Zum Inhalt springen
logo Das Do-it-yourself-Portal für Haus und Garten
Sommer Alle Themen
Gartenexpertin erklärt

Was eine Hitzewelle mit dem Gartenboden macht

Hitzewelle Gartenboden
Nicht selten sieht der Gartenboden nach einer Hitzewelle so aus Foto: Getty Images
Artikel teilen
Katharina Petzholdt
Garten-Autorin

31. Juli 2026, 6:31 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Wenn Wasser nicht mehr nass macht: In langen Hitzeperioden verliert Gartenboden die Fähigkeit, Wasser aufzunehmen. Was Regenwürmer, Bakterien und Pilze damit zu tun haben, erfahren Sie hier.

In einer Hitzewelle sieht man dem Gartenboden den Durst an. Die Krume ist hellgrau geworden, und wer die Hacke ansetzt, bekommt keine Krümel, sondern Pulver und Erdklumpen. Es wirkt, als hätte sich das Leben aus dem Staub gemacht. Aber das stimmt nicht. Unter der staubigen Oberfläche sind gerade Millionen Lebewesen damit beschäftigt, die Trockenheit zu überstehen, jedes auf seine Weise.

Folgen Sie jetzt myHOMEBOOK bei WhatsApp

Der Durst wiegt schwerer als die Hitze

In einer Hitzewelle wirken zwei Kräfte auf den Gartenboden ein: die Temperatur und die Dürre. „Meist ist der Wassermangel für das Bodenleben die größere Belastung als die hohe Temperatur allein“, sagt Martin Schädler vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Auf einer Freilandanlage in Bad Lauchstädt erforscht der Biologe, wie sich die Klimakrise auf das Bodenleben auswirkt.

Trennen lassen sich die beiden Kräfte nicht, denn sie schaukeln sich gegenseitig hoch. Solange der Gartenboden feucht ist, kühlt ihn die Verdunstung während der Hitzewelle, ähnlich wie Schwitzen die Haut kühlt. Ist das Wasser weg, fällt diese Kühlung aus, und die Oberfläche heizt sich weiter auf. Trockener Boden wird also heißer als feuchter Boden, und diese zusätzliche Wärme treibt den letzten Rest Feuchtigkeit aus. Am härtesten trifft das die obersten Zentimeter. Weiter unten bleibt es kühler und länger feucht, und dorthin verlagert sich jetzt das Leben.

Wie Regenwürmer Hitze und Trockenheit überstehen

Am deutlichsten zeigt sich das bei Regenwürmern. Sie atmen über die Haut, die dafür feucht bleiben muss. Am aktivsten sind Regenwürmer bei Bodentemperaturen zwischen 10 und 20 Grad. Mit Kühle kommen sie besser zurecht als mit starker Hitze, vor allem wenn diese mit Trockenheit zusammenfällt. Die Hauptarbeitszeit der Würmer liegt daher im Frühjahr und im Herbst, wenn der Boden wohltemperiert und feucht ist. Setzt die Trockenheit früh ein, verschwinden sie früher und haben weniger Zeit zum Fressen und für den Nachwuchs.

Wird es zu trocken, ziehen sich die tief grabenden Arten nämlich in feuchtere Schichten zurück, oft etwa 30 Zentimeter tief. Dort weiten sie ihre Röhre zu einer Kammer, rollen sich zu einem festen Knoten zusammen und fahren ihren Stoffwechsel herunter. Der Knoten hat einen Zweck: Er verkleinert die Körperoberfläche, über die Wasser verdunsten kann. In dieser Trockenstarre wartet ein Wurm mehrere Wochen ohne Wasser ab. Nicht jeder Wurm schafft den Rückzug. Dauert die Trockenheit zu lange, sterben die Tiere, und der Bestand hängt an den Kokons, den Gelegen der Würmer, die mehr aushalten als die erwachsenen Tiere. Zurück kommt die Population nur langsam: Heimische Arten bringen etwa eine Generation im Jahr hervor. Was die Würmer zurücklassen, sind ihre Gänge. Die Röhren der Tiefgräber reichen mehrere Meter weit und bleiben noch Jahre erhalten, nachdem das Tier gestorben ist.

Auch interessant: So können Sie Lavendel im Sommer einfach vermehren

Bakterien und Pilze warten im Wassertropfen

Die unsichtbaren Bodenbewohner haben während einer Hitzewelle andere Überlebensstrategien im Gartenboden. Bakterien und Pilze leben in hauchdünnen Wasserfilmen zwischen den Bodenteilchen. Diese Filme reißen, wenn der Boden trocknet. „Viele überstehen Trockenheit in Ruhestadien oder geschützten Bodenporen“, so Martin Schädler. Im Ruhestadium fährt der Stoffwechsel fast auf null herunter, und manche Arten verkapseln sich in einer widerstandsfähigen Hülle, bis wieder Wasser da ist. Die geschützten Poren sind die feinsten im Boden. Dort hält die Kapillarkraft das Wasser am längsten fest, auch wenn ringsum schon alles trocken ist. So entstehen kleine Zufluchtsorte, die nur Bruchteile eines Millimeters messen.

Tot ist der Boden also nicht. Er ist eher wie eine Werkstatt, in der jemand die Maschinen abgestellt hat: Laub und andere Pflanzenreste werden nicht weiter zersetzt, und die Pflanzen bekommen genau dann weniger Nährstoffe geliefert, wenn die Hitze sie ohnehin übermäßig fordert.

Mehr zum Thema

Warum der Gartenboden das Gießwasser abweist

Die Krümelstruktur, durch die Wasser gleichmäßig in den Boden gelangt, entsteht nicht von selbst. Sie wird gebaut. Regenwürmer ziehen Gänge, Mikroorganismen verkleben zusammen mit Pflanzenwurzeln die Krümel, und dazwischen entstehen Poren in allen Größen. „Fehlt diese biologische Bodenstruktur, nimmt die Fähigkeit des Bodens, Wasser aufzunehmen und zu speichern, ab“, sagt Schädler.

Dazu kommt ein physikalischer Effekt. Nach gängiger Erklärung lösen sich bei starker Austrocknung Fette und Wachse aus den organischen Bestandteilen und legen sich als Film um die Bodenteilchen. Die Oberfläche wird wasserabweisend, und das Wasser perlt ab, statt einzudringen. Fachleute sprechen hier von Benetzungshemmung. Sie stellt sich nicht allmählich ein, sondern springt an, sobald der Wassergehalt unter einen bestimmten Wert fällt: Bis dahin nimmt der Boden Wasser an, danach weist er es ab. Besonders anfällig sind sandige und humusreiche Böden, also genau das, was in vielen Beeten und in fast jedem Blumentopf steckt. Sehen kann man das in zwei Sekunden: Gießen Sie einen Schluck Wasser auf eine ausgetrocknete Beetstelle. Auf einem aufnahmefähigen Boden ist der Fleck sofort dunkel, auf einem wasserabweisenden bleiben die Tropfen einen Moment lang stehen, als läge dort Folie.

Und hier rächt sich, was sonst ein großer Gewinn ist: die Wurmröhren. In einem lebendigen, aufnahmefähigen Boden sind sie ein Vorteil, weil auch größere Regenmengen schnell nach unten kommen, statt oberflächlich abzulaufen. Nimmt der Boden aber ringsum nichts mehr an, wird aus der Röhre eine Rutschbahn. Dasselbe gilt für die Risse, die der trockene Boden schlägt. Das Gießwasser rauscht nach unten und lässt den Wurzelbereich aus.

Wie sich das Bodenleben erholt

Wie schnell sich der Gartenboden nach einer Hitzewelle regeneriert, hängt auch davon ab, wie der Regen zurückkommt. Ein Wolkenbruch, der die Regentonne in Minuten überlaufen lässt, trifft auf ausgetrockneten Boden wie auf einen gepflasterten Weg: Das meiste läuft oberflächlich ab, der Rest verschwindet in den Fugen. Kommt das Wasser dagegen als langer, feiner Landregen an, geht es schnell. Bakterien und andere Mikroorganismen sind innerhalb weniger Tage wieder aktiv. Länger dauert es bei den größeren Tieren, und nach langen oder wiederholten Trockenperioden kommen nicht alle zurück.

Damit reicht das Thema über den einzelnen Sommer hinaus. „Wenn extreme Trockenphasen immer häufiger auftreten, können diese Arten verschwinden und die Lebensgemeinschaft im Boden kann sich dauerhaft verändern“, warnt Schädler. Der Boden im Garten ist dann nicht nur trockener als früher. Er ist ein anderer.

Katharina Petzholdt
Garten-Autorin

Zehn Liter, ein Zentimeter

„Wie drastisch Gießwasser am Wurzelbereich vorbeilaufen kann, habe ich Anfang Juni gesehen, lange vor der Hitzewelle. Nach dem extrem trockenen Frühjahr wollte ich ein zuvor freigeräumtes Beetstück von einem Quadratmeter wässern, um direkt danach meinen vorgezogenen Neuseeländer Spinat einzupflanzen. Zehn Liter habe ich auf dieser kleinen Fläche verteilt. Als ich anschließend die Pflanzlöcher gemacht habe, war der Boden einen Zentimeter tief feucht, darunter staubtrocken. Das Wasser war durch Risse und alte Gänge in die Tiefe geschossen und hatte die entscheidende Bodenschicht einfach übersprungen.“

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.