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Experten befragt

Klingt Musik schlechter, wenn der Stecker falsch herum in der Steckdose steckt?

vier junge Menschen liegen auf dem Boden und hören Musik über Kopfhörer
Kaum zu glauben – aber hörbar? Richtige Stecker-Position macht den Klang heller?Foto: Getty Images

Voller, heller, natürlicher – so viel besser soll die Musik klingen, wenn man den Netzstecker der Hifi-Anlage „richtig“ herum in die Steckdose steckt. Ist das ein Mythos, oder steckt etwas Wahres dahinter? myHOMEBOOK hat zwei Experten gefragt – und selbst den Hörtest gemacht!

Besserer Klang durch die Steckdose? Es gibt Musik-Liebhaber – darunter durchaus auch einige Musik-Profis – die darauf schwören, das sich das Klangbild aus der Hifi-Anlage mit der richtig angelegten Phase der Stromversorgung deutlich verbessert. Um den Edel-Klang zu erhalten, muss der Netz-Stecker der Anlage so in die Steckdose gesteckt sein, dass die richtige Phase anliegt. Das gilt auch für alle anderen externen Audio-Geräte, die an die Anlage angeschlossen sind – beispielsweise CD-Player oder Lautsprecher.

Besserer Klang durch die Steckdose und den Stecker?

Um das Hifi-Gerät „auszuphasen“, also die Phase zu messen, muss einiger Aufwand betrieben werden. Zuerst werden sämtliche Stromkabel, die mit der Hifi-Anlage und den Zusatzgeräten verbunden sind, aus der Steckdose gezogen. Dann werden die relevanten Komponenten der Audio-Anlage mit einem Phasenmessgerät geprüft.

Wenn schließlich die richtige Stecker-Position ermittelt ist, leuchtet ein Lämpchen am Messgerät oder es gibt einen Signalton. Diese Position muss man sich merken, um den Stecker letztlich richtig in die Steckdose zu stecken und so die korrekte Phase zu erzeugen. Der Klang soll super sein – super kompliziert klingt hingegen die Methode. Mühselig und zeitaufwendig ist es obendrein.

Phasendetektor für das „Ausphasen“

Für alle, denen das zu aufwendig ist und die keine Lust auf ein Physikstudium haben, um die Spannung zu ermitteln: Im Handel ist ein Gerät erhältlich, das verspricht, die phasenrichtige Polung aller Komponenten des Elektrogerätes korrekt zu prüfen.

Der sogenannte Phasendetektor „Phaser“ der Firma Oelbach sieht selbst aus wie eine Steckdose. Wird der Netzstecker in den Detektor gesteckt, signalisiert das Gerät die Stecker-Position mit der richtigen Phase, indem ein kleines Lämpchen leuchtet. Unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers: 79,99 Euro.

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Alle Komponenten der Anlage müssen mit gleicher Phase betrieben werden

Aber lohnt sich solch ein kompliziertes Prozedere überhaupt? Und kann ein Phasendetektor das Klangbild hörbar verbessern? Tobias Rinnenburger von der Firma Oelbach erklärt: „Um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen, muss zuallererst klargestellt werden, dass unser Oehlbach Phaser keine Hifi-Komponente ist, sondern dafür verwendet wird, um alle Komponenten der Hifi-Anlage auf der gleichen Phase zu betreiben, bzw. zu messen, wo die Phase angeschlossen werden sollte. Das dient zur Optimierung der Anlage. Ein Gerät, das mit der „falschen“ Phase betrieben wird, weist eine deutlich höhere Potentialdifferenz auf, was das Klangbild beeinträchtigen kann.“

Wechselstrom aus Steckdose für den Klang irrelevant?

„Lohnt sich nicht“, ist der Berliner Tonmeister Julian Schwenkner überzeugt. „Es ist ein weit verbreiteter Mythos, dass sich die Klangqualität verbessert, wenn man den Stromstecker richtig herum in die Steckdose steckt. Denn ‘richtig oder falsch‘ herum gibt es bei der Steckdose nicht. Eine Hifi-Anlage arbeitet nicht mit Wechselstrom, so wie er aus der Steckdose kommt. Die Anlage wandelt Wechselstrom intern in Gleichstrom um. Daher ist es für den Klang irrelevant, wo die Phase vom Wechselstrom anliegt. Und somit auch, wie herum man den Stromstecker in die Steckdose steckt.“

Rinnenburger sieht das Problem allerdings schon am Anfang der Geräte-Kette: „Dass der Wechselstrom im Trafo in Gleichstrom umgewandelt wird, hat damit nichts zu tun, da der Verlust bereits vor der Transformation entsteht und sich weiter durch die Hifi-Komponenten fortführen kann.“

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Die Redaktion macht den Hörtest

Ein Gerät – zwei Experten-Meinungen. Das schreit förmlich nach einer weiteren Einschätzung, und zwar durch die myHOMEBOOK-Redaktion. Ausgestattet mit einer gesunden Portion Skepsis maß das Team zuerst die Phasenposition der einzelnen Netzstecker, sowohl von der Anlage als auch von den beiden Aktivboxen, aus.

Anschließend folgte der Test: „Another brick in the wall“ – der Rock-Klassiker von Pink Floyd – wurde mehrmals und in unterschiedlicher Reihenfolge mit der „richtigen“ und der „falschen“ Steckerposition abgehört – selbstverständlich, ohne, dass die Testpersonen wussten, wann „phasenrichtig“ gesteckt wurde. Um den Klangeindruck zu untermauern, hörten alle Tester den Song nochmal über Kopfhörer ab.

Ergebnis:

Besserer Klang dank richtigem Mobiliar

Das Klangbild lässt sich allerdings auch mit einfacheren Mitteln verbessern als durch das „Ausphasen“. Und zwar mit dicken Teppichen, vollen Bücherregalen und richtig aufgestelltem Mobiliar. Das Berliner Hifi-Unternehmen „Teufel“ gibt auf dem firmeneigenen Blog Tipps zur besseren Raumakustik.

Kurz: Neben ungünstig aufgestellten Lautsprechern sind kahle Wände und minimalistisch eingerichtete Räume regelrechte Klangkiller. Das hat mit dem Schall zu tun, der an kahlen Flächen zurückgeworfen wird und so den Klangeindruck beeinträchtigt. Um das zu verhindern, empfiehlt Teufel beispielsweise, das Sofa mit etwas Abstand zur Wand aufzustellen. Auch große Vorhänge vor den Fenstern oder der kahlen Wand dienen als Schallschlucker. Daneben kann ein gut gefülltes CD- oder Bücherregal an der Wand Wunder wirken. Bei großen Räumen hilft zudem ein Stoffsegel an der Decke, den Klang zu veredeln.

Fazit

Aus technischer Sicht sollte es für den Klang eigentlich keinen Unterschied machen, wie herum der Stecker in der Steckdose steckt. Erstaunlicherweise gab es aber im Test der myHOMEBOOK-Redaktion bei fast allen einen hörbaren Unterschied in der Sound-Qualität. Ob dieser auch für Sie hörbar genug ist oder nicht, kann aber wohl nur ein persönlicher Hörtest entscheiden. Denn eine gewisse Grundskepsis bleibt – auch bei uns.

Hinweis der myHOMEBOOK-Redaktion:
Bei Arbeiten mit Elektronik sollten Sie vor Inbetriebnahme immer einen Fachmann zu Rate ziehen. Sollten Sie einen Schaden verursachen, kann es sein, dass Sie trotz Versicherung selbst dafür aufkommen müssen. Laut Paragraph 13 der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) sind bestimmte Elektro-Arbeiten nur durch einen Elektriker durchzuführen.