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Keine natürlichen Feinde

Was hilft gegen den gefährlichen Laubholzbockkäfer?

Der Laubholzbockkäfer hat hierzulande keine natürlichen Fressfeinde und breitet sich ungehindert aus
Der Laubholzbockkäfer hat hierzulande keine natürlichen Fressfeinde und breitet sich ungehindert ausFoto: iStock / Heiko119

Der aus Asien eingeschleppte Laubholzbockkäfer befällt Laub- und Obstbäume. Selbst gesunde einheimische Bäume sterben dann schnell ab. myHOMEBOOK erklärt, welche drastischen Maßnahmen im Kampf gegen den fiesen Schädling helfen und was Hobby-Gärtner bei einem Befall machen müssen.

So mancher Hobby-Gärtner wundert sich, wenn er plötzlich Löcher im Gartenbaum entdeckt und dieser nach einiger Zeit abstirbt. Grund könnte ein besonders gefürchteter Schädling sein: der Asiatische Laubholzbockkäfer. Was den Schädling so extrem gefährlich macht: Sein zerstörerisches Werk bleibt lange Zeit unbemerkt. Denn die Weibchen legen ihre Eier unter der Baumrinde ab. Daraus schlüpfen nach einiger Zeit die Larven. Und die legen einen maßlosen Appetit an den Tag.

Warum der Laubholzbockkäfer so schädlich ist

Satte zwei Jahre lang fressen die weißen Käferlarven drei Zentimeter dicke Gänge durch das Bauminnere, verborgen vor dem Licht der Öffentlichkeit. Nichts kann sie dann stoppen, selbst Nachtfröste machen ihnen nicht zu schaffen. In den so entstandenen Hohlräumen im Baum siedeln sich schnell Krankheitserreger und Pilze an. Zudem wird der Saftstrom im Baum unterbrochen. Das ist letztlich der Todesstoß für das eh schon geschwächte Gehölz. Ein so durchfressener Baum verdurstet regelrecht.

Genug gestärkt trauen sich die jungen Käfer dann irgendwann ans Tageslicht und befallen weitere Bäume auch von außen. Jedoch ist der Spuk von kurzer Dauer: Nach nur zwei Monaten sterben ausgewachsene Laubholzbockkäfer. Doch vorher haben sich die Käfer fleißig gepaart, Eier wurden abgelegt, Larven sind geschlüpft, Holz wurde gefressen. Ein Teufelskreis!

Laubholzbockkäfer: Der Stamm einer Pappel mit vielen Bohrlöchern des Laubholzbockkäfers
Der Stamm einer Pappel im Herrenkrug Park in Magdeburg (Sachsen-Anhalt), die vom Asiatischen Laubholzbockkäfer befallen ist Foto: dpa picture alliance

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Wie erkennt man den Asiatischen Laubholzbockkäfer?

„Asiatischer Laubholzbockkäfer“ – was für ein Zungenbrecher. Abgekürzt geht der Name dann doch viel leichter über die Lippen: ALB. ALB wird vier Zentimeter lang, hat also ungefähre Daumenlänge. Der Käfer ist komplett schwarz mit weißen Flecken auf dem Panzer. Besonders auffällig: Die beiden Fühler, die doppelt so lang sind wie der Käfer selbst. Diese Fühler sind halbrund gebogen und dabei in elf Segmente geteilt. In Deutschland hat sich der Schädling mittlerweile in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt ausgebreitet.

Wie wird der Laubholzbockkäfer bekämpft?

Sobald man ein Zentimeter große, kreisrunde Ausbohrlöcher an Laubbäumen oder Holzpaletten entdeckt, sollte der Pflanzenschutzdienst verständigt werden. Verdächtig sind auch die drei Zentimeter breiten Fraßgänge im Holz oder grobe Nagespäne auf dem Boden. Eindeutiges Warnzeichen sind jedoch die bis zu 60 Millimeter großen, weißen Käferlarven. Die hinzugerufenen Experten leiten dann die entsprechenden Maßnahmen ein, stellen zum Beispiel Pheromonfallen auf, um den Befall genauer zu untersuchen.

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Was dann folgt, gleicht jedoch einer Tragödie

Doch nicht nur das. Um eine weitere Ausbreitung zu stoppen, wird jeder weitere, auch noch so gesunde Baum in einem Umkreis von 100 Metern gefällt und das betroffene Gebiet über zwei Generationen unter Quarantäne gestellt – das kann locker mehrere Jahre dauern. Ein einziger ökologischer Alptraum! Das Holz muss anschließend klein gehäckselt und in einer Müllverbrennungsanlage vernichtet werden.

Speziell auf den Larven-Geruch trainierte Spürhunde suchen zudem in einem Umkreis von zwei Kilometern nach weiteren befallenen Bäumen. Wichtig sind auch präventive Maßnahmen, zum Beispiel in Häfen. Denn ALB werden oftmals mit verseuchten Transport- und Holzpaletten aus China oder Korea eingeschleppt. Spürhunde kommen deshalb auch in Transporthäfen zum Einsatz.

Laubholzbockkäfer: Ein Spürhund wird gegen den Schädling trainiert
Ein Spürhund wird auf den Laubholzbockkäfer trainiertFoto: dpa picture alliance

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Der Laubholzbockkäfer hat kaum Fressfeinde

Fressen und gefressen werden – eine beständige Regel von Mutter Natur. Doch nicht für den Laubholzbockkäfer: Natürliche Fressfeinde kennt ALB hierzulande fast nicht. Ein bisschen Hoffnung ruht auf einigen Schlupfwespen-Arten oder auf den ein oder anderen Specht.

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Es soll im asiatischen Raum auch eine räuberische Käfer-Art geben, die sich mit Vorliebe über ALB hermacht. Das berichten zumindest die Experten der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft. Die Schweizer Forscher ziehen jedoch gleich wieder den Zahn: „Im Allgemeinen ist die Wirkung dieser natürlichen Feinde bescheiden, da die ALB die meiste Zeit gut geschützt im Holz leben.“

ALB richtet enorme finanzielle Schäden an

Die Rodungsmaßnahmen und das Vernichten des befallenen Holzes sind schlimm genug. Richtig teuer wird dann auch die Neupflanzung mit resistenteren Bäumen. Ein Blick über den großen Teich zeigt die Kostenexplosion: In den USA wütet der gefräßige Käfer schon seit Mitte der 90er Jahre. Breitet sich ALB dort weiter ungehindert aus, können die Kosten zur Bekämpfung nach Schätzung des Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten auf rund 650 Milliarden Euro steigen.

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