Wer den Kühlschrank öffnet und von unangenehmen Gerüchen begrüßt wird, sucht oft nach einer schnellen Lösung. Im Internet kursiert deshalb immer wieder ein einfacher Trick: Eine rohe Kartoffel soll schlechte Gerüche im Kühlschrank aufnehmen und neutralisieren. Doch funktioniert das wirklich?
Warum eine Kartoffel theoretisch Gerüche aufnehmen kann
Tatsächlich steckt hinter dem Trick mit der Kartoffel ein wissenschaftlich nachvollziehbarer Ansatz. „Das Wasser in der Kartoffel löst wasserlösliche Geruchskomponenten“, erklärt Elke Messerschmidt vom Kompetenzzentrum Hauswirtschaft. Wichtig sei dabei allerdings, dass man ausschließlich eine rohe Kartoffel verwendet.
Auch ihre Struktur spielt eine Rolle: „Die Kartoffel hat eine poröse Struktur, die es ermöglicht, dass flüchtige Geruchsaromen dort eindringen und sich dann in Wasser lösen.“ Dadurch kann sie unter bestimmten Bedingungen tatsächlich einen Teil der Geruchsstoffe aufnehmen. Wer den Effekt verstärken möchte, könnte die Kartoffeln in Scheiben oder Spalten schneiden, weil sich dadurch die Oberfläche vergrößert.
So plausibel die Theorie klingt, empfiehlt die Expertin den Kartoffel-Trick dennoch nicht. Ein Grund ist die Nachhaltigkeit. Kartoffeln sind Lebensmittel, deren Anbau viel Wasser und andere Ressourcen benötigt. Hinzu kommt, dass man sie regelmäßig austauschen müsste, damit sie überhaupt eine Wirkung entfalten können. Gerade bei stärker riechenden Kühlschränken sei zudem unklar, wie viele Kartoffeln überhaupt erforderlich wären.
Ein weiterer Nachteil ist, dass angeschnittene Kartoffeln verderblich sind. „Ein natürliches Produkt verdirbt im angeschnittenen Zustand. Das heißt, ich hole mir auch Fäulniskeime in den Kühlschrank“, so Messerschmidt. Statt Gerüche langfristig zu beseitigen, könnte so sogar ein neues Hygieneproblem entstehen.
Gerüche besser gar nicht erst entstehen lassen
Deutlich sinnvoller ist es nach Einschätzung der Expertin, unangenehme Gerüche von Anfang an zu vermeiden. Dafür sollten intensiv riechende Lebensmittel wie Käse grundsätzlich in luftdicht verschlossenen Behälter aufbewahrt werden. Auch Essensreste gehören stets gut abgedeckt oder ebenfalls in dicht schließende Gefäße.
Ebenso wichtig ist eine regelmäßige Kontrolle der Vorräte. Verdorbene Lebensmittel sollten sofort entsorgt werden, bevor sie Gerüche entwickeln oder sich auf andere Lebensmittel übertragen. Papierverpackungen haben im Kühlschrank nichts zu suchen, da sie Feuchtigkeit aufnehmen, aufweichen und selbst unangenehm riechen können.
Auch die Reinigung spielt eine entscheidende Rolle. Je nach Nutzung und Verschmutzung empfiehlt Messerschmidt, den Kühlschrank etwa einmal im Monat bis einmal pro Quartal gründlich zu säubern: „Dafür reicht eine Lösung aus Wasser und Spülmittel, nachwischen kann man den Kühlschrank zusätzlich mit etwas Zitronensäure.“
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