3. November 2025, 13:09 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Die Energiepreise bleiben auf hohem Niveau – und viele Haushalte erwarten eine teure Heizperiode. Wer jetzt reagiert, kann mit einfachen Mitteln die Effizienz der eigenen Heizanlage verbessern. Ein oft unterschätzter Stellhebel: die Vorlauftemperatur der Heizung. Wie sich durch deren Optimierung spürbar Energie sparen lässt, welche Risiken es gibt – und worauf Hausbesitzer achten sollten.
Warum sich ein Heizungs-Check lohnt
Viele Heizungen in Deutschland laufen laut Experten weit entfernt vom Optimum – häufig schlicht aus Unwissenheit. „Die Optimierung der bestehenden Heizung hat für viele Haushalte mit Sicherheit viel Potenzial, weil die meisten sich bislang nicht mit ihrer Heizung beschäftigt haben und viele Heizungen nicht optimal eingestellt sind“, sagt Norbert Azuma-Dicke vom Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH).
Ein professioneller Heizungs-Check kann hier ansetzen. Fachbetriebe prüfen unter anderem, ob die Nachtabsenkung korrekt eingestellt ist – und ob die Vorlauftemperatur für das jeweilige Gebäude sinnvoll gewählt wurde.
Was ist die Vorlauftemperatur?
Die Vorlauftemperatur beschreibt die Temperatur des Wassers, das in den Heizkörper geleitet wird, bevor es dort Wärme abgibt. Viele Heizungsanlagen arbeiten mit deutlich höheren Temperaturen, als tatsächlich nötig – ohne zusätzlichen Nutzen, aber mit höheren Kosten.
„Bei einer Absenkung der Vorlauftemperaturen für das Heizsystem gibt es keine nennenswerten Nachteile“, erklärt Florian Bublies, Fachreferent Heizungstechnik bei der Verbraucherzentrale NRW auf myHOMEBOOK-Anfrage. „Es sollte natürlich weiterhin ausreichend warm werden in den Räumen. Unnötig hohe Vorlauftemperaturen sind sehr häufig vorhanden. Das führt zu hohen Energiekosten ohne einen Nutzen.“
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Weniger Energieverbrauch, weniger Kosten
Gerade bei konstantem Heizbetrieb bringt eine abgesenkte Vorlauftemperatur klare Vorteile: Die Heizungsanlage muss weniger stark aufheizen – das spart Energie. Wer hingegen schnell Räume aufheizen will, profitiert kurzfristig von hohen Temperaturen. Doch zur dauerhaften Temperaturregelung sind sie laut Experten nicht nötig.
So viel Ersparnis ist dabei möglich
Was bringt es wirklich, die Vorlauftemperatur zu senken? Heizungsexperte Bublies stellt eine grobe Beispielrechnung auf. „Eine Vorlauftemperatursenkung der Heizung um 10 Grad kann zwischen fünf und zehn Prozent Energieverbrauch einsparen“, erläutert er. „Das bedeutet, bei einem Vierpersonenhaushalt mit 10.000 kWh können durch eine Vorlauftemperatursenkung von 60 auf 50 Grad zwischen 500 und 1000 kWh eingespart werden.“ Bei einem Erdgaspreis von 11 Cent/kWh wären das laut Bublies zwischen 55 und 110 Euro pro Jahr.
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Was beim Thema Legionellen zu beachten ist
Bei aller Einsparung gilt es, die Trinkwasserhygiene nicht zu vernachlässigen – insbesondere bei zentralen Warmwassersystemen. Denn bei zu niedrigen Temperaturen kann es zur Vermehrung von Legionellen kommen. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein warnt: In Warmwasserspeichern sollte eine Temperatur von 60 °C nicht unterschritten werden, an den Entnahmestellen für Trinkwasser mindestens 55 °C.
Experte Bublies gibt in diesem Zusammenhang allerdings Entwarnung. „Eine Legionellenproblematik ist nur im Bereich der zentralen Trinkwassererwärmung zu beachten.“ Er ergänzt: „Auch in Mehrfamilienhäusern kann eine zentrale Warmwasserbereitung vorkommen. Gerade hier sind die Probleme mit Legionellen sehr ernst zu nehmen.“
So lassen sich Legionellen vermeiden
Eine einfache Maßnahme sei laut Bublies die sogenannte Legionellenschaltung. Dabei werde der Warmwasserspeicher regelmäßig – alle drei bis fünf Tage – auf mindestens 60 °C erhitzt. „Auch häufiges Spülen der Leitungen ist ratsam, um dauerhaft stehendes Wasser zu verhindern.“ Zudem sollte die Temperatur des Warmwassers regelmäßig kontrolliert werden.
Energie sparen ohne Komfortverlust
„Wer seine Heizungsanlage prüfen und optimieren lässt, senkt nicht nur die laufenden Kosten, sondern schont auch Ressourcen. Wichtig ist nur, beim Warmwasser auf ausreichende Temperaturen zu achten, um Gesundheitsrisiken wie Legionellen auszuschließen. Der beste Ansprechpartner für die eigene Heizungsanlage ist dabei in der Regel der entsprechende Fachbetrieb, der sich auch um die Wartung kümmert.“
Mit Material der dpa