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Geschichte des Küchengeräts

Wer hat eigentlich die Mikrowelle erfunden?

Mikrowelle
Eine Mikrowelle kommt heute in vielen Haushalten vor Foto: Getty Images / Valentyna Yeltsova
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28. Januar 2026, 5:39 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Im Jahr 1946 bewirkte ein geschmolzener Schokoriegel in der Hosentasche eines Ingenieurs die Entwicklung eines Geräts, das heute in den meisten deutschen Küchen steht. Die Geschichte der Mikrowelle ist geprägt von Zufällen, militärischer Forschung und einem langen Weg zum praktischen Küchenhelfer.

Im Jahr 1946 arbeitete der amerikanische Ingenieur Percy LeBaron Spencer an elektronischen Röhren, die Mikrowellenstrahlung für Radarsysteme erzeugen. Als Angestellter eines Rüstungskonzerns sollte die Radartechnologie zur Überwachung feindlicher Flugzeuge verbessert werden. Während eines Experiments machte Spencer jedoch eine Beobachtung, die er sich zunächst nicht erklären konnte. Ein Schokoriegel in seiner Jackentasche war zu einem klebrigen Klumpen geworden. Dabei hatte er keine besondere Wärme im Raum bemerkt.

Seine berufliche Neugier war geweckt. Nach kurzer Überlegung vermutete der Ingenieur, dass die Mikrowellenstrahlung der Röhren die Schokolade zum Schmelzen gebracht hatte. Er stellte Maiskörner vor die Röhre und schaltete sie ein. Tatsächlich flog wenig später Popcorn durch den Raum. Der Legende nach soll ein weiteres Experiment weniger günstig ausgegangen sein. Die Strahlung brachte ein rohes Ei zur Explosion und sein Inhalt landete im Gesicht eines Kollegen.

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Ein militärisches Gerät wird zum „Radarherd“

Nach weiteren Experimenten lag das Wirkungsprinzip auf der Hand. Die Mikrowellen bringen Wassermoleküle zum Schwingen, was Reibungswärme erzeugt. Und die führte letztlich zum Poppen der Maiskörner oder Schmelzen der Schokolade. Den ersten „Radarherd“ baute Spencer schon im Jahr 1946. Von einem praktischen Haushaltsgerät war dieser erste Wurf aber weit entfernt. Über 300 Kilogramm schwer und fast zwei Meter hoch, verlangte das Gerät eine Leistung von 3000 Watt. Im Januar 1950 wurde dem Erfinder das US-Patent mit der Nummer 2.495.429 zugesprochen.

In der Praxis gehörten Kantinen, Großküchen und auch Restaurants zu den ersten Abnehmern von Mikrowellen. Sie waren auch die einzigen, die sich Preise zwischen 2000 und 5000 Dollar leisten konnten. Zu dieser Zeit hatten US-Bürger durchschnittlich 60 Dollar wöchentlich in ihrer Lohntüte. Apropos Geld: Spencer erhielt für seine Erfindung von seinem Arbeitgeber die vertraglich zugesicherten zwei Dollar.

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Der lange Weg in die Küchen

Raytheon, der Arbeitgeber von Spencer, vergab eine Lizenz an das Unternehmen Tappan Stove Company, das Mitte der 50er-Jahre die Mikrowelle bereits etwas schrumpfen und den Preis drücken konnte. Über 1200 Dollar waren indes immer noch sehr viel Geld, und damit blieben die Verkaufszahlen auch überschaubar.

Erst in den 60er-Jahren gelang ein echter Durchbruch. Die Firma Litton Technologies gab der Mikrowelle die Form, die wir auch heute noch kennen. Das kleine und kastenförmige Gerät kostete Ende der 60er-Jahre zwar immer noch stattliche 500 Dollar. Und wurde langsam auch für die breite Masse erschwinglich. Zu dieser Zeit boomte die Wirtschaft, und nachdem Auto und Fernseher in der breiteren Masse der amerikanischen Bevölkerung angekommen waren, war der Konsumhunger immer noch nicht gestillt. Die Preise sanken erheblich, was zu einer regelrechten Explosion der Verkäufe führte. 1970 kauften die Amerikaner 40 000 Mikrowellen, 1975 dann bereits eine Million.

Die Deutschen sind erst einmal skeptisch

In Deutschland blieb die Nachfrage nach einer Mikrowelle zunächst verhalten. Dies änderte sich ab den 80er-Jahren, als erste Kombigeräte auf den Markt kamen. Der „Meisterkoch“ von Siemens wurde als Universalherd angepriesen, der auch eine Mikrowelle enthielt. Eine der bekanntesten Marken vertraute auf diese Technologie – da war sicherlich etwas Wahres dran. Das Gerät verkaufte sich häufig.

Die deutsche Kundschaft war zögerlicher, startete dann aber richtig durch. Es kam zu einem echten Hype, ähnlich wie er heute um Heißluftfritteusen zu beobachten ist. Kein Verlag kam ohne Rezeptsammlungen und Kochbücher rund um die Mikrowelle aus. Mit einer Mikrowelle sollte sich alles zubereiten lassen, sogar Desserts.

Der Boom kam für die Haushaltsgerätehersteller zur rechten Zeit. Die Nachfrage nach Waschmaschinen, Herden oder Trocknern ging zurück, weil die meisten Haushalte damit bereits ausgestattet waren.

Heute ist die Mikrowelle in deutschen Küchen fest etabliert. Statistiken des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass im Jahr 2021 etwa 73,8 Prozent der Haushalte in Deutschland eine Mikrowelle besitzen. Einst mit Skepsis betrachtet, hat die einstmalige Zufallsentdeckung der Rüstungsindustrie ihren Platz erobert.

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