22. Dezember 2025, 16:03 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Wenn der Weihnachtsbraten zur Gesundheitsgefahr werden kann, ist meist ein Fehler beim Auftauen schuld. Wer seine tiefgefrorene Gans nicht rechtzeitig und korrekt vorbereitet, riskiert eine regelrechte Keimschleuder – und das ausgerechnet beim Festmahl. Doch mit der richtigen Methode lässt sich das vermeiden. myHOMEBOOK erklärt, warum die Heizung tabu ist, der Kühlschrank genug Platz braucht und wie man mit wenigen Handgriffen für ein sicheres Festessen sorgt.
Auftauen dauert bis zu zwei Tage – und braucht Platz
Wer keine frische Gans bestellt hat, greift zur Tiefkühlware. Dabei unterschätzen viele, wie viel Zeit das Auftauen tatsächlich braucht – vor allem bei einem Braten, der mehrere Kilogramm wiegt. „Da Gänse meist mehrere Kilos wiegen, sollte man realistisch ein bis zwei Tage Auftauzeit einplanen“, erklärt Daniela Krehl, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bestätigt: Bei einer Kühlschranktemperatur von etwa vier Grad kann das Auftauen bis zu 38 Stunden in Anspruch nehmen – deutlich mehr als bei kleineren Geflügelarten.
Warum Raumtemperatur gefährlich ist
Wer glaubt, den Prozess mit Wärme beschleunigen zu können, etwa auf der Heizung oder in warmem Wasser, handelt fahrlässig. „Das Auftauen bei Raumtemperatur ist aus mikrobiologischer Sicht sehr problematisch“, warnt Krehl. Das BfR hat untersucht, wie schnell sich Keime auf Geflügel ausbreiten können – und die Ergebnisse sind alarmierend.
Schon bei +4 Grad Celsius verdoppeln sich Krankheitserreger wie Salmonellen und Campylobacter alle sieben bis acht Stunden. Steigt die Temperatur auf etwa 20 Grad Raumwärme, läuft dieser Prozess noch schneller. Innerhalb von nur vier bis sechs Stunden kann es laut BfR bereits zur Fäulnis kommen.
„Da Krankheitserreger wie Salmonellen und Campylobacter das Einfrieren überstehen, werden sie beim Auftauen wieder aktiv und finden in der warmen Fleischoberfläche und im entstehenden Feuchtigkeitsfilm ideale Bedingungen zur Vermehrung“, erklärt Daniela Krehl. Das Risiko einer Lebensmittelinfektion steigt dadurch erheblich.
Warum man rohes Fleisch besser nicht abspülen sollte
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So taut man eine Gans hygienisch korrekt auf
Als sicherste Methode empfehlen Fachleute das Auftauen im Kühlschrank. Die gleichbleibend niedrige Temperatur verhindert eine übermäßige Keimbildung an der Oberfläche. Allerdings braucht es dafür genügend Platz – ein kompletter Kühlschrankboden sollte möglichst freigeräumt werden.
Bevor die Gans in den Kühlschrank wandert, sollte die Verpackung entfernt werden. Denn beim Auftauen tritt Fleischsaft aus, der sich mit der Auftauflüssigkeit vermischt. Um zu verhindern, dass die Gans in diesem Keimgemisch liegt, sollte sie auf einem Abtropfgitter platziert werden. Dieses steht idealerweise über einer Auffangschale oder in einem Behälter, der Flüssigkeit sicher sammelt.
Wichtig: Auftauwasser darf keinesfalls mit anderen Lebensmitteln in Berührung kommen.
Nach dem Auftauen sollte die Gans direkt verarbeitet werden, da sich Keime auf dem rohen Fleisch schnell vermehren können.
BfR gibt klare Hygieneregeln fürs Auftauen
Damit es beim Festessen nicht zu bösen Überraschungen kommt, hat das Bundesinstitut für Risikobewertung folgende Empfehlungen für den hygienischen Umgang mit Geflügel veröffentlicht:
- Auftauwasser umgehend entsorgen, da es krankheitserregende Keime enthalten kann.
- Rohes Geflügel nicht abwaschen – Spritzwasser kann Keime in der Küche verbreiten.
- Geflügel stets getrennt von anderen Lebensmitteln lagern und verarbeiten.
- Nach Kontakt mit rohem Geflügel Hände, Arbeitsflächen, Geräte und Behälter gründlich reinigen.
- Verpackungen, Papiertücher und Auftauwasser sofort entsorgen.
- Gegartes Geflügel nie in Kontakt mit Behältern bringen, die zuvor rohes Fleisch enthielten – so lässt sich Kreuzkontamination vermeiden.
Mit etwas Planung und Sorgfalt wird die Weihnachtsgans so nicht nur ein kulinarischer Höhepunkt – sondern bleibt auch gesundheitlich unbedenklich.
Mit Material der dpa