23. September 2025, 5:28 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Die Firma Vorwerk stand lange Zeit als Synonym für den Beruf des Staubsaugvertreters. Die Sauger galten als mystisch, weil die Geräte schließlich nur im Direktvertrieb zu bekommen waren. Da Vorwerk inzwischen auch mit kochenden Maschinen gutes Geld verdient, versucht Hyla den Mythos des Staubsaugervertreters mit modernen Mitteln neu zu beleben. Weil darüber gerade sehr viel gesprochen wird, hat sich myHOMEBOOK für diesen Artikel, das Unternehmen und sein Vertriebsmodell genauer angeschaut.
Heute klingeln keine Staubsaugervertreter mehr an Haustüren. Das wäre viel zu mühselig. Direktvertrieb funktioniert inzwischen auch sehr gut in der digitalen Welt. Hier hat sich die Firma Hyla mit ihren Staubsaugern in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht. Denn im Laden gibt es die Sauger nicht zu kaufen.
Hyla startet Anfang der 1990er Jahre
Die Hyla-Geschichte beginnt Anfang der 1990er Jahre im slowenischen Ljubljana. Hier entwickeln die Ingenieure Janez Pogacar und Doro Erjavec den ersten Prototypen eines Staubsaugers mit Wasserfilterung. Diese Methode ist so alt wie die Erfindung des Staubsaugers selbst, also eigentlich nichts Besonderes. Als Erfinder des heutigen Staubsaugers gilt der US-Amerikaner Daniel Hess. In seinem Patent für seinen „Carpet Sweeper“ im Jahr 1860 hat er bereits eine Wasserfilterung berücksichtigt. Diese Methode setzte sich allerdings nicht durch.
Die Ingenieure von Hyla erwischen genau den richtigen Zeitpunkt. Denn seit den 1980er Jahren werden Staubsauger mit Wasserfilterung immer beliebter. Zudem hatte Hyla-Ingenieur Doro Erjavec einen guten Grund, so einen Staubsauger zu entwickeln: Seine Ehefrau litt unter einer Hausstauballergie. Herkömmliche Beutelsauger verschlimmerten ihre Probleme. Wasserfilter hingegen binden den Staub, sodass er sich nicht im Raum verteilen kann.
Im Jahr 1993 startet der Direktvertrieb in Deutschland. Heute leitet Jan Pfeiffer die Vermarktung der Hyla-Staubsauger. Sitz ist das winzige Altdorf in Baden-Württemberg, etwas mehr als 30 Auto-Minuten von Stuttgart entfernt.
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Lob & Kritik in den sozialen Medien
Über Social Media haben die Hyla-Staubsauger für viel Aufsehen gesorgt. Denn die Geräte liegen beim Neupreis im Bereich von 2000 Euro und mehr. Deswegen hat myHOMEBOOK beim Unternehmen nachgefragt, wie der Preis sich genau errechnet, nicht nur einmal, sondern sogar zweimal. Eine Antwort gab es leider auf keine der beiden Anfragen. Die Geräte mögen technisch ausgereift sein und ihr Geld wert. In der Kommunikation gibt es allerdings deutliche Punktabzüge.
Ein Blick in die sozialen Medien zeigt: Es gibt durchaus viel Lob für Hyla trotz des hohen Preises. Viele Kunden mit allergischen Problemen erzählen davon, wie der Sauger ihre Lebensqualität verbessert hat. Einige berichten von der Langlebigkeit der Geräte, die auch nach vielen Jahren noch einwandfrei ihren Dienst tun.
Ein Großteil der Kritik bezieht sich auf den hohen Preis, wer hätte es gedacht. Kunden sprechen davon, die Geräte seien überteuert und das Geld nicht wert. Zudem wird der Hyla-Kundenservice kritisiert. In einigen Fällen hätte es auch Probleme bei Reklamationen gegeben.
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Hyla setzt auf eine besondere Form des Direktvertriebs
Wie immer im Leben liegt die Wahrheit vermutlich in der Mitte. Der Direktvertrieb macht die Geräte auf jeden Fall zu einem besonderen Produkt. Denn einem Staubsauger, der nicht einfach in einem Geschäft von jedem gekauft werden kann, haftet allein schon deswegen etwas Besonderes an. Der Besitzer zeigt damit: „Schaut her, den Staubsauger hat nicht jeder.“ Das sorgt automatisch für extreme Meinungen in den sozialen Medien. Vermutlich verbucht das Unternehmen solche Reaktionen unter dem Punkt „Erweitertes Marketing“.
Im Grunde hat Hyla das analoge und inzwischen überholte Vorwerk-Vertriebsmodell in die digitale Welt übertragen. Die Staubsauger gibt es nur über Hyla-Vertriebspartner. Diese werden vom Unternehmen selbst qualifiziert. Über eine einfache Suchanfrage lässt sich schnell ein Vertriebspartner in der Nähe finden. Die Vorführung erfolgt bequem in den eigenen vier Wänden. Nach dem Kauf hat der Besitzer einen direkten Ansprechpartner. Das hat durchaus seinen Reiz, findet aber nicht jeder gut.
Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen warnt vor Vertriebsmethoden, wie Hyla sie nutzt. Hierbei handele es sich um eine besondere Form des Direktvertriebs, bekannt als Multi-Level-Marketing. Das Vertriebsmodell ähnelt einer Pyramide. Verdienen tun am Ende nur die Partner, die ganz oben in der Pyramide angesiedelt sind. Die unzähligen Vertriebspartner auf den unteren Stufen dienen nur dazu, weitere Vertriebspartner anzuwerben. Dadurch schaffen sie sich nicht nur neue Konkurrenz, sondern erhöhen auch ständig den Umsatz der Partner, die in der Pyramide über ihnen stehen. Theoretisch glaubt jeder Vertriebspartner, irgendwann in der Hierarchie nach oben zu wandern. Praktisch gelingt das den wenigsten.
Eingepreiste Verkaufsprovision
Auch wenn der Verkauf sehr persönlich über die Bühne geht: Der Vertriebspartner betreibt den ganzen Aufwand nicht, weil er sich gerne so viel Zeit für seine Kunden nimmt. Am Ende geht es um die Verkaufsprovision.
An dieser Stelle ist die Kritik am hohen Preis für die Hyla-Staubsauger nicht ganz unberechtigt. Denn wie viel Prozent an Provision in dem Verkaufspreis steckt, bleibt ein Geheimnis. Wer dazu im Netz sucht, findet konkrete Zahlen.
Wer sich einen Hyla-Staubsauger samt Zubehör gekauft hat und mit der Saugleistung zufrieden ist, für den stellen sich solche Fragen nicht. Alle anderen, denen der Preis zu hoch erscheint, sollten einfach nach günstigeren Staubsaugern mit Wasserfilterung schauen, wenn es denn unbedingt so ein Modell sein soll. Denn davon gibt es inzwischen genügend, ohne Direktvertrieb. Keine Sorge: Unabhängige Testberichte bescheinigen auch der Hyla-Konkurrenz eine saubere Arbeit.