15. August 2025, 16:59 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Wer im Garten eine vermeintliche Schlange entdeckt, erschrickt oft – dabei handelt es sich nicht selten um eine Blindschleiche. Ihr schimmernder, schlangenähnlicher Körper führt viele in die Irre. Wie man Blindschleichen von Schlangen unterscheiden kann und wie man richtig handelt, wenn man den Tieren im Garten begegnet.
Nicht giftig, nicht blind und auch keine Schlange
Die Blindschleiche (Anguis fragilis) ist eine Echse, obwohl sie auf den ersten Blick wie eine Schlange wirkt. Sie besitzt jedoch bewegliche Augenlider, rudimentäre Gliedmaßenknochen und ein steiferes Schlängelverhalten. Auch ihr Name ist irreführend, denn blind ist sie nicht. Die Bezeichnung leitet sich laut dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) vom althochdeutschen Wort „plintslicho“ ab, was „blendender Schleicher“ bedeutet – eine Anspielung auf ihren metallischen Glanz.
Trotz ihrer bis zu 50 Zentimeter langen Erscheinung ist sie vollkommen harmlos. Sie beißt nicht und besitzt kein Gift. In Gefahrensituationen kann sie, wie viele Echsen, ihren Schwanz abwerfen. Die abgeworfene, zuckende Schwanzspitze lenkt Angreifer ab, während sich das Tier in Sicherheit bringen kann. Der Schwanz wächst nach, bleibt jedoch verkürzt.
Wie man eine Blindschleiche von einer Schlange unterscheidet
Obwohl ihr glänzender, länglicher Körper einer Schlange ähnelt, gibt es mehrere deutliche Unterschiede. Blindschleichen besitzen bewegliche Augenlider, die sie schließen können, Schlangen haben dagegen eine feste, durchsichtige Augenabdeckung. Zudem haben Blindschleichen im Gegensatz zu Schlangen winzige, rudimentäre Reste von Becken- und Schulterknochen, die äußerlich nicht sichtbar, aber im Skelett nachweisbar sind.
Auch ihre Fortbewegung wirkt steifer und weniger geschmeidig als bei Schlangen. Ein weiteres Merkmal: Blindschleichen können ihren Schwanz bei Gefahr abwerfen, während Schlangen dazu nicht in der Lage sind.
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Was tun, wenn man eine Blindschleiche im Garten findet?
Von Blindschleichen geht keine Gefahr aus, es besteht also kein Grund zur Panik, begegnet man dem Tier im eigenen Garten. Wer der Blindschleiche helfen möchte, kann nach Angaben des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV) mit einfachen Mitteln einen geeigneten Rückzugsort im Garten schaffen. Holz- oder Steinhaufen, Trockenmauern, Heuansammlungen und Kompostplätze bieten ideale Verstecke für die Reptilien. Eine zusätzliche Wasserquelle verbessert die Bedingungen. Das Vorkommen der Blindschleiche ist nicht nur ein Zeichen für ein funktionierendes Ökosystem, sondern auch ein Gewinn im Kampf gegen Schneckenplagen.
Den eigenen Garten Blindschleichen-freundlichen gestalten
Um den eigenen Garten so zu gestalten, dass sich Blindschleichen wohlfühlen, kann man neben den Rückzugsorten und der Wasserstelle auf folgende Sachen achten:
- Komposthaufen anlegen: dient als wärmer Rückzugsort und lockt gleichzeitig Schnecken und Würmer als Nahrung an
- Unkrautecken stehen lassen: nicht jede Fläche perfekt pflegen, damit Insekten und Kleintiere Lebensraum finden
- Chemie vermeiden: auf Pestizide, Schneckenkorn und Kunstdünger verzichten, um das Nahrungsangebot nicht zu gefährden
- Wasserquelle einrichten: kleine Teiche, Wasserschalen oder Feuchtbereiche schaffen ein günstiges Mikroklima
- Wiesenbereiche nicht zu oft mähen: hohes Gras bietet Deckung und Lebensraum für Beutetiere
- Sonnige und schattige Plätze kombinieren: Blindschleichen benötigen beides, Wärme zum Aufheizen und kühle Rückzugsorte
- Katzen und Hunde fernhalten: wo möglich, Zugänge zu den Rückzugsorten sichern
Blindschleichen sind nützliche Helfer im Garten
Blindschleichen leben bevorzugt in naturnahen Gärten, Wäldern, Wiesen und Brachen. Besonders häufig finden sie sich in Komposthaufen, unter Steinen oder im Laub. Ihre Nahrung besteht zu einem Großteil aus Nacktschnecken und Regenwürmern, sagt der BUND Hessen. Damit helfen sie, Schädlinge auf natürliche Weise zu regulieren, was ein Vorteil für jeden Gartenbesitzer ist. Auch unbehaarte Raupen, Schmetterlingslarven, Spinnen und Asseln stehen gelegentlich auf ihrem Speiseplan. Ihre Jagdzeiten liegen in der Dämmerung sowie bei feuchtem Wetter auch am Tag.
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Bedrohung durch Menschen und viele verschiedene Tiere
Obwohl die Blindschleiche in vielen Teilen Europas weitverbreitet ist, steht sie in mehreren Bundesländern auf der Vorwarnliste oder gilt als gefährdet. Der größte Feind ist der Mensch: Lebensraumverlust durch intensive Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden und Schneckenkorn sowie achtloses Töten aus Unwissenheit dezimieren ihren Bestand. Auch Hunde, Katzen, Hühner sowie zahlreiche Wildtiere zählen zu ihren natürlichen Feinden.
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Fortpflanzung und Lebensweise der Blindschleiche
Blindschleichen führen ein eher verborgenes Leben und sind vorwiegend in der Dämmerung aktiv. Die Paarungszeit beginnt zwischen April und Juni, wenn die Temperaturen dauerhaft milder sind. Anders als viele Reptilien legen Blindschleichen keine Eier, sondern bringen ihre Jungen lebend zur Welt. Die Weibchen tragen die befruchteten Eier im Körper, bis die Jungtiere nach etwa drei Monaten schlüpfen.
Ein Wurf besteht in der Regel aus sechs bis zwölf, selten bis zu 26 Jungtieren, die bereits vollkommen selbstständig sind. Blindschleichen können erstaunlich alt werden: Unter günstigen Bedingungen erreichen sie ein Alter von 20 bis 30 Jahren.