12. Januar 2026, 17:12 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wenn Gehwege im Winter zur Rutschbahn werden, greifen viele instinktiv zum Streusalz. Doch das beliebte Mittel gegen Eis birgt erhebliche Umweltprobleme – und ist vielerorts für Privatpersonen sogar verboten. Doch welche Alternativen gibt es? Und wie wirksam sind Sand, Kies, Asche oder Holzspäne im Alltag wirklich?
Warum Streusalz keine gute Wahl ist
Der Einsatz von Streusalz ist nicht nur vielerorts untersagt, sondern auch aus ökologischer Sicht bedenklich. „Streusalz verätzt Wurzeln und verschlechtert den Nährstoffgehalt im Boden. Das Salz reichert sich im Boden an und stört dann auch das ganze Jahr über die Wasseraufnahme von Bäumen“, erklärt Christian Hönig, Abteilungsleiter für Biodiversität beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Auch Tiere leiden darunter: Für ihre empfindlichen Pfoten kann Streusalz ebenfalls problematisch sein.
Diese Alternativen gibt es
Statt das Eis chemisch zu schmelzen, setzen stumpfe Streumittel auf Reibung. Ziel ist es, die glatte Oberfläche aufzubrechen, sodass Schuhe oder Reifen besseren Halt finden. „Dafür eignen sich grundsätzlich erst einmal alle klassischen Streumittel“, so Hönig. Dazu zählen unter anderem Sand, Kies, Granulat, Asche oder Holzspäne.
Sand, Kies oder Granulat – was eignet sich wann?
Je nach Einsatzbereich unterscheiden sich die Materialien in ihrer Wirkung und Haltbarkeit. Während gröbere Mittel wie Kies, Granulat oder Sägespäne meist länger auf dem Boden liegen bleiben, wird feiner Sand schneller abgetragen. „Bei gröberem Kies darf man ruhig großzügig sein, damit die einzelnen Steinchen die Fläche des Gehweges auch abdecken“, sagt Hönig.
Werden die Wege auch von Radfahrern genutzt, kann Sand die bessere Wahl sein. Der Grund: Bei feineren Streumitteln greifen Fahrradreifen besser. Zudem lässt sich Sand auf größeren Flächen gleichmäßiger verteilen. Hönig empfiehlt generell, regelmäßig nachzustreuen.
Worauf man beim Kauf achten sollte
Um auf Nummer sicher zu gehen, lohnt sich beim Kauf ein Blick auf Umweltzertifikate. „Damit kann man sicher sein, dass das Streumittel bei der Ausbringung unbedenklich ist“, rät Hönig in Bezug auf das Umweltzeichen Blauer Engel.
Noch nachhaltiger wird es, wenn man auf natürliche und regionale Materialien setzt. Streumittel, die unter hohem Energieaufwand hergestellt oder über weite Strecken transportiert werden – wie etwa Vulkangestein – sollten möglichst vermieden werden. Besser sind Reststoffe aus der Region, die ohnehin anfallen.
Darum ist Streusalz verboten
Kann man normales Salz zum Streuen verwenden?
Reststoffe als Alternative nutzen
Regionale Reststoffe können eine umweltfreundliche Alternative sein – sofern einige Punkte beachtet werden. „Befindet sich in der Nähe ein Sägewerk oder eine Tischlerei, kann man dort nachfragen, ob etwa Hobellocken oder Sägespäne übrig sind“, so Hönig. Auch feine Hackschnitzel aus dem Gartenbau seien geeignet – und manchmal sogar kostenlos zu haben.
Entscheidend ist jedoch, dass das verwendete Holz unbehandelt ist. Lackierte oder chemisch behandelte Späne bringen im schlimmsten Fall Schadstoffe in die Umwelt. Das gilt ebenso für Asche. „Da ist immer die Frage, was vorher verbrannt wurde. Am besten nimmt man nur Asche aus dem eigenen Kamin. Denn dann weiß man sicher, ob da nur unbehandeltes Holz verbrannt wurde“, sagt Hönig.
Heißes Wasser als kurzfristige Lösung?
Nicht immer muss gestreut werden. Wer Eis möglichst früh beseitigt, senkt das Unfallrisiko am effektivsten. In bestimmten Fällen kann auch heißes Wasser helfen – allerdings nur bedingt. „Die Rutschgefahr ist dadurch aber nicht automatisch gebannt“, warnt Hönig. „Besonders gefährlich sind Eisflächen, wenn sie nur antauen und dann ein rutschiger Wasserfilm darauf bildet.“
Hinweis: Der beste Zeitpunkt zum Räumen ist daher, solange Schnee und Eis frisch gefallen sind. Denn richtig glatt wird es oft erst, wenn die Fläche durch Fußgänger oder Fahrzeuge verdichtet wurde.
Mit Material der dpa