2. August 2025, 6:53 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Sie kriechen langsam durch Beete, über Gehwege und Straßen – und nicht selten wollen Menschen den scheinbar wehrlosen Schnecken helfen, wenn Gefahr droht. Doch wer meint, Schnecken einfach am Gehäuse hochnehmen zu können, könnte den Tieren ungewollt schaden. Warum der Griff zum Häuschen problematisch ist und wie man Schnecken richtig umsetzt, erklärt ein Experte.
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Warum man Schnecken besser nicht am Haus hochnimmt
Schneckenexperte Walter Wimmer, Geschäftsbereichsleiter „Regionaler Naturschutz“ beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, warnt: „Wenn sehr stark an ihrem Haus gezogen wird, kann es im Weichkörper der Schnecke tatsächlich durch Überdehnung empfindlicher Strukturen zu Verletzungen kommen.“
Vor allem der sogenannte Mantel, der Körper und Gehäuse verbindet, kann geschädigt werden – im schlimmsten Fall mit tödlichen Folgen. Das liegt daran, dass Schnecken sich mit Schleim und Muskelkraft regelrecht festsaugen. Wer sie abrupt abzieht, riskiert daher ernsthafte Schäden.
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So funktioniert die Haftung bei Schnecken
Der Eindruck, Schnecken „kleben“, greift zu kurz. Ihr Fuß ist ein hochspezialisiertes Muskelorgan, das durch wellenartige Bewegungen in Kombination mit Schleimsekret eine enorme Haftkraft entwickelt – sogar kopfüber. Diese Verbindung ist so stark, dass ein plötzliches Abreißen die inneren Strukturen, insbesondere den Rückziehmuskel, überdehnen kann. In Fachartikeln und Schneckenforen wird deshalb klar davor gewarnt, die Tiere gewaltsam vom Untergrund zu lösen.
Schadet es Schnecken, wenn man sie anfasst?
„Gegen das Anfassen der Schnecken spricht nichts“, sagt Wimmer. „Allerdings sollten sich keine Stoffe an den Fingern befinden, die der feuchten Oberfläche des Schneckenkörpers schaden, wie zum Beispiel Salz oder Handcreme.“
Da Schnecken über ihre Haut viele Stoffe aufnehmen, ist es wichtig, die Hände vorher gründlich zu waschen – idealerweise nur mit Wasser und ohne Seifen- oder Cremerückstände. Auch danach sollte man sich die Hände waschen, da Schnecken Aas und auch Kot fressen können – darunter auch Hundekot in Städten. Ihr Schleim kann Krankheitserreger enthalten, die für den Menschen zwar selten gefährlich, aber dennoch unerwünscht sind.
Ein sanfter Trick: klopfen statt ziehen
Unter Schneckenfreunden gilt ein sanftes Klopfen am Gehäuse als hilfreicher Kniff: Die Tiere erschrecken und lösen sich dadurch oft freiwillig vom Untergrund. „Das vorsichtige Klopfen kann das Ablösen tatsächlich unterstützen“, erklärt Wimmer. „Es sollte aber so erfolgen, dass das Haus der Schnecke nicht beschädigt wird.“
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So setzt man Schnecken richtig um
Wenn es notwendig ist, eine Schnecke umzusetzen – etwa um sie vor Autos zu schützen oder aus dem Gemüsebeet zu entfernen –, sollte man folgendermaßen vorgehen:
- Niemals am Gehäuse ziehen: Erst recht nicht, wenn die Schnecke gerade aktiv kriecht.
- Sanftes Klopfen oder Locken: Mit leichtem Tippen ans Gehäuse oder durch geduldiges Locken mit dem Finger löst sich die Schnecke oft von selbst.
- Hilfsmittel verwenden: Ein nasses Blatt, ein feuchter Pinsel oder eine saubere Plastikkarte können helfen, den Fuß vorsichtig zu lösen.
- Feuchte Hände oder Unterlage: Die empfindliche Schleimhaut verträgt keine Trockenheit – deshalb Hände befeuchten oder ein feuchtes Hilftsmittel nutzen.
- Geeigneten Ort suchen: Die Schnecke niemals an einen trockenen Ort umsiedeln, sondern an einen schattigen, feuchten Platz mit Pflanzen – möglichst in der Nähe des Fundortes.
Fazit: Achtsamkeit schützt Schneckenleben
Schnecken sind empfindliche Tiere mit erstaunlichen Fähigkeiten. Wer ihnen helfen möchte, sollte wissen, dass man Schnecken nicht am Gehäuse hochnehmen sollte. „Mit ein bisschen Umsicht und Verständnis lässt sich vermeiden, dass man dem Tier versehentlich Schaden zufügt“, sagt Wimmer.
Ob beim Umsetzen oder bloßem Beobachten: Wer Schnecken mit Respekt begegnet, trägt dazu bei, ihre Rolle im Ökosystem zu bewahren.
Dieser Text erschien zuerst bei unserem Partnerportal PETBOOK