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Sagen Spinnen im Herbst wirklich das Wetter voraus? Das sagen Experten

Laut einer Bauernregel sollen Spinnen im Herbst sogar den Winter ankündigen. Was sagen Experten dazu?
Laut einer Bauernregel sollen Spinnen im Herbst sogar den Winter ankündigen. Was sagen Experten dazu? Foto: Getty Images/medlar
Felix Mildner
Felix Mildner Autor

7. Oktober 2026, 15:16 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Nur wenige Menschen freuen sich über Spinnen in den eigenen vier Wänden. Dennoch werden die Achtbeiner gerade im Herbst häufiger in Häusern und Wohnungen entdeckt. Einer alten Bauernregel zufolge sollen Spinnen sogar „den Winter riechen“ können. Tatsächlich sind in Deutschland rund 1000 Spinnenarten heimisch, von denen einige regelmäßig in Gebäuden anzutreffen sind. Ob die Tiere den nahenden Winter tatsächlich wahrnehmen können oder was hinter ihrem verstärkten Auftreten im Herbst steckt, hat myHOMEBOOK bei Spinnenexperten nachgefragt.

Wie reagieren Spinnen auf den Herbst?

Glaubt man einer alten Bauernregel, können Menschen von dem Verhalten von Spinnen im Herbst sogar Rückschlüsse auf das Wetter ziehen. Diese besagt: „Wenn im September die Spinnen kriechen, sie bereits den Winter riechen.“ Übrigens: Bauernregeln für den September sind laut Wetterexperte Jörg Riemann von der Berliner Wettermanufaktur zuverlässiger als solche für den Oktober. Aber auch in diesem Monat sind viele Spinnen unterwegs.

Der Ökologe Prof. Dr. Wolfgang Nentwig war unter anderem an der Universität Bern tätig, ist mittlerweile emeritiert und kennt sich bestens mit dem Verhalten von Spinnen aus. Von der Bauernregel hält er allerdings nicht viel: „Im Grunde ist den meisten Spinnenarten das Nahen des Winters egal, da sie mit kälteren Tagen ohnehin sterben“, erklärt der Arachnologe. „Sie überwintern meist im Eistadium, nur vergleichsweise wenige Arten überwintern als Jungtiere oder gar erwachsenes Tier. Diese reagieren auf den Temperaturabfall gegen Jahresende, suchen sich dann geschützte Orte und stellen ihren Stoffwechsel auf Kälteschutz um.“

Spinne
Im Herbst findet man hin und wieder Spinnen in der Wohnung. Das hat verschiedene Gründe. Foto: Getty Images

Was ist der Grund für die höhere Aktivität?

Auch Dr. Jason Dunlop, Spinnenforscher und Kurator am Museum für Naturkunde Berlin, ist bei der Bauernregel skeptisch. Zumindest sei eine Wetterfühligkeit bei Arachniden nicht bewiesen. Dunlop hat jedoch eine ganz andere Erklärung: „Spinnen sind in der Tat häufig im September in Wohnräumen anzutreffen, vor allem die auffällig große Hauswinkelspinne“, erklärt der Wissenschaftler. „Der Hintergrund ist aber, dass für viele Spinnen im Herbst die Paarungszeit stattfindet. Die Männchen verlassen ihr Versteck und laufen herum, um Weibchen zu suchen.“

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Können Spinnen wirklich das Wetter vorhersagen?

Zudem gebe es laut Dunlop Arten, die ganzjährig aktiv sind. „Sich bewegende Spinnen im September anzutreffen, hat daher im Prinzip nichts damit zu tun, dass sie den Winter ‚riechen‘ und sich womöglich auf eine eventuelle Überwinterung einstellen.“ Spinnen können also nicht, wie in der Bauernregel behauptet, den Wintereinbruch vorhersagen, besitzen jedoch einige ausgereifte Sinnesorgane, mit denen sie ihre Umwelt wahrnehmen. Zudem sind diese auch recht gut untersucht, meint Nentwig. Spinnen können demnach:

  • Bewegung in der Luft und Vibration des Bodens wahrnehmen
  • Geruchsstoffe auf Oberflächen riechen oder schmecken
  • Temperatur, Feuchtigkeit, Luftdruck und CO2-Gehalt der Luft messen
  • Sehen (schwarz-weiß, einige in Farbe, auch UV) 

Somit können Spinnen beispielsweise feststellen, ob es im Augenblick zu nass ist, um ein Radnetz zu bauen. Dann warten sie damit noch ein paar Stunden oder einen Tag. Das habe jedoch nichts mit der Bauernregel zu tun, die Spinnen eine Wetterfühligkeit zuschreibt. Dem Spinnenforscher ist es also ein Rätsel, wie die Tiere laut Bauernregel das zukünftige Wetter messen oder erkennen sollten. Dafür fehlen ihnen schlichtweg die nötigen Sinnesorgane.

Wie kann man verhindern, dass Spinnen in die Wohnung kommen?

Das Wetter im Herbst und das Verhalten der Spinnen kann man nicht ändern. Angst braucht man aber keine vor den Tieren zu haben – auch nicht vor der großen Hauswinkelspinne, die sogar beißen kann. „Die Spinnen beißen nur, wenn sie nicht mehr weglaufen können“, erklärt Dunlop. „Von ihnen geht keine Gefahr für Menschen aus.“

„Am besten lässt man das Tier in Ruhe, denn es läuft von alleine weg“, rät Dunlop. Dennoch gibt es verschiedene Möglichkeiten, um zu verhindern, dass die kleinen Tiere in die Wohnung kommen. So hilft unter anderem ein Fliegengitter an den Fenstern. Doch auch mit den richtigen Gerüchen kann man Spinnen vertreiben, wie auch eine Studie bestätigt. Lavendel, Essig, Kastanie, Pfefferminz, Zitrone und Eukalyptus – diese Düfte mögen die Achtbeiner nicht und bleiben fern.

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