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Porträt

Odile Decq – der eigenwillige Stil der Architektur-Rebellin

Die französische Architektin Odile Decq Foto: Getty Images

Die französische Architektin und Stadtplanerin Odile Decq (1955) entwirft ausgefallene Gebäude, Interieurs und Produktdesigns. Ihr Credo, sich immer wieder zu erneuern und mit der Zeit mitzugehen, geben der exzentrischen Architektin immer wieder neue Impulse bei der Gestaltung. 2016 wurde sie sogar mit dem Jane-Drew-Preis zur Förderung der Rolle der Frau in der Architektur ausgezeichnet.

Odile Decq entwirft Museen, Bürogebäude, spektakuläre Interieurs und zuletzt sogar ein Hochhaus. Gewöhnlich sind die internationalen Projekte keinesfalls. Dazu hat die Architektin einen ganz persönlichen Bezug. Architektur kann sich ihrere Meinung nach zwar an die Umgebung anpassen, sollte sich jedoch nicht zurückhalten, sondern ein Statement sein.

Mit dem Kopf durch die Wand

Odile Decq wurde in der kleinen Stadt Laval in der Bretagne geboren. Sie war eins unter sieben Geschwistern und musste sich immer wieder durchsetzen. Die Eltern waren von ihrem Vorhaben, Architektur in Paris zu studieren, nicht gerade überzeugt. So entschied sie sich für Kunstgeschichte in Rennes, eine mittelgroße Stadt in der Bretagne. Weil sie an der Fakultät auch mit Architektur in Berührung kam, entschied sie sich letztendlich für diese Fachrichtung. Widerwillen ihrer Eltern zog sie schließlich nach Paris, um dort Architektur zu studieren. Sie wollte sich von den Eltern unabhängig machen und verzichtete auf jegliche finanzielle Unterstützung. Als Odile Decq ihr Diplom letztendlich bekam, teilte sie das ihren Eltern in einem Telefonat kurz mit. Der Kontakt zu den Eltern hielt sich jedoch in Grenzen.

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Odile Decq und Benoit Cornette

In Paris lernt die Architektin und Stadtplanerin Odile Decq den begabten Architekten Bernoite Cornette (1949 bis 1998) kennen und gründet mit ihm gemeinsam das Büro ODBC 1985. Aufgrund der dekonstruktivistischen Bauwerke, die anfangs aus Büros und öffentlichen Gebäuden und Wohnbauten bestanden, wurde man international schon bald auf das Architekten-Team aufmerksam.

Unter den ersten Bauten befand sich auch der französische Geschäftssitz von Apple in Nantes und der „La Banque Populaire de l’Ouest“ in Rennes. Vor allem letzteres Projekt verhalf zum internationalen Durchbruch. Weitere namhafte Projekte und Preise folgten. Als Ihr Lebenspartner Bernoite Cornette auf tragische Weise bei einem Autounfall 1998, in dem sie auch involviert war, starb, arbeitet die Architekten noch bis 2013 unter dem bisherigen Namen des Studios weiter, ändert diesen jedoch 2013 zu Studio Odile Decq.

Studio Odile Decq

Nach dem Tod Ihres Partners war Odile Decq auf sich selbst gestellt. In einem Interview mit dem Plan Magazin sagte sie: „Architektur ist in gewissem Sinne ein Krieg. Es ist ein harter Beruf, in dem man immer kämpfen muss. Man muss ein großes Durchhaltevermögen haben.“ Was die Architekten auch tat, sie setzte sich mit ihrer Willensstärke und ihren hervorragenden Designs auch weiterhin in einer männerorientierten Domäne durch. 2016 wurde sie mit dem Jane-Drew-Preis zur Förderung der Rolle der Frau in der Architektur ausgezeichnet. Sie hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Frauen in der Architektur zu unterstützen.

„Als Architektin muss man kämpfen. Es ist ein strategischer Krieg, bei dem man seine Position von Anfang bis Ende behaupten und gleichzeitig verhandeln können muss, um anderen seine Vision verständlich zu machen.“

Odile Decq
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Anbau des Museums für zeitgenössische Kunst in Rom

Ein weiterer Durchbruch erfolgte mit dem Anbau für das Museum für zeitgenössische Kunst in Rom (MACRO) 2010. Das Gebäude, ursprünglich eine Brauerei, die vom italienischen Architekten Gustavo Giovannoni im Jugendstil erbaut wurde, bekam durch den zeitgenössischen Anbau eine attraktive Bereicherung, die es schafft, einen nahtlosen Übergang zwischen dem denkmalgeschützten Gebäude und der Stadt zu schaffen. Es stellt ein besonders Projekt für die Architektin dar. Denn der fließende Übergang, der in einer Dachterrasse endet, stellt den Kontakt zu den Bewohnern her. In ihren Augen ist er eine große Bereicherung und macht das Viertel um eine Piazza reicher.

Mit Farben Zeichen setzen

Die Architektin Odile Decq bekennt sich gern zu Kontrasten. Rot ist ein gern gesehener Farbton, der in Ihren Projekten wie auch im MACRO-Flügel zu sehen ist. Der Kontrast zwischen Schwarz und Rot ist für die Künstlerin ein Indiz für das Leben. Auch in weiteren Projekten wie im Restaurant in der Pariser Oper zieht sich rot wie eine Maxime durch das Gestaltungskonzept. Obwohl sie selbst immer schwarz trägt, traute sie sich erst später in ihrer Karriere, diesen Farbton in Ihren Projekten zu verwenden. Zu groß war die Scheu, potenzielle Auftraggeber zu vergraulen. Wegen ihres exzentrischen Gothic-Looks hätten einige Kunden geschlussfolgert, dass sie die Farbe auch für deren Projekte wählt.

Heute sehe sie das jedoch anders. Architektur müsse sich nach ihrer Meinung nicht unterordnen. Sie kann auch mutig sein. „Man muss die Risikobereitschaft an den Kunden anpassen, aber man muss ihn immer weiter bringen, als er sich vorgestellt hat. Die Grenzen des Bauherrn sind die seiner Vorstellungskraft, während die Rolle des Architekten das Feld der Möglichkeiten erweitert.“

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Schwarze Skulptur in Grenoble

Für dieses ganz in Schwarz verkleidete Projekt wählte die Architektin Holz für die Fassade. Eine Kunstsammlerin aus Grenoble in der Schweiz hatte das Haus in Auftrag gegeben. Ihre Idee war, eine Künstlerresidenz ins Leben zu rufen. Der Bau sollte zweckdienlich sein, aber trotzdem imposant wirken. Jetzt steht dort umgeben von Bergen ein turmartiges geometrisches Konstrukt, das den Eindruck erweckt, als könnte es einem Origami-Entwurf entstammen.

Beeindruckend ist das große Panorama-Fenster ganz oben im Turm. Am etwas länglicherem Seitenteil des Hauses sind Atelierräume untergebracht. Und oben befindet sich ein etwa 70 Quadratmeter großes Apartment, das über zwei Ebenen mit einer Wendeltreppe verbunden ist, die bis in die Ateliers führt.

Die Konstruktion ist in Stahlbeton gefertigt und die mit Kiefer verkleidete Fassade mit schwarzer Asphaltbeschichtung versiegelt. Ganz so, wie man es zur Wasserabdichtung im Schiffsbau verwendet. Der in den Hang eingebettete Betonsockel schützt die vorhandene Stützmauer an der Rückseite des Hauses. Dieser beeindruckende Turm ist in die umgebende Natur eingebettet und erscheint im Dunkeln fast wie ein Teil von ihr.

Die vielseitige Architektin

Odile Decqs hat im Laufe ihrer Karriere immer wieder dazugelernt und sich erweitert. Von Produktdesign über Interior Design, Möbel, Beleuchtung und noch vieles mehr. Sie ist nicht nur Architektin, sondern auch Stadtplanerin und Dozentin. Sie baute Skulpturen, kreierte Bühnenbilder und setze sich für die Rechte der Frau ein. Eine vielseitige und vielinteressierte Grand Dame der Architektur, die immer in Bewegung sein muss.

Namhafte Projekte

  • 1990: Verwaltungsgebäude der Banque Populaire de l’Ouest (BPO), Rennes, Frankreich (ODBC)
  • 2004: L. Museum in Neuhaus, Österreich
  • 2010: MACRO Museum für zeitgenössische Kunst, neuer Flügel, Rom, Italien
  • 2011: Phantom Restaurant, erstes Restaurant im Pariser Opernhaus Garnier
  • 2012: FRAC Bretagne, Museum für zeitgenössische Kunst, Les Fonds Régionaux d’Art Contemporain (FRAC), Bretagne, Frankreich
  • 2015: Residenz Saint-Ange, Seyssins, Frankreich
  • 2015: Institut Confluence, Schule für Architektur, Lyon, Frankreich
  • 2016: Le Cargo, Paris

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