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Regulierte Wasserzufuhr

Mit Schwammgärten machen Sie den Garten fit für Temperaturwechsel

Mit Schwammgärten lässt sich die eigene Grünfläche für alle möglichen Temperaturen wappnen
Mit Schwammgärten lässt sich die eigene Grünfläche für alle möglichen Temperaturen wappnen Foto: Getty Images
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Katharina Petzholdt
Garten-Autorin

24. August 2026, 6:46 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Ein Schwammgarten trinkt, wenn’s schüttet, und hält durch, wenn wochenlang kein Tropfen fällt. Was hinter diesem Design-Konzept steckt, welche Elemente dazugehören und warum dafür oft nur eine Schaufel nötig ist, erfahren Sie hier auf myHOMEBOOK.

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Was steckt hinter dem Konzept der Schwammgärten?

Stellen Sie sich vor, Sie würden 6000 Gießkannen gefüllt mit Regenwasser nach und nach in die Kanalisation gießen. Genau das tun Sie nämlich, jedes Jahr wieder. Zumindest dann, wenn Ihr Dach etwa 100 Quadratmeter groß ist und der Regen ganz normal fällt. Ein Schwammgarten dreht diese Rechnung um: Er hält einen Teil dieses Wassers auf dem Grundstück, statt es einfach abfließen zu lassen.

Angetrieben von der Klimakrise verstärken sich Hitzewellen, Dürre und Starkregen deutlich und setzen jeden Garten unter Druck. Mal gibt es zu viel Wasser und mal viel zu wenig. Wie sich dieses Ungleichgewichtauf der eigenen Grünfläche ausgleichen lässt, ist für viele Gartenbesitzer ein Rätsel. Nicht selten scheint eine unterirdische Zisterne die einzige Lösung zu sein, doch die ist aufwendig und teuer. Schwammgärten beweisen: Es geht auch ohne vergrabene Behälter und schwere Technik. Was zählt, ist Gestaltung. Schwammgärten nutzen die Topografie des Gartens. Die Schwerkraft arbeitet kostenlos, der Boden filtert umsonst, und tief wurzelnde Pflanzen ziehen das gepufferte Wasser wieder hoch, wenn oben alles vertrocknet.

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Eine Frage der Gestaltung

Der namensgebende Schwamm ist Programm. Denn genau so soll der Garten Regenwasser erst aufsaugen und später wieder abgeben. Genutzt wird das Prinzip längst in vielen Städten. Entsprechend gestaltete Flächen sollen verhindern, dass Kanalisationen bei Starkregen überlaufen und Tunnelunterführungen, Keller oder Straßen fluten. Und genauso, dass Straßenbäume bei Hitze vertrocknen, weil ihr Wurzelraum sich nie richtig vollsaugen konnte.

„Ein Schwammgarten ist nichts weiter als die auf Gärten heruntergebrochene Idee der Schwammstädte. Wasser wird nicht mehr als Müll gesehen, den man schnell loswerden will, sondern als Ressource. Seit wir den Klimawandel an der Backe haben, beschäftige ich mich intensiv damit“, sagt Landschaftsarchitekt und Autor Jens Maute, der mit seinem Buch „Wasser im Garten clever managen“ den Deutschen Gartenbuchpreis 2026 als bester Ratgeber gewann.

Regenwasser genau wie Äpfel oder Kartoffeln als mögliche Ernte zu begreifen, ist der Grundgedanke des US-amerikanischen Permakultur-Experten Brad Lancaster. Sein Motto: „Slow it, spread it, sink it“ – verlangsamen, verteilen, versickern lassen. Danach richten sich auch die Elemente, mit denen sich ein Garten schwammiger machen lässt: Sie nutzen das Erdreich als Speicher und halten das Wasser damit im regionalen Wasserkreislauf.

In der Umsetzung sind viele Faktoren wichtig

In der Praxis laufen Schwammgärten selten auf eine einzige Maßnahme hinaus. Meist sind es mehrere Elemente, die im Zusammenspiel mit dem Boden und der Bepflanzung den Garten schwammiger machen. Fast immer spielt dabei ein Gefälle mit, auch wenn man es im Garten auf den ersten Blick gar nicht sieht. „Die wenigsten Gärten sind wirklich exakt eben. Selbst ein winziges, kaum sichtbares Gefälle reicht schon, um Wasser sanft zu lenken“, erklärt Maute. Mit einem einfachen Test können Sie das nachprüfen: Schütten Sie an zwei, drei Stellen im Garten jeweils einen Liter Wasser aus und beobachten Sie, wohin es sich bewegt. Wer es genauer wissen will, greift zur Schlauchwaage.

Die Mulde: der unkomplizierte Einstieg in den Schwammgarten

Am einfachsten ist die Mulde: eine flache Vertiefung, am besten dort, wo sich bei Regen ohnehin schon Wasser sammelt, mindestens drei Meter vom Haus entfernt – bei älteren Gebäuden mit empfindlichem Fundament, etwa Sandsteinkellern, lieber mehr. „Man gräbt eine minimale Schüsselform, etwa zwanzig Zentimeter tief, und leitet das Dachwasser da rein, damit es langsam versickert“, so Maute. Sogar einfache Rasenflächen lassen sich auf diese Weise sinnvoll nutzen.

Wer mehr daraus machen will, bepflanzt die Mulde mit Arten, die sowohl Trockenheit als auch kurze Überflutung vertragen. Sumpfdotterblume, Blutweiderich, Wiesen-Storchschnabel oder Sumpf-Schwertlilien empfiehlt Maute dafür. Allesamt robuste, heimische Stauden. Aber auch essbare Pflanzen wie Rhabarber, Mangold oder Topinambur sind für die Bepflanzung von Versickerungsmulden geeignet. Genauso wie junge Bäume. Manche nennen so eine bepflanzte Mulde auch Regengarten, doch eine feste begriffliche Abgrenzung gibt es nicht.

Höhenliniengraben und Hügel: mehr Kontrolle übers Wasser

Eine Weiterentwicklung der Mulde ist der Höhenliniengraben. In seiner einfachsten Form folgt er waagerecht der Hanglinie: Das Wasser bewegt sich nicht, sondern bleibt stehen und versickert. Gibt man dem Graben jedoch ein minimales Gefälle von ein bis drei Prozent, kommt das Wasser in Bewegung, allerdings mit einem Tempolimit. Wasser ist faul – überlässt man es sich selbst, schießt es auf direktem Weg nach unten und reißt wertvolle Erde mit. Das leichte Gefälle zwingt den Regen stattdessen auf eine Art Slalomkurs. Das Wasser trödelt sanft von Station zu Station dorthin, wo Sie es haben wollen.

Wo es sich anbietet, können Sie auch mehrere übereinander liegende Mulden oder Gräben entlang des Gefälles miteinander verbinden: Ist die oberste Station voll, wird das überschüssige Wasser an einer Überlaufstelle gezielt in die darunterliegende gelenkt. So entsteht ein kleines Netzwerk, durch das sich auch größere Regenmengen verteilen, statt dass sie nur an einer Stelle versickern. Wer noch einen Schritt weitergehen will, kombiniert Senke und Hügel: Der Aushub aus der Vertiefung wird direkt daneben aufgeschüttet, sodass nichts abtransportiert werden muss. Auf dem trockenen Hügel gedeihen dann Kräuter oder trockenheitsverträgliche Stauden, in der feuchteren Senke Pflanzen mit höherem Wasserbedarf. So entsteht nebenbei auch optisch mehr Abwechslung, als ein klassischer Rasen je bieten könnte.

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Schwammgarten anlegen: Aufwand und Kosten

Wie viel das alles kostet, hängt ganz davon ab, wie viel Sie selbst tun wollen. Am unteren Ende reicht eine Schaufel.

Eine Mulde kostet nichts außer Zeit: Erde ausheben, gegebenenfalls bepflanzen und fertig. Wer schon eine Stelle im Garten hat, an der sich Regen sowieso sammelt, hat sogar noch weniger Arbeit. Einzige Voraussetzung: Der Boden selbst muss mitspielen. Sandboden lässt Wasser schnell durch, Lehmboden speichert deutlich mehr, Tonboden am meisten – bis zu 45 Prozent seines Volumens. Nur bringt das wenig, wenn das Wasser dort gefangen bleibt: Der Tonboden hält es so fest, dass Wurzeln kaum drankommen. Humus kann diesen Nachteil ausgleichen: Er speichert ein Vielfaches seines Eigengewichts an Wasser und gibt es, anders als reiner Ton, auch wieder frei.

Eine Stufe teurer, aber immer noch günstig, ist ein Regensammler fürs Fallrohr, für rund 50 Euro im Baumarkt erhältlich. „Solange das Ziel nicht höher liegt als der Regensammler selbst, braucht es keinen Strom und keine Pumpe. Das Wasser fließt einfach dahin, wo ich den Schlauch hinlege, und die Schwerkraft erledigt den Rest“, sagt Maute. Damit das dauerhaft funktioniert, sollte man ihn regelmäßig auf Moos und Laub kontrollieren. Ein Haken hat das Gießen mit dem Regensammler aber: Wer diesen Weg wählt, muss dafür raus, wenn es regnet – Wasser sparen im Regenmantel. Dafür lässt sich das Wasser gezielt zu einer Mulde leiten, zu einer durstigen Hecke oder auf eine Baumscheibe. Wer mehr Speicher will, ohne gleich zu graben, greift zum IBC-Container: einem tausend Liter fassenden Kunststoffbehälter, oft ein günstiges Recyclingprodukt aus der Industrie, der sich bei Bedarf sogar stapeln lässt.

Am oberen Ende der Kostenskala steht die Zisterne: ein unterirdischer Speicher, der schnell so viel kostet wie ein Premium-Gartenhaus, sinnvoll eher bei Neubauten, wo sie sich von Anfang an mitplanen lässt. Bei bestehenden Gärten steht der Aufwand oft in keinem guten Verhältnis zum Nutzen.

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Kleine Gärten können ebenfalls schwammig werden

Auch Grundstücke, auf denen sich kaum zwei Liegestühle nebeneinander aufstellen lassen, können schwammig werden. Ein Sickerloch braucht kaum Fläche: Bohren Sie dafür mit einem einfachen Erdlochbohrer ein bis zu anderthalb Meter tiefes Loch. Aufgefüllt mit Kies, Splitt oder Sand leitet es das Regenwasser in die Tiefe. „Ein Schwammgarten, egal wie groß, ist eine Zelle der Schwammstadt. Wasser über die Kanalisation zu entsorgen, ist absurd. Wir machen das trotzdem und jammern dann, dass wir keins mehr haben. Da müssen wir wirklich umdenken“, sagt Maute.

Katharina Petzholdt
Garten-Autorin

Sickerlöcher in meinem alten Garten

In meinem ersten Garten gab es eine Stelle, die von schweren Baumaschinen so verdichtet war, dass sich nach jedem stärkeren Regen mitten auf dem Rasen ein See bildete, der tagelang nicht ablief. Mit einem Erdbohrer, der aussah wie ein überdimensionaler Korkenzieher, haben wir Löcher in den Boden gebohrt und diese mit Sand und Kies befüllt. Das war aus der Not geboren und dilettantisch umgesetzt, aber ziemlich wirkungsvoll.

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