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Interior Expertin erklärt

Goblincore – was verbirgt sich hinter dem kuriosen Einrichtungstrend?

Goblincore-Zuhause mit Holzmöbeln, Grünpflanzen und skizzierten Insekten an der Wand
Der Wald als Quelle der Inspiraition: Holzmöbel, Grünpflanzen und Insekten-Skizzen an der Wand verleihen diesem Wohnzimmer den Goblincore-StyleFoto: iStock/KatarzynaBialasiewicz

Dass sich Interior Design heutzutage längst nicht mehr nur mit Komfort und Funktionalität befasst, beweist der neueste Einrichtungstrend „Goblincore“. Aktueller Zeitgeist und mentale Gesundheit sind hier ebenso relevant wie Gemütlichkeit. Was genau verbirgt sich dahinter?

Der Wald mit all seiner Flora und Fauna ist uns während der Pandemiejahre auf zahlreichen Spaziergängen und Streifzügen durch die Natur so vertraut wie nie geworden. Dank des neuen Einrichtungstrends Goblincore führt nun auch sein Weg in unser Zuhause. Aus dem Englischen übersetzt fasst sich unter „Goblin“ eigentlich die mystische Welt der Zwerge und Kobolde zusammen. Im Interior Design konzentriert man sich jedoch in Sachen Motivauswahl primär auf das „echte“ Waldleben. Und mit ein paar Tricks lässt sich dieses auch im eigenen Zuhause umsetzen.

Goblincore als Spiegel des aktuellen Zeitgeists

Gewissermaßen versteht sich der neue Einrichtungstrend Goblincore als Spiegel des aktuellen Zeitgeschehens. Ein Zuhause, das in verschiedenen Facetten an einen Ausflug in den Wald erinnert, soll eine Einladung für etwas mehr Entschleunigung im Leben sein. Außerdem auch ein Reminder, dass sich das eigentliche und vor allem echte Leben nicht in der digitalen Welt abspielt und entsprechend auch gänzlich ohne Filter auskommt. Ganz klar werden hier Authentizität, Ruhe und Rückbesinnung proklamiert. Denn all das gerät zunehmend in Vergessenheit und aus dem Gleichgewicht. Doch wer etwas für die eigene mentale Gesundheit tun möchte, schafft sich dank Goblincore ein wohltuendes Ambiente.

Junger Mann, der seine Pflanzenwand neu bestückt
Ganze Pflanzenwände, die an einen echten Wald erinnern, sind Teil des Goblincore-Konzepts und mit einem grünen Daumen leicht zu Hause umzusetzenFoto: iStock/tomazl

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Woher kommt der Goblincore?

Tatsächlich wurde der Trend paradoxerweise im Netz geboren. Auf TikTok, Pinterest und Co. wird Flora und Fauna seit einiger Zeit mit Freuden gehuldigt. Krabbeltiere auf Moosflächen, pittoreske Pilze und wunderschöne Wildpflanzen sind zahlreich auf Social Media zu sehen. Was dabei vermittelt werden soll, ist das wohltuende Gefühl, gänzlich mit der Natur im Einklang zu sein.

Die Sehnsucht nach Wertfreiheit in der Welt ist groß und auch dringend notwendig. Nachhaltigkeit, Diversität und neue Lebensmodelle bestimmen – primär für die jüngere, digital-affine Generation Z – maßgeblich die Zukunft. Als Medium wurde sich also im zeitgemäßen Sinne für Social Media entschieden, auch wenn dies der eigentlichen Motivation, nämlich dem Abwenden von der künstlichen Cyber- und dem Zuwenden hin zur echten, natürlichen Welt, ein klein wenig widerspricht. Doch die Botschaft ist eine starke und bleibt schlussendlich auch die gleiche.

Wie lässt sich der Trend genau umsetzen?

Zwei Topfpflanzen auf einem Beistelltisch neben einem Sessel mit Bezug im Pflanzen-Print
Pflanzen, gedruckt als Muster oder echt im Topf, sind beim Goblincore-Stil allgegenwärtigFoto: Getty Images

Im Grunde muss man nur an die letzte Waldwanderung denken und daran, welchen Pflanzen und Tierchen man währenddessen begegnet ist. Hier ein Ringelwurm am Boden, da eine Schnecke auf einem Blatt und in der Ferne ragt majestätisch ein Fliegenpilz in die Luft. Genau solche Motive sind es, die den Goblincore ausmachen und zahlreich auf Einrichtungsgegenständen zu finden sind.

Schmetterlinge flattern wild auf Vorhängen, Bett- und Tischwäschen. Auf Kissen und Decken wimmelt und krabbelt es nur so an Insekten und Amphibien. Außerdem kommen Grünpflanzen und Moosbilder an der Wand großzügig zum Einsatz. Knorrige Äste eignen sich als eigenwilliges Dekoelement und hölzerne Pilze schießen nur so aus dem Fußboden. Deswegen wird Goblincore auch gern mal Mushroomcore oder Mosscore genannt.

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Farblich tendiert der Trend vorwiegend zu erdigen, dunkleren Tönen – eben ähnlich wie im echten Wald. Möbel und Accessoires aus Naturmaterialien wie Holz dürfen gern auch im DIY-Style gefertigt sein. Muster und Formensprache orientieren sich weniger an Gesetzmäßigkeiten, sondern verlaufen vielmehr organisch und ungezwungen.

Filterlos und unvollkommen schön

Nicht immer ist die Natur schön und schon gar nicht aufgeräumt. Genau das ist, was die Philosophie hinter Goblincore ausmacht. Es darf also durchaus mal chaotisch, rau und auch ein wenig düster anmuten. Oder anders ausgedrückt: Ästhetik, wie wir sie normalerweise aus dem Interior Design kennen, ist nicht gleichzusetzen mit der natürlichen Ästhetik, wie sie der Goblincore definiert. Hier ist alles natürlich und echt, nicht immer perfekt, aber deswegen nicht weniger schön.

Statt Inszenierung, aber vor allem Illusion sind Schrammen und Makel willkommen und werden so gern auch ungeschönt gezeigt. Filter? Braucht es keine! Auch hier soll die Natur laut Goblincore als Lehrmeister dienen: übelriechender Morast und abgelegene Gefilde, die vermeintlich nichts mit Idylle und Ästhetik gemein haben, gehören eben – im metaphorischen Sinne für schlechte Zeiten – zum Leben dazu. Um sich dessen stets bewusst zu sein, eignet sich der Wald mit all seinen Facetten ideal als Stilmittel zum Einrichten.

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