opa Hasen in seinem Garten nebenan hielt, war auch niemand verwundert, als mein Vater eines Tages erklärte, dass er sich Hühner anschaffen wolle, um in Richtung Selbstversorgung zu starten.
3 Gründe für den Start in die Selbstversorgung mit Hühnern
Selbstversorgung wird in Deutschland aufgrund steigender Preise für Fleisch, Obst und Gemüse ein immer attraktiveres Thema. Für junge Familien, die darüber nachdenken, diesen Schritt zu wagen, ist die Hühnerhaltung ein guter Einstieg. Denn neben frischen Eier gibt es auch noch drei weitere Gründe:
1. Kinder lernen Regeln, Vorgaben und Termine einzuhalten
Katzen, Hunde und auch Hamster gelten in Deutschland als Kleintiere und können theoretisch problemlos zu Hause gehalten werden. Zwar muss man Hundesteuer zahlen und diese ebenfalls beim zuständigen Amt anmelden, aber der Aufwand, sich Hunde, Katze oder andere kleine Vierbeiner ins Haus zu holen, ist weitaus weniger aufwendig als bei Hühnern. Genau aus diesem Grund bietet die Selbstversorgung mit Hühnern den Nebeneffekt, dass Kinder ein Gefühl dafür bekommen, was man darf und was nicht. Ehe man nämlich Hühner in den eigenen Garten holen kann, müssen erst einige Anträge eingereicht werden.
So musste mein Vater damals die Haltung seiner Hühner vom Vorstand des Kleingartenvereins genehmigen lassen. Denn man darf nur eine festgelegte Anzahl an Tieren halten, damit Lärm und Gerüche in einem für alle in der Anlage akzeptablen Rahmen bleiben. Die Tiere müssen zudem beim zuständigen Veterinäramt angemeldet werden, da diese den Tierschutz und eine artgerechte Haltung prüfen. Und natürlich müssen auch Hühner geimpft werden. So ergeben sich meist schon bevor es mit der Tierhaltung so richtig losgehen kann einige Termine, Regeln und Vorgaben. Als Achtjährige verstand ich also sehr schnell, dass ich im Leben nicht einfach tun und lassen konnte, was ich wollte.
2. Eltern und Kinder lernen etwas über Tierpflege und Verantwortung
Wer sich für Tiere entscheidet, muss und soll sich auch darum kümmern. Und auch Hühner haben ihre ganz eigenen Ansprüche an „ein schönes Leben.“ Die Hennen und der Hahn müssen bei der Nacht sicher und geschützt sein, auch wenn sie freilaufend sind. Das bedeutet, ein eigener Hühnerstall ist ein Muss. Der muss erstmal gebaut und gesichert werden. Sie benötigen viel Gras, ernähren sich auch von Körnern, aber auch Küchenabfällen, die zugefüttert werden können. All das muss gekauft und zur Verfügung gestellt werden – jeden Tag und das vor und nach der Arbeit. Neben diesem Hühnerstall hat mein Papa gleich mehrere Ausläufe für die Tiere an den Stall gebaut und den gesamten Garten (mittlerweile hat er zwei nebeneinanderliegende Gartengrundstücke gepachtet, um noch mehr Platz zu haben) so eingezäunt, dass Marder und Fuchs nicht an die Hühner herankommen … zumindest seltener. Auch von oben sind die Ausläufe mit Netzen gesichert, damit auch Greifvögel keine Chance haben.
All das, damit es den Hühnern gut geht und das ist genau das, was auch Kinder in diesem Zuge lernen. Das erste Huhn im Garten meines Vaters habe ich Greta genannt. Ich erinnere mich noch heute an sie und wie ich sie damals gefüttert habe. Diese Erfahrung hat mich rückblickend sehr geprägt, denn natürlich habe ich schnell eine Bindung zu ihr aufgebaut. Für Kinder bedeutet das ja in erster Linie: „Neue Spielgefährten“ oder ein „neues Familienmitglied.“ Aber genau das sind die Tiere natürlich nicht. Schließlich habe ich gesehen, wie viel Arbeit es macht, die Hühner und Gehege zu pflegen.
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3. Verluste sind Teil des Lebens und der Natur
Ich habe durch die Haltung der Hühner früh verstanden, was Verluste bedeuten. Mein Vater sicherte den Garten mit etlichen Metallzäunen und Netzen. So mancher Fuchs fand am Ende trotz aber trotz all der Absicherungen seinen Weg in den Stall. Greta starb damals bei einem nächtlichen Besuch des Fuchses und viele Tränen sind damals bei mir geflossen. Nur ist das (leider) auch der Lauf der Natur. Ich habe danach zugesehen, wie mein Papa noch mehr die Gehege gesichert hat, aber manchmal sind es auch nicht die anderen Tiere, sondern Krankheiten, die die Hühner sterben lassen.
Übrigens: Genau für diesen Fall hat mein Vater seine Tiere auch bei der Tierseuchenkasse (in dem Fall im zuständigen Amt in Sachsen-Anhalt) gemeldet. Dort zahlt er zwar Beiträge für die gemeldete Anzahl an Hühnern, diese werden ihm dann aber im Falle einer Seuche ersetzt.
Wie die Selbstversorgung im eigenen Garten gelingt
Fragen, die man sich stellen sollte, bevor man Tiere im Garten hält
Erst Selbstversorgung, dann ein halber Bauernhof
Mit der Zeit starben einige der Tiere – sei es durch ein zu hohes Alter, durch das Schlachten, durch Krankheit oder weil ein Raubtier sie gerissen hatte. Dafür kamen nach einiger Zeit andere hinzu und inzwischen gehören zu den Hühnern auch ein paar Gänse. Nach all den Jahren hat mein Vater etliche Abnehmer für die Eier der Tiere und da mein Opa auch noch Hasen und Katzen hält, kommt mir das Leben meiner Familie fast schon vor wie das auf einem kleinen Bauernhof. Im Prinzip ist es das auch, denn die Tiere werden, wenn sie älter sind, geschlachtet und Bekannte und Freunde melden sich jedes Jahr um Weihnachten und fragen nach einer Gans zum Essen. Aus den Eiern schlüpfen wieder kleine Küken, die wieder im heimischen Garten aufwachsen und ein paar schöne Jahre erleben. So entwickelt sich aus der Selbstversorgung ein Kreislauf.
Fazit: „Jedes Kind sollte mit Selbstversorgung aufwachsen”
In meinen Augen sollte jede Familie die Möglichkeit haben, Hühner zu halten. Eltern können einen Weg in Richtung Selbstversorgung einschlagen und damit auf Dauer Geld sparen. Gleichzeitig stärken die gemeinsamen Momente nicht nur das Familiengefüge, sondern vielmehr lehren sie die Kinder Verantwortungsbewusstsein und ein besseres Verständnis für die Natur. Heute habe ich selbst eine kleine Familie und auch wir haben einen eigenen Garten an unserer Wohnung. Hühner haben wir zwar (noch) nicht, dafür bauen auch wir eigenes Gemüse bei uns an. Und auch das ist wieder ein Kreislauf.