Bauernregeln gehören seit Jahrhunderten zum ländlichen Brauchtum und sind bis heute vielen Menschen bekannt. Ursprünglich dienten sie dazu, Wetterentwicklungen und deren Auswirkungen auf die Landwirtschaft vorherzusagen. In einer Zeit ohne moderne Wettervorhersagen orientierten sich Bauern an ihren Beobachtungen der Natur und gaben ihre Erfahrungen in kurzen, einprägsamen Reimen weiter. Viele dieser überlieferten Regeln haben sich bis heute erhalten und sind fest im kulturellen Gedächtnis verankert. Eine bekannte Bauernregel lautet: „Kommt die Schafskälte angerannt, wird‘s im Juni kalt im Land.“ Doch was steckt hinter diesem Wetterphänomen – und wie verlässlich ist die Regel tatsächlich?
Die Bauernregel für Juni – was die Schafskälte bedeutet
Die Schafskälte tritt meist zwischen dem 4. und 20. Juni auf. In diesem Zeitraum strömt häufig kalte Luft aus dem Raum Island und Grönland nach Mitteleuropa und sorgt für einen spürbaren Temperatursturz. Begleitet wird der Wetterumschwung oft von wechselhaftem und regnerischem Wetter. Wegen der häufigen Niederschläge bezeichneten Seefahrer diese Phase früher sogar als „Europäischen Sommermonsun“.
Während der Schafskälte bleiben die Tageshöchstwerte vielerorts unter der 20-Grad-Marke. Nachts können die Temperaturen auf einstellige Werte sinken, in ungünstigen Lagen ist sogar Bodenfrost möglich.
Allerdings tritt die Schafskälte nicht in jedem Jahr auf. „Im Durchschnitt liegt die Eintrittswahrscheinlichkeit bei etwa 70 Prozent“, erklärt Diplom-Meteorologe Jörg Riemann von der Wettermanufaktur auf Anfrage von myHOMEBOOK.
Momentan ist es recht wechselhaft, erklärt der Experte. Es wird aber nicht so bleiben. Ab Mitte der kommenden Woche kündigt sich eine Neigung zu einem Hochdruckeinfluss an. „Das Temperaturniveau steigt über das Mittel.“ Auch Regen sei gelegentlich möglich.
Das heißt, dass es in diesem Jahr keine Schafskälte geben wird, erklärt Riemann. „Bis Ende Juni haben wir, Stand jetzt, keinen Tag, an dem das Temperaturniveau unter dem Mittel ist“, verrät der Experte.
Das bedeutet die Schafskälte für den Garten
Da die Schafskälte in diesem Jahr ausfällt, kann man die Gartenarbeit wie gewohnt fortsetzen und an schönen Tagen auch einfach mal genießen und die Füße hochlegen. Selbst eine klassische Schafskälte wäre kein Grund zur Sorge: Die kurze Kältephase kann den Pflanzen nichts mehr anhaben.
Größer ist laut Riemann häufig die Gefahr durch erhöhte Niederschlagsmengen. Hält die feuchte Witterung über einen längeren Zeitraum an, können beispielsweise Erdbeeren leichter faulen. Zudem sind Bienen bei kühlem und regnerischem Wetter weniger aktiv, was die Bestäubung beeinträchtigen kann.
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