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Zeitpunkt, Menge, Wasserart

Wie Sie Ihre Pflanzen richtig gießen

Neu gesetzte Pflanzen im Garten brauchen im ersten Jahr mehr Wasser und Pflege
Wichtige Regel beim Gießen: Immer nur den Wurzelbereich gießen! Blüten und Früchte benötigen keine kalte Dusche.Foto: Getty Images

Zu viel Wasser, der falsche Zeitpunkt, zu oft oder zu zaghaft: Beim Bewässern Ihrer Pflanzen im Garten und auf dem Balkon gibt es einiges zu beachten – und leider auch vieles falsch zu machen. Doch wann, wie und vor allem wie oft sollten Sie gießen? myHOMEBOOK zeigt Ihnen, welche Tücken beim Bewässern von Rasen, Kübelpflanzen und Co. lauern und was Sie beachten müssen.

Der beste Zeitpunkt zum Gießen

„Der ideale Zeitpunkt zum Gießen liegt in den Morgenstunden“, weiß Sandra von Rekowski, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Bundesverbands Deutscher Gartenfreunde e. V. Gießen Sie am frühen Morgen, steht den Pflanzen das benötigte Wasser schon zu Tagesbeginn zur Verfügung. Über den Tag hinweg könne es zusammen mit allen Nährstoffen aufgenommen werden. Zudem ist morgens die Luft noch nicht so warm. Das Wasser verdunstet nicht gleich nach dem Gießen, sondern sickert in den Boden.

Wann Sie nicht gießen sollten

Bei starker Hitze und Sonneneinstrahlung, besonders also in den Mittagsstunden, sollten Sie die Gießkanne lieber stehen und den Wasserhahn zugedreht lassen. „Das Wasser verdunstet schnell und kommt nicht in ausreichender Menge an die Wurzeln. Zudem besteht die Gefahr von Verbrennungen der oberirdischen Pflanzenteile. Wassertropfen wirken wie eine Lupe und lassen empfindliche Blätter einfach verbrennen und absterben“, warnt die Gartenexpertin.

Ebenso wenig empfiehlt sie das Gießen in den Abendstunden. Die Pflanzen seien in den späten Stunden des Tages nicht mehr in der Lage Wasser aufzunehmen, da sie sich in einer Ruhephase befänden. Gießen Sie Ihre Gewächse trotzdem, droht Staunässe. Die Folge: Die Wurzeln leiden unter Sauerstoffmangel und können absterben.

Während beim morgendlichen Gießen eventuell feucht gewordene Blätter in der Tagessonne noch rasch abtrocknen könnten, sieht Robert Markley, Geschäftsführer vom Verband der Gartenbaumschulen in Haan (Nordrhein-Westfalen), eine weitere Gefahr: Abendliches Gießen ist „ungünstig, da nasses Laub nicht mehr abtrocknen kann und sich Pilze ideal ausbreiten können.“

Richtig gießen – So geht's!

Die optimale Wasserversorgung ist ein nicht zu unterschätzender Faktor für ein gutes Pflanzenwachstum. Wichtig ist laut der Gartenexpertin aber immer der Rundumblick und sich vor dem Gießen zu fragen:

  • Was habe ich für einen Boden?
  • Hält dieser das Wasser gut oder ist er sehr durchlässig, wie beispielsweise ein Sandboden?
  • Wie warm ist es? Bei großer Wärme verbrauchen Pflanzen bekanntlich mehr Wasser, als bei niedrigeren Temperaturen.
  • Wo wachsen meine Pflanzen – im Kübel, Topf oder im Beet?

Den wohl wichtigsten Tipp, den Sandra von Rekowski Hobbygärtnern auf den Weg geben möchte, ist, immer nur den Wurzelbereich zu gießen: „Das Wasser gehört nicht auf die Blätter oder Früchte einer Pflanze, sondern allein an die Wurzeln. Wasser auf oberirdischen Pflanzenteilen kann Krankheiten hervorrufen und beispielsweise Pilzbefall fördern.“

Gießen Sie zudem lieber einmal kräftig und ausgiebig, als öfter und zaghaft. Wenig oberflächliches Wasser kann nur unzureichend bis zu den Wurzeln vordringen. Die Pflanze ist in diesem Falle nicht ausreichend versorgt. Ein weiterer Vorteil des kräftigen Gießens: Kräftig, aber seltener gegossene Pflanzen bilden zudem kräftigere, tief reichende Wurzeln und können sich in Notzeiten auch gut selbst mit Wasser aus der Tiefe versorgen.

Zudem empfiehlt er die Beete gut durchzuhacken: „Oberflächliches Hacken einer trockenen Bodenkruste sorgt dafür, dass durch den sogenannten Kapillareffekt Wasser aus tieferen Bereichen nach oben gelangt und den Pflanzen zur Verfügung steht.“

Gießen einer Topfpflanze
Topf- und Kübelpflanzen müssen häufiger gegossen werden. Regelmäßiges Düngen nicht vergessen!Foto: Getty Images

Mit Leitungswasser oder Regenwasser gießen?

„Die Kleingärtner machen es vor: Regenwasser sammeln und zum Gießen verwenden ist die optimale Lösung“, weiß die Gartenexpertin des Bundesverbands Deutscher Gartenfreunde e. V. So schonen Sie wertvolle Trinkwasserressourcen und nutzen wie nebenbei die Vorteile des Regenwassers:

  • Es ist kostenlos verfügbar.
  • In Regentonnen gesammelt, ist Regenwasser lange verfügbar.
  • Es hat eine optimale Gießtemperatur und ist luftwarm.
  • Es ist wesentlich kalkärmer als Leitungswasser.

Auch interessant: So können Haushalte Regenwasser nutzen

Rasen wässern

„Wässern Sie Ihren Rasen nur ein- bis zweimal pro Woche, dafür aber reichlich“, rät der Pflanzenexperte. Ein Richtwert wären 10 bis 20 Liter pro Quadratmeter bei jeder Bewässerung. Sprengen Sie auch hier am besten morgens, so kann das Wasser tief eindringen. Zudem stimulieren Sie durch das richtige Wässern die Gräser, tiefer zu wurzeln. Auf diese Weise übersteht Ihr Rasen auch Trockenphasen besser. Bei größeren, ebenen Flächen sorgt ein moderner Schwenkregner für eine gleichmäßige Bewässerung des Rasens. Allerdings sollten Sie vor dem Einschalten eines Rasensprengers immer einen Blick auf die Wettervorhersage werfen: „Es macht keinen Sinn bei aufziehendem Niederschlag zu sprengen. Das wäre Verschwendung von wertvollem Trinkwasser“, so Sandra von Rekowski.

Ein Fehler, der Ihnen Ihr üppiges Grün im Garten kosten könnte, ist, den Rasen nicht regelmäßig genug zu wässern. Sprengen Sie auch Rasenflächen, vor allem auf schweren Böden, regelmäßig. Auf diese Weise vermeiden Sie durch Trockenheit verursachte Bodenrisse.

Schwenkregner und Impuls-Sprenger sind vor allem für Grundstücke mit einer großen Rasenfläche durchaus eine Überlegung wertFoto: Getty Images

Topfpflanzen gießen

Pflanzen in Töpfen auf dem Balkon oder der Terrasse lassen sich am besten über den Untersetzer gießen. Sie können Topfpflanzen sich kurz vollsaugen lassen und dann was überschüssige Wasser abschütteln. Ganz wichtig: Düngen Sie Ihre Topfpflanzen regelmäßig mit Flüssigdünger, da durch häufiges Gießen Nährstoffe ausgeschwemmt werden.

Gemüsebeet gießen

Beim Gießen Ihrer Gemüsebeete rät Sandra von Rekowski „das Wasser bodennah ausbringen und nicht die oberirdischen Pflanzenteile zu gießen. Gießen Sie am besten mit luftwarmen Regenwasser tiefgründig und bei Bedarf. Wer seine Beete zudem mulcht, verhindert zu schnelle Verdunstung und muss weniger gießen.“ Auch zum Gießen Ihrer Gemüsepflanzen sind die frühen Morgenstunden ideal.

Kräuter gießen

Wie oft Sie Ihre Kräuter gießen müssen, ist witterungs- und bodenabhängig. Als Richtwert gilt: Wenn es die ganze Woche nicht geregnet hat, gießen Sie ca. jeden dritten Tag Ihre Kräuter. Allgemein sind Kräuter pflegeleichter als viele andere Pflanzen. Eine Ausnahme bildet hier allerdings Basilikum. Dieser benötigt sehr viel Wasser, da auch viel verdunstet. Minzen sollten generell an einem feuchteren Standort stehen. Auch müssen Kräuter im Topf öfter gegossen werden, als Kräuter im Beet.

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Gehölze, Stauden und Hecken wässern

Gehölze, Stauden und Hecken sind meist schon über mehrere Jahre an einem Standort etabliert. Daher haben sie im Regelfall, das heißt bei einer standortgerechten Pflanzenwahl, kräftige Wurzeln ausgebildet und müssen weniger oft gegossen werden. Bei großer Hitze freuen sie sich aber selbstverständlich über zusätzliche Wassergaben am Morgen.

Robert Markley empfiehlt, dazu einfach den Gartenschlauch ins Beet hineinzulegen und das Wasser langsam – bei geringem Druck – laufen und versickern zu lassen. Sein Tipp: „Mulchen erhält und erhöht die Bodenfeuchtigkeit!“

Unterstützung beim Gießen bieten auch automatische Bewässerungssysteme. Wenn diese richtig eingestellt sind, können Sie Ihnen die tägliche Gießarbeit sehr erleichtern.

Die richtige Dosis

Eine Faustregel, wie viel Wasser Ihre Gewächse zum optimalen Gedeihen benötigen, gibt es leider nicht. So besteht schon ein großer Unterschied in puncto Alter und Standort der Pflanze. Nicht zu unterschätzen sei demnach, ob die Pflanze frisch gepflanzt wurde oder bereits seit vielen Jahren am gleichen Standort stünde. Auf das Gießverhalten wirke sich auch aus, ob dieser in der Sonne oder im Schatten liegt.

Grobe Orientierung bietet mitunter ein genauerer Blick auf die Blätter:

  • Pflanzen mit dicken, sukkulenten oder ledrigen Blättern, wie Hauswurz, Fette Henne oder Kakteen benötigen weniger Wasser. Sie speichern Wasser in ihren Blättern bzw. anderen Pflanzenteilen und nutzen es, wenn es nötig wird.
  • Pflanzen mit dünnen Blättern hingegen brauchen in der Regel auch mehr Wasser.
  • Ob und wie viel Wasser benötigt wird, kann an der Struktur der Blätter erkannt werden. Sind sie eingerollt oder hängen schlapp herunter, signalisiert die Pflanze Wasserbedarf.

Blumen sollten dann gegossen werden, wenn die Oberfläche der Erde angetrocknet ist und sich nicht mehr feucht anfühlt.

Verschiedene Pflanzenarten können einen sehr unterschiedlichen Wasserbedarf aufweisen. Robert Markley empfiehlt, sich die Blätter auch hinsichtlich ihrer Größe eingehender anzusehen, möchten Sie den Wasserbedarf Ihrer Pflanzen ermitteln:

„Eine erste Richtschnur ist die Laubgröße: Kleines, grausilbriges Laub kennzeichnet besonders sonnenliebende Pflanzen, wie zum Beispiel den Lavendel, der wenig Wasser verdunstet. Großes Laub weist dagegen auf einen hohen Wasserbedarf und passionierte Schattenliebhaber hin. Dies gilt für Hortensien genauso wie für Funkien. Ist das Blattwerk zudem noch immergrün, wie bei Rhododendren und Kirschlorbeer, verlangen die Pflanzen rund um das Jahr ausreichend feuchte Böden.“

Pflanzen mit hohem Wasserbedarf

  • Wasserpflanzen, Gemüsepflanzen, ein- und zweijährige Pflanzen (Sommerblumen) sowie alle frisch gepflanzten Pflanzen sollten regelmäßig und tiefgründig gewässert werden.
  • Kübel- und Topfpflanzen müssen öfter gegossen werden, als ihre Beetbrüder.

Pflanzen mit niedrigerem Wasserbedarf

  • Viele Gräser
  • Dickblättrige Pflanzen, wie Haus- und Dachwurz, Fette Henne, Kakteen
  • Gut eingewachsene Gehölze und Stauden
  • Mediterrane Kräuter, wie Lavendel, Thymian und Rosmarin
  • Besonders wenig Wasser benötigen Nadelgehölze.

Tipp: Pflanzen Sie Pflanzen mit ähnlichen Standortansprüchen zusammen. Das erleichtert das Gießen, Hegen und Pflegen enorm.

Gießen einer Studentenblume
Vor dem Gießen die Daumenprobe machen: Studentenblumen sollten dann gegossen werden, wenn die Oberfläche der Erde angetrocknet ist und sich nicht mehr feucht anfühlt. Im Kübel ist der Wasserbedarf höher als im Beet.Foto: Getty Images

Wie Sie Ihre Pflanzen zu „genügsamen Trinkern“ erziehen

Wichtig für eine optimale Wasserversorgung ist ein ausreichend weit verbreitetes Wurzelsystem. Gut eingewurzelte, ältere Pflanzen sind unter normalen Bedingungen in der Lage, ihren Wasserhaushalt selbst zu regulieren. So wachsen Pflanzenwurzeln zum Wasser im Boden hin. Werden Pflanzen jedoch zu häufig gegossen, bilden sie nur oberflächennahe Wurzeln aus. Während einer Hitzeperiode kann es dann rasch zu Welkeerscheinungen kommen, weil auch über den Boden sehr viel Wasser verdunstet.

SOS-Tipps bei zu wenig oder zu viel Wasser

Doch was tun, wenn Ihre Pflanzen zu wenig oder zu viel Wasser erwischt haben? Sind Trockenschäden sichtbar, ist es meist schon zu spät. Am besten helfe in diesem Falle Schattieren. Vermeiden Sie unbedingt übertriebene Wassergaben.

Haben Ihre Pflanzen hingegen zu viel Wasser erwischt, können Sie im Garten wenig tun. Auf der Terrasse empfiehlt der Gartenexperte „die Töpfe auf Füßchen zu stellen, damit das Wasser rasch ablaufen kann.“

Übrigens: Die Wirkung von Regen wird laut Markley oft überschätzt. So ist es nicht bedenklich, wenn Ihre so eben gegossenen Pflanzen von einem Regenschauer überrascht werden. Vor allem Kübelpflanzen erreiche das Regenwasser kaum.