14. Januar 2026, 12:55 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Wärmepumpen gelten als besonders klimafreundliche Heizsysteme – doch wie leistungsfähig sind sie im Winter bei zweistelligen Minusgraden? myHOMEBOOK hat mit Experten gesprochen und erklärt, wie sich die Effizienz auch im Winter aufrechterhalten lässt – und worauf Hausbesitzer achten müssen.
Was passiert mit Wärmepumpen bei Frost?
„Wärmepumpen funktionieren auch bei kalten Außentemperaturen zuverlässig, aber ihre Effizienz nimmt ab, insbesondere bei Luft-Wasser-Wärmepumpen, da die Temperaturdifferenz zur Wärmequelle größer wird“, erklärt Florian Bublies, Fachreferent für Heizungstechnik bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Moderne Geräte arbeiten auch bei –15 °C oder kälter, verbrauchen aber mehr Strom, was durch eine gute Dämmung und niedrigere Vorlauftemperaturen minimiert werden kann.“
Dabei sind laut Bublies eine Fußbodenheizung sowie ausreichend groß dimensionierte und hydraulisch abgeglichene Heizkörper von Vorteil. „Bei extremen Minustemperaturen kann ein integrierter Heizstab oder eine Hybridlösung die Unterstützung bieten“, ergänzt der Experte.
Auch Annika Müller vom Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e. V. bestätigt die Leistungsfähigkeit der Technik im Winter: „Alle gängigen Wärmepumpen-Typen können bei den aktuellen Temperaturen im zweistelligen Minusbereich weiterhin arbeiten.“ Aber auch Müller bestätigt die geringere Effizienz – mit einer Ausnahme. „Erdwärmesonden greifen auf eine wesentlich günstigere Temperatur der Wärmequelle zurück – etwa 10 bis 12 Grad Celsius – und müssen damit weniger elektrische Arbeit verrichten. Die Effizienz dieser Anlagen bleibt daher im Winter nahezu unverändert.“
Wie genau funktionieren Wärmepumpen bei Kälte?
Auch bei Minusgraden bleibt der physikalische Vorgang laut Bublies erhalten, bei dem der Wärmepumpe aus der Umgebung Energie entzogen wird.
- Wärmeentzug: Selbst bei Frost ist die Außenluft wärmer als das Kältemittel in der Anlage – dadurch funktioniert der Wärmetransfer.
- Effizienzverlust: Je kälter die Luft, desto größer die Temperaturdifferenz zwischen Wärmequelle und Heizsystem – und desto höher der Stromverbrauch.
- Kältemittel: Die Anlagen nutzen spezielle Kältemittel, die selbst bei tiefen Temperaturen noch verdampfen können.
„Luft-Wasser-Wärmepumpen können selbst bei zweistelligen Minusgraden die in der Außenluft enthaltene thermische Energie als Wärmequelle nutzen“, bestätigt Müller. „Im physikalischen Sinne bezeichnet Wärme die Energie, die aufgrund eines Temperaturunterschieds übertragen wird.“ Die Temperatur der Luft hänge laut der Expertin von der „mittleren kinetischen Energie“ ihrer Moleküle ab. Diese ist auch bei Minusgraden vorhanden.
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Typische Probleme bei Kälte
Bei strengem Frost steigt der Stromverbrauch, weil die Wärmepumpe intensiver arbeiten muss. Dennoch bleibt der Wirkungsgrad akzeptabel, wie Bublies erläutert.
- Stromverbrauch: Auch bei –15 °C ist es möglich, mit 1 kWh Strom etwa 2 kWh Wärme zu erzeugen.
- Eisbildung: An der Außeneinheit kann sich Kondenswasser absetzen und gefrieren. In diesem Fall wird automatisch ein Abtauvorgang gestartet.
- Bestandsgebäude: Alte Heizkörper benötigen meist höhere Vorlauftemperaturen, was die Effizienz senkt. Eine gute Wärmedämmung ist daher besonders wichtig.
Eine wichtige Kennzahl dabei ist die sogenannte „Normaußentemperatur“, wie Müller erklärt. „Für die thüringische Stadt Eisenach als klimatisch relativ typische deutsche Stadt liegt diese Temperatur bei –12,2 Grad Celsius.“ Wenn diese deutlich unterschritten wird, könne laut Müller jede normgerecht ausgelegte Heizung – Öl, Gas oder Wärmepumpe – nicht mehr ausreichend Heizleistung zur Verfügung stellen. „Dies ändert sich aber wieder, sobald die Außentemperatur sich wieder im Bereich der Normaußentemperatur einfindet.“
Diese Bedingungen sind im Winter besonders günstig
Ein gedämmtes Haus mit Flächenheizung – wie einer Fußbodenheizung – ermöglicht eine niedrigere Vorlauftemperatur und verbessert damit die Effizienz der Wärmepumpe. Auch die Wahl der Wärmepumpenart spielt eine Rolle.
- Geothermie und Grundwasser: Erd- und Grundwasserwärmepumpen sind weitgehend unabhängig vom Wetter und arbeiten selbst bei starkem Frost effizient.
- Luft-Wasser-Wärmepumpen: Zwar sinkt hier die Effizienz bei niedrigen Temperaturen, sie liefern aber auch dann noch zuverlässig Wärme.
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Wann eine Zusatzheizung sinnvoll ist
Bei besonders niedrigen Temperaturen können Zusatzsysteme unterstützen:
- Heizstab: Ein elektrisch betriebener Heizstab kann automatisch zugeschaltet werden, wenn die Wärmepumpe allein nicht ausreicht.
- Hybridlösungen: Eine Kombination mit einer Gas- oder Ölheizung ist möglich, um die Heizlast zu teilen.
„Da die Effizienz von Luft-Wasser-Wärmepumpen mit abnehmender Außentemperatur abnimmt, werden die allerwenigsten Wärmepumpen monovalent ausgelegt, also ohne zweiten Wärmeerzeuger“, erklärt Müller. Die meisten Wärmepumpen sind bivalent, also mit einer „Reserveheizung“ ausgestattet. Dabei kann es sich um einen Heizstab, eine ähnliche elektrisch betriebene Zusatzheizung oder bei Hybrid-Wärmepumpen auch eine Gas- oder Ölheizung handeln.
Was Eigentümer beachten sollten
Müller rät, bei der Planung darauf zu achten, „dass Fachbetrieb und Kunde klären, welche Zieltemperatur auch im tiefsten Auslegungspunkt erreicht werden soll, damit die Heizflächen ausreichend dimensioniert werden und der Wärmeerzeuger die passende Heizleistung bereitstellen kann.“ Zudem sind diverse technische Details zu beachten, wie ein reibungsloser Ablauf des Kondensats, insbesondere nach einem Abtauprozess. Dies ist allerdings laut Müller bei einer normgerechten Planung und Installation immer sichergestellt.
„Ergänzend lässt sich feststellen, dass Wärmepumpen besonders in skandinavischen Ländern wie Norwegen, Schweden und Finnland bereits stärker verbreitet sind und dort als Standardheizung gelten“, ergänzt Müller. In diesen Ländern sind die Winter deutlich länger und kälter als in Deutschland. Jedenfalls würden alle modernen Wärmepumpen laut Bublies auch bei kalten Außentemperaturen die gewünschten Rauminnentemperaturen erbringen können.