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Star-Architektin im Porträt

Was den Baustil von Zaha Hadid so einzigartig macht

Die Architekin Zaha Hadid in ihrem Londoner BüroFoto: Getty Images

Zaha Hadid wurde 1950 in Bagdad geboren, wuchs in England auf und hinterließ auf der ganzen Welt mit ihren bahnbrechenden Designs Spuren. Sie war eine irakisch-britische Architektin, Dozentin und Designerin. 2004 erhielt sie den Pritzker-Architektur-Preis, der zuvor nur an Architekten verliehen wurde.

„Die Königin der Kurven“, wie man sie auch nannte, entwarf dynamische und futuristische Konstrukte, die zunächst rein bautechnisch als unrealistisch galten. Doch schon bald stellte sich heraus, dass diese unkonventionellen Entwürfe alles andere als nicht realisierbar waren. In unserem Porträt stellen wir einige Meisterwerke der unvergesslichen Architektin vor.

Wer war Zaha Hadid?

Zaha Hadid hatte im Kindesalter schon den Traum, Architektin zu werden. Spielsachen hatten daher keinen Platz in Ihrem Zimmer: Ein Schreibtisch und ein Bücherregal taten es auch. Sie studierte später an der American University of Beirut Mathematik und zog dann nach England, um in der Architectural Association School in London von 1972 bis 1977 einen Abschluss in Architektur zu erwerben, an dem sie später viele Jahre dozierte. 1980 gründete sie in London ihr eigenes Büro – „Zaha Hadids Architects“. Die Stararchitektin war vielseitig, sie hatte eine Professur an der Wiener Universität für angewandte Kunst von 2000 bis 2015. Zudem lehrte sie an der Harvard University, der Columbia University in New York und der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Ferner gestaltete sie Möbel, Mode, Schmuck und sogar Bühnenbilder.

Richard Rosenthal Center for Contemporary Art in Cincinnati

Obwohl Zaha Hadid mit Ihren Designs anfangs wenig Erfolg hatte, gelang ihr schließlich 2003 mit der Realisation eines Kunstmuseums, dem Richard Rosenthal Center for Contemporary Art in Cincinnati, USA, der Durchbruch. Mit diesem Aufstieg zählte sie nicht nur zu der ersten Architektin, die ein Museumsgebäude in den USA realisierte, sondern sicherte sich so auch einen Platz in einer Männerdomäne.

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Es war für sie nicht einfach, sich als Frau zu behaupten, und erst recht nicht, wenn man versuchte, mit radikalen Ideen Konventionen zu brechen. Viele Bauherren winkten daher schon vorher ab. Aber die Stararchitektin ließ sich davon nicht abhalten und stellte mit ihrer unangepassten Architektur so manche traditionellen Gestaltungsansätze auf den Kopf.

„Es gibt 360 Winkelgrade, also warum sich nur an einen halten?“

Zaha Hadid

Zaha Hadids Museum MAXXI in Rom

Das MAXXI National Museum of the 21st Century Arts, Art Gallery, Italien, 2009, Zaha Hadid Architects.Foto: Photo by View Pictures/Universal Images Group via Getty Images

Sie schuf ihr eigenes Imperium und entwarf dynamisch-futuristische Gebäude, die den Gesetzen der Schwerkraft nur so trotzten. Mit den neuesten Technologien und innovativen Baumaterialien entstanden neue Perspektiven und Formen, die bisher unerreichbar schienen. Sie machte digitale Wirklichkeiten real. So ist es nicht verwunderlich, dass sie im Laufe Ihrer Karriere etliche Auszeichnungen bekam und zu den begehrtesten Architekten der Welt gehörte. Zaha Hadid war nie lange an einem Ort – ihr gehörte die ganze Welt.

Am 30. Mai 2010 wurde nach 10-jähriger Bauphase das Maxxi, das Nationalmuseum der Künste des 21. Jahrhunderts in Rom eröffnet. Mit rund 27.000 Quadratmetern ist es noch heute eines der größten Museen Europas und eines der wichtigsten Museen für Gegenwartskunst in Italien. Zaha Hadids Vorschlag war einer von 273 eingereichten Entwürfen des im Jahr 1999 ausgeschriebenen Wettbewerbs. Die Jury entschied sich letztlich für Zaha Hadid.

Die Kosten beliefen sich damals auf 150 Millionen Euro, das Bauvorhaben dauerte Jahre. Schuld daran war ein konstanter Regierungswechsel in Italien – den man immer wieder aufs Neue von dem Bauvorhaben überzeugen musste.

Da das neue Museum an sich schon ein reines Kunstwerk darstellte, stellte sich die Frage, ob es denn von der eigentlichen Kunst ablenken würde. Zaha Hadid hingegen sah es als Gesamtkunstwerk und meinte, das es nicht ablenke, sondern die Kunst begleite.

Opernhaus von Zaha Hadid in Guanzhou, China

Opernhaus von Zaha Hadid in Guangzhou, ChinaFoto: Getty Images

Zur selben Zeit (2010) wurde das futuristische Opernhaus in Guangzhou (China) mit einer Gesamtfläche von 70.000 qm eröffnet. Die futuristische Form wurde mit den Materialien Beton, Glas und Stahl unterstrichen. Drinnen gibt es keine rechten Winkel, aber jede Menge schiefe Wände und Decken, die organisch mit dem Interieur zusammenfließen.

Das Opernhaus trägt unmissverständlich die Handschrift der ungewöhnlichen Visionärin. Es hat zwei Konzertsäle, wobei der größere Saal bis zu 1800 Gäste empfangen kann. Der kleinere Konzertsaal lässt sich je nach Event individuell umgestalten.

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Das Apartmenthaus Argos in Graz

Mit der Fertigstellung des Projektes gehörte das Apartmenthaus zu Zaha Hadids „Kleinstprojekten“. Trotz der geringen Größe benötigte man ganze 17 Jahre zur Fertigstellung. Ursprünglich war das Wohngebäude mit „Argusaugen“ als monolithische Betonskulptur geplant. Da dies deutlich zu schwer geworden wäre, wurde auch hier mehrfach umgeplant. Am Ende umfasste die Fassade ein Gewicht von immer noch 40 Tonnen. Anstelle von Betonausbeulungen an der Fassade gab es futuristische Skulpturen aus glasfaserverstärktem Kunststoff mit Panoramablick.

Zaha Hadids Bauten in Deutschland

Das Vitra-Feuerwehrhaus in Weil am Rhein war eines der ersten Bauten der Stararchitektin in Deutschland. Ein weiteres Gebäude ist das Zentralgebäude im Leipziger BMW-Werk und das „LF one: landscape formation one“ – ein Pavillon für die Landesgartenschau, ebenfalls in Weil am Rhein realisiert. Das größte Projekt der Visionärin war aber das „phaeno“ in Wolfsburg, das zwischen 2001 und 2005 gebaut wurde.

Weitere Gebäude stehen in den USA, dem Vereinigten Königreich, Österreich, Singapur, Aserbaidschan, Saudi-Arabien, Belgien, Dänemark, der UAB, dem Libanon, Russland, Italien, Spanien, China, Schottland und Frankreich. Mit ihren fliesenden Formen und rebellischen Konstruktionen hat Zaha Hadid ihre unglaublichen Bauwerke zum Fliegen gebracht. Vielleicht sogar in eine andere Sphäre. Im Jahre 2016 verstarb Zaha Hadid in Miami, Florida.

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