22. Dezember 2025, 10:52 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Wenn Weihnachten näher rückt, beginnt in unseren Köpfen eine vertraute Szenerie aufzuleuchten: glitzernde Flocken, die lautlos durch die Nacht tanzen, schneebedeckte Dächer, die im warmen Schein der Lichter glänzen, und dieses Gefühl, dass die Welt für einen Moment stillsteht. Unsere Lieder sind voller Winterzauber – doch draußen zeigt sich die Realität meist nass statt schneeweiß. Warum weichen Wunsch und Wirklichkeit so oft voneinander ab? Ein Wetterexperte hat im Gespräch eine überraschende Erklärung dafür, die tief in unsere Geschichte zurückreicht.
Als es noch weiße Weihnachten gab
Viele der traditionellen Weihnachtslieder, in denen von Schnee gesungen wird, stammen aus einer Zeit oder der Erinnerung an die Zeit, in der Weihnachten tatsächlich häufiger kalt und auch weiß war. Das könnte unter anderem daran liegen, dass der Weihnachtszeitpunkt durch eine historische Verschiebung einst näher an der eigentlichen Kälteperiode des Winters lag, erklärt Jörg Riemann von der Wettermanufaktur. Heute hingegen rutscht Weihnachten häufig in eine mildere Phase hinein – und der ersehnte Schnee kommt, wenn überhaupt, erst im Januar.
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Die Kalenderreform ist schuld an grünen Weihnachten
Es gab Zeiten, da gab es weiße Weihnachten, heute hingegen sind grüne Weihnachten eher die Regel als die Ausnahme. Riemann erklärt, dass die Kalenderreform von 1582 schuld daran sei. „Damals gab es eine Kalenderreform, der Gregorianische Kalender wurde eingeführt, der besteht bis heute. Vorher galt über Jahrhunderte der Julianische Kalender.“
Dieser war aber nicht korrekt. „Man hat damals anhand der Sternenkonstellation festgestellt, dass der Kalender ein paar Tage im Rückstand sei“, erklärt der Experte. Der 4. Oktober stellte sich eigentlich bereits als Mitte Oktober heraus, ergänzt Riemann. „Bei uns in Mitteleuropa wurde es so gemacht, dass auf den 4. Oktober unmittelbar der 15. Oktober folgte, die Tage dazwischen gab es nicht.“
Hinweis: Durch die Kalenderreform kommt es auch dazu, dass Bauernregeln keinen präzisen Tag beschreiben, sondern immer die Tage um einen Lostag herum.
Darum wurden weiße Weihnachten grün
Weihnachten feierte man schon vor der Kalenderreform 1582 am 24. Dezember. Vor der Reform war Weihnachten aber zehn Tage später, also im Januar, erklärt Riemann. „Natürlich ist es im Januar häufig kälter als im Dezember“, betont der Experte. Dementsprechend höher war die Wahrscheinlichkeit auf Schnee und Eis. „Weihnachten ist dadurch in den Spätherbst hineingekommen und deshalb haben wir da häufig noch eine milde Wettersituation.“
Wäre Weihnachten mit nach vorn gerückt, wie das Datum, hätten wir womöglich auch heute noch eher weiße Weihnachten als grüne. Riemann betont allerdings, dass dies nur ein Grund ist, warum wir in vielen Jahren keine weißen Weihnachten haben. Beispielsweise befanden wir uns 1582 in der sogenannten „Kleinen Eiszeit“. Seitdem ist es im Durchschnitt bei uns wärmer geworden.