21. September 2025, 12:59 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Zwischen anonymen Online-Bewerbungen und Empfehlungen aus dem Freundeskreis – für private Vermieter ist die Suche nach einem passenden Mieter oft eine Herausforderung. Wer jedoch gezielt vorgeht, kann sich viele Probleme ersparen. Diese sieben Praxistipps helfen, unter zahlreichen Interessenten den richtigen auszuwählen.
1. Vertrauen ist gut – persönliche Empfehlungen sind besser
Der sicherste Weg zum neuen Mieter führt häufig über bekannte Gesichter. „Wenn ein langjähriger, netter Mieter auszieht und einen oder mehrere Kandidaten aus seinem Bekanntenkreis als Nachmieter vorschlägt, ist das eine relativ sichere Bank“, sagt Gerold Happ vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland. „Der Vermieter kann damit rechnen, dass der Mieter eher umgängliche Bekannte vorschlägt, die auch wenig Probleme machen werden.“
Skepsis ist allerdings geboten, wenn der bisherige Mieter auf eigene Faust einen Nachfolger sucht – etwa, um Möbel zu verkaufen. In solchen Fällen kennt er die Interessenten meist selbst nicht, was das Risiko für Vermieter nicht senkt.
2. Online-Inserate filtern: Nicht jeder Klick ist echtes Interesse
Wohnungsangebote auf Immobilienportalen erzeugen schnell großes Interesse. Doch viele Rückmeldungen erfolgen automatisiert und lassen keine Rückschlüsse auf ernsthaftes Interesse zu. „Als ersten Schritt empfiehlt es sich, die automatisierten Antworten auf Wohnungsanzeigen zu ignorieren“, rät Gerold Happ. „Die kommen sofort, wenn die Anzeige ins Netz gestellt wird.“ Daher sei es fraglich, ob diese Bewerber sich wirklich für genau diese Wohnung interessieren.
3. Mit klaren Angaben im Inserat Zeit sparen
Ein präzise formuliertes Wohnungsinserat hilft dabei, gezielt passende Bewerber anzusprechen. „Je genauer die zu vermietende Wohnung beschrieben wird, desto mehr engt sich der Kreis der Interessenten ein“, sagt Happ. Hochwertige Fotos sind dabei ebenfalls hilfreich. „Dann bewerben sich bestenfalls nur Leute, die sich wirklich für diese Wohnung interessieren“, so Happ weiter.
4. Die richtigen Fragen vor der Besichtigung stellen
Schon vor dem ersten Treffen dürfen Vermieter bestimmte Informationen abfragen. „Wer will einziehen, wie viele Personen, wie sind die Einkommensverhältnisse dieser Personen, gibt es Haustiere? Das sind berechtigte Fragen, die die Mietinteressenten wahrheitsgemäß beantworten müssen“, erklärt Rechtsanwältin Beate Heilmann, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Mietrecht und Immobilien im Deutschen Anwaltverein.
Diese Angaben ermöglichen eine erste Auswahl. „Es macht ja keinen Sinn, Leute zur Wohnungsbesichtigung einzuladen, von denen man schon vorher weiß, dass sie sich die Wohnung nicht leisten können“, sagt Heilmann.
5. Unterlagen gezielt anfordern – und korrekt damit umgehen
Auch formale Nachweise helfen, potenzielle Mieter einzuschätzen. Neben einer ausführlichen Mieterselbstauskunft gehören dazu Kopien des Personalausweises sowie – im späteren Stadium – Bonitätsnachweise. „Wichtig ist, unbedingt eine Kopie vom Personalausweis zu machen, um zu überprüfen, ob die Angaben in der Selbstauskunft zu der Person passen, die die Wohnung mieten will“, rät Heilmann.
Die Schufa-Auskunft darf allerdings erst im Zuge eines konkreten Mietvertragsabschlusses verlangt werden – das hat der Europäische Gerichtshof entschieden (Az. C-634/21). In der Bewerbungsphase darf diese also nicht eingefordert werden. Auch eine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung vom Vorvermieter ist nicht verpflichtend. „Aber der Mieter hat das Recht, von seinem Vermieter eine Quittung für die Mietzahlungen während des gesamten Mietverhältnisses zu verlangen“, so Heilmann. „Da das sehr aufwendig ist, entscheiden sich viele Vorvermieter dann doch für die Mietschuldenfreiheitsbescheinigung.“
Wichtig: Bewerbungsunterlagen abgelehnter Interessenten müssen entweder zurückgegeben oder auf Wunsch datenschutzkonform vernichtet werden.
Unterlagen, die man für eine Wohnungsbewerbung braucht
Sensible Dokumente bei der Wohnungssuche auf keinen Fall weitergeben
6. Wohnungsbesichtigungen gezielt gestalten
Um Besichtigungstermine effizient zu nutzen, sollten Vermieter die Zahl der Teilnehmer begrenzen und im Vorfeld selektieren. „Dabei können private Vermieter durchaus auch persönliche Prioritäten setzen. Sie können zum Beispiel Interessenten bevorzugen, die sich besonders gut in die bestehende Hausgemeinschaft einfügen“, sagt Gerold Happ. Das kann bedeuten, dass Familien mit Kindern bevorzugt werden, wenn bereits viele Kinder im Haus wohnen – oder Senioren eher berücksichtigt werden, wenn das Wohnumfeld altersgerecht gestaltet ist.
7. Intuition ist gut – Fakten sind besser
Auch das Bauchgefühl spielt bei der Mieterauswahl eine Rolle. „Oft ist das schon ein Zeichen, dass später etwas schiefgehen könnte“, sagt Beate Heilmann. Trotzdem sollte man sich nicht ausschließlich auf den ersten Eindruck verlassen. Ein gepflegter Auftritt in Anzug und Krawatte sagt noch nichts über Zuverlässigkeit aus – genauso wenig wie ein legeres Äußeres ein Ausschlusskriterium ist. „Wichtig ist, das eigene Gefühl mit möglichst vielen konkreten Informationen über den Mieter zu kombinieren“, betont Heilmann.
Mit Material der dpa