Natron wird derzeit in vielen Gartenforen als einfaches Mittel gegen den Buchsbaumzünsler empfohlen. Die Idee wirkt auf den ersten Blick plausibel, schließlich wird der Stoff im Garten vielseitig eingesetzt. Aber hilft er wirklich gegen den Zünsler?
Der Buchsbaum lässt sich nicht hetzen. Er wächst langsam, nur wenige Zentimeter im Jahr. Wer ihn im Garten hat, schneidet und päppelt ihn über Jahre hinweg in seine ihm zugedachte Form. Schnitt für Schnitt wird immer wieder verfeinert und korrigiert. Und dann kommt der Zünsler. Eine kleine Raupe, die sich von innen durch den Strauch frisst, als wäre das alles nichts. Als mögliche Gegenmaßnahme gegen diesen gefräßigen Schädling taucht im Netz immer wieder Natron auf. Ein Hausmittel, das von Kühlschrankgerüchen bis Kuchenteig für vieles eine Lösung ist.
Natron wirkt alkalisch und kann den pH-Wert auf Blattoberflächen verändern. Deshalb wird es im Garten vor allem gegen bestimmte Pilzkrankheiten eingesetzt. Bei Insekten wie dem Buchsbaumzünsler greift dieser Mechanismus jedoch nicht in gleicher Weise.
Das Julius-Kühn-Institut, das Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, ordnet eine mögliche Wirkung entsprechend zurückhaltend ein. Auf Anfrage von myHOMEBOOK heißt es: „Natron kann den Verdauungstrakt oder die Außenhülle der Larven reizen. Dafür müsste aber eine sehr große Menge aufgenommen werden. Reproduzierbare Versuche zur Wirkung auf den Buchsbaumzünsler gibt es nicht.“
Wenn man es trotz der wackeligen Forschungslage mit Natron probieren möchte, kann man so vorgehen: Natron wird in einem Liter Wasser aufgelöst und die Lösung auf die Pflanze gesprüht. Die Dosierungsempfehlungen variieren stark – ein gängiger Ausgangspunkt ist ein Teelöffel auf einen Liter Wasser. Gesprüht werden sollte möglichst früh in der Saison, sobald sich erste Gespinstfäden zeigen. Wer erst wartet, bis Fraßspuren sichtbar sind, hat meist schon ältere, widerstandsfähigere Larven vor sich. Dann kommt Natron ohnehin zu spät.
Wenn Natron der Pflanze schadet
Bei falscher Dosierung schadet Natron ausgerechnet dort, wo der Zünsler bereits zugeschlagen hat. Die Pflanze kämpft dann an zwei Fronten: gegen den Fraß der Raupen und gegen die zusätzliche Belastung durch das Mittel selbst. Das Julius-Kühn-Institut warnt deutlich: „Hohe Konzentrationen können zu Blattschäden führen, die Wasseraufnahme stören und die Wurzeln unter Stress setzen.“
Wie Bacillus thuringiensis gegen den Buchsbaumzünsler wirkt
Was Natron nicht schafft, macht Bacillus thuringiensis im Vorübergehen. Die natürlich unter anderem im Boden vorkommenden Bakterienarten produzieren sogenannte Bt-Toxine, Giftstoffe, die gezielt gegen Buchsbaumzünsler und andere Schadinsekten wirken. Die im Handel erhältlichen Bt-Präparate werden auf die Pflanzen gesprüht und von den Larven beim Fressen aufgenommen. Im Darm der Larven entfalten sie ihre Wirkung und stoppen die Nahrungsaufnahme. Das Julius-Kühn-Institut bestätigt: „Zur effektiven Bekämpfung haben sich diese Präparate bewährt – jüngere Larven sterben innerhalb weniger Stunden ab, ältere innerhalb von ein bis zwei Tagen.“ Natron kann das als alleiniges Mittel nicht leisten. Wer auf Bacillus thuringiensis verzichten möchte, kann auf Extrakte des Neembaums ausweichen.
Der richtige Zeitpunkt für den Bacillus-thuringiensis-Einsatz
Pheromonfallen fangen die männlichen Falter und zeigen so an, wann die Flugzeit beginnt. Kurz danach legen die Weibchen ihre Eier ab, wenig später schlüpfen die ersten Larven. In dieser Phase wirkt die Behandlung mit Bacillus thuringiensis am besten. Bei kleinen Sträuchern können sichtbare Larven auch von Hand abgesammelt oder mit einem harten Wasserstrahl abgespritzt werden.
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