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Titanenwurz

Wächst die „Penisblume“ auch im eigenen Garten?

Penis-Blume: Titanwurz
Wenn es kommt, dann aber dicke: Der Blütenkolben einer Titanwurz wird bis zu zwei Meter hoch und rund ein Meter breit – allerdings nur in freier NaturFoto: Getty Images

Die Titanenwurz nennen manche auch Penisblume. Die größte Blume der Welt ist selten und schwer zu kultivieren. Es gibt jedoch einige Tricks, mit denen es erfahrenen Hobbygärtnern gelingen könnte.

Die Titanenwurz ist in jeder Hinsicht extrem. Ihre einzige Blüte wird rund zwei Meter hoch. In ihrer Heimat Sumatra (Indonesien) erreicht der Kolben manchmal eine Dicke von bis zu einem Meter. „Amorphophallus titanum“, so die lateinische Bezeichnung, ist damit die größte Blume der Welt. Und weltweit ist es eine Sensation, wenn die Blume blüht. Denn das geschieht nur etwa alle drei Jahre. Die Pflanze gibt dann alles. Kurz vor der Blüte wächst der mit einem roten Hochblatt umhüllte Kolben rasant in die Höhe. Man nennt sie deshalb im Volksmund daher auch „Penisblume“.

Das Spektakel dauert nur ein bis drei Tage und ist in jeder Hinsicht atemberaubend. Eine Titanenwurz ist dafür berüchtigt, in den ersten Stunden der Blüte einen beißenden Gestank nach Aas zu verströmen. In Asien wird die Pflanze im Volksmund daher ganz anders genannt, als hierzulande: Leichenblume. Durch den fiesen Geruch lockt die Pflanze Aaskäfer an. Die Insekten legen ihre Eier in der Blume ab, die sie für Aas halten. Gleichzeitig bestäuben sie die Pflanze, wenn ihnen von einem vorherigen Besuch einer anderen Titanenwurz welche anheften.

Ob das funktioniert, ist jedoch ein Glücksfall. Die Pflanzen sind rar. Ist die Bestäubung von Erfolg gekrönt, wachsen aus der Blüte zahlreiche rote Beeren. Anschließend stirbt die Pflanze ab. Wurde sie nicht bestäubt, stirbt nur die Blüte ab. Die Titanenwurz legt dann eine längere Ruhepause, bis sie nach rund drei Jahren erneut ihre Blütenpracht zeigt.

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Kann man den Titanenwurz auch selbst kultivieren?

Das wäre wahrlich ein ambitioniertes Projekt und nur was für geduldige und erfahrene Blumenspezialisten. Außer auf der Insel Sumatra wächst die Pflanze aus der Familie der Aronstabgewächse meist nur in den Gewächshäusern verschiedener Botanischer Gärten. Hobbygärtner, die eine Titanenwurz kultivieren wollen, müssen viele Dinge beachten. Auch wenn man bei der Pflege alles richtig macht, eine Blüte ist nicht immer garantiert.

Titanenwurz optimal pflegen

Im Garten kann man die exotische Pflanze nicht kultivieren. Das geht hierzulande nur in einem gut geheizten Gewächshaus. Die durchschnittliche Raumtemperatur liegt idealerweise bei rund 27 Grad. Und das bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von rund 80 Prozent. Zudem ist ein heller Standort wichtig. Aber zu starke Mittagssonne stresst eine Titanenwurz schnell. Die Pflanzenerde sollte mit etwas Sand gemischt werden.

Das sind die Voraussetzungen. Weitere Pflegetipps sind:

Bewässerung

Das Gießen der Titanenwurz wird schnell zur Stolperfalle. Generell gilt: nicht zu viel, nicht zu wenig. Die Erde hält man stets feucht. Dabei vermeidet man in jedem Fall Staunässe. Denn die führt schnell zu Wurzelfäule, was das vorzeitige Ende des Projekts bedeutet. Das droht jedoch auch bei zu trockener Erde. Wächst das Blatt, gießt man etwas mehr. Diese Wachstumsperiode dauert mindestens ein Jahr an. Während der sich anschließenden Ruhephase verwelkt das Blatt, dann gibt man nur wenig Wasser.

Düngung des Titanenwurz

Für die nährstoffhungrige Pflanze ist die Gabe eines hochwertigen Flüssigdüngers mit einem NPK-Anteil von 8-8-6 unbedingt notwendig. N steht für den prozentualen Anteil an Stickstoff, P für Phosphor und K für Kaliumoxid. In den Sommermonaten wird einmal pro Woche etwas Dünger dem Gießwasser zugegeben. Während des Winters düngt man alle drei Wochen.

Schnitt

Kranke und faulige Pflanzenteile schneidet man behutsam mit einem scharfen und sterilen Messer heraus. Abgestorbene Blätter entfernt man mit der Hand.

Vermehrung des Titanenwurz

Eine Vermehrung der Titanenwurz ist schwierig, aber nicht unmöglich. Am ehesten funktioniert es über Stecklinge. Dazu ein junges, gesundes Blatt mit einem sauberen Messer an einer Verzweigung abschneiden. Der Steckling mit einer Länge bis zu 20 Zentimetern wird anschließend kurz in Bewurzelungspulver gegeben. Anschließend steckt man ihn in einen Topf, gefüllt mit anorganischem Substrat. Der Anzuchttopf kommt in einen durchsichtigen Kunststoffbehälter, der mit einem Deckel verschlossen an einen halbschattigen, warmen Ort gestellt wird. Nach rund drei Monaten bilden sich junge Wurzeln und eine kleine Knolle.

Auch über Pflanzensamen ist eine Vermehrung möglich. Diese setzt man jeweils rund 5 Millimeter tief in einen Anzuchttopf, gefüllt mit Anzuchterde. Das Substrat hält man feucht, aber nicht zu nass. Geht alles gut, zeigen sich nach etwa vier Wochen erste Keime. Während der Ruhephase im Winter dauert die Keimbildung mitunter bis zu einem halben Jahr. Sowohl bei der Methode durch Stecklinge wie bei der Anzucht über Samen sollte die Raumtemperatur bei rund 25 Grad liegen.

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Krankheiten und Schädlinge

Eine Titanenwurz reagiert äußerst empfindlich auf zu niedrige Temperaturen. Vor allem aber bei zu feuchter Erde droht Fäulnis an der Knolle. Diese muss dann von den befallenen Stellen befreit werden und in neues Substrat umgetopft werden. Die neue Erde hält man weiterhin nur mäßig feucht.

Bei zu trockener Erde machen der Titanwurz manchmal Wurzelläuse zu schaffen. Ein Befall mit den nur einige Millimeter kleinen, weißen Tieren bleibt lange unerkannt. Am besten untersucht man die Wurzel bei jedem Umtopfen auf die Schädlinge. Diese bilden ein wachsartiges, weißes Pulver, das an befallenen Knollen und Wurzel haften. Dagegen helfen Raubmilben, die man an der befallenen Pflanze verteilt. Die Nützlinge bekommt man im Fachhandel oder online. Auf die Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel verzichtet man lieber. Die Titanwurz reagiert auf die Inhaltsstoffe äußerst sensibel.