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Steigende Nebenkosten

Mieterverein warnt: „Viele Mieter sind eh schon am Limit“

Steigende Nebenkosten
Unter anderem auf Familien, die zur Miete wohnen, kommen aufgrund der steigenden Nebenkosten einige Belastungen zuFoto: Getty Images

Nicht nur die Hauptmiete steigt in Deutschland seit Jahren an – vor allem in den Ballungszentren. Nun soll auch die „zweite Miete“, also die Nebenkosten, teurer werden. Mietervereine äußern sich besorgt über die aktuellen Entwicklungen.

Wer mit Öl oder Gas heizt und in einem Mietverhältnis wohnt, wird immer mehr zur Kasse gebeten. Die gemeinnützige Gesellschaft „co2online“ geht in ihrem Heizspiegel davon aus, dass die Kosten für eine warme Wohnung mit 70 Quadratmetern in diesem Jahr um 13 Prozent steigen. Konkret geht es dabei um die CO2-Abgabe, die auf die Mieter zukommt. Bewohner von Häusern mit Ölheizungen werden besonders belastet. Hier sollen die Kosten um 44 Prozent ansteigen, Tendenz steigend. Im Jahr 2025, so die Prognose, sollen Mieter einer 70-Quadratmeter-Wohnung mit Mehrkosten von 130 Euro bei Gas und 188 Euro bei Öl rechnen müssen. myHOMEBOOK hat beim Mieterverein München nachgefragt, was auf Mieter zukommt und welche besonders unter den steigenden Nebenkosten leiden.

Mieterverein warnt vor steigenden Nebenkosten für Mieter

Wir erwarten, dass viele unserer Mitglieder für 2020 mehr an Nebenkosten als die vergangenen Jahre bezahlen“, erklärt Volker Rastätter vom DMB Mieterverein München auf myHOMEBOOK-Anfrage. Unter anderem ist diese Tatsache auch dem Umstand geschuldet, dass in diesem Jahr viele Menschen wegen der Pandemie viel Zeit zu Hause verbracht haben. „Demzufolge dürften zum Beispiel die Kosten für Müll, Wasser und Heizung bei vielen ansteigen“, warnt Rastätter.

Doch damit nicht genug. „Hinzu kommt seit 1. Januar 2021 der neue CO2-Preis auf Öl und Gas, der sich ebenfalls 2022 in den Abrechnungen bemerkbar machen wird“, erklärt Rastätter. Aktuell können Vermieter diesen komplett auf Mieter umlegen, obwohl diese keinen Einfluss auf die Art der Heizung haben.

Die für diesen Herbst erwartete Steigerung dürfte sich in den Abrechnungen für 2021 abzeichnen“, erklärt der Geschäftsführer des Münchner Mietervereins. Die Abrechnungen können bis Ende 2022 verschickt werden, zudem kommt es auch darauf an, wann die Öltanks wieder befüllt werden. Aus diesem Grund stellt der Mieterverein aktuell noch nicht fest, dass sich die Mieter zu diesem Thema bereits beraten lassen. Aber das wird sich vermutlich noch ändern.

Wie sehr belasten die steigenden Nebenkosten die Mieter?

„Viele Mieter sind eh schon am Limit dessen, was sie von ihren Einnahmen für die Miete ausgeben“, warnt Rastätter. „Wenn dann die Nebenkosten noch extrem steigen, kann es schnell sehr eng werden.“ Er gehe sogar davon aus, dass Menschen Angst haben, „sich ihr Zuhause nicht mehr leisten zu können“.

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Welche Mieter leiden besonders?

Vor allem die Mieter, die sowieso schon Probleme haben, ihre Miete zu stemmen, leiden laut Rastätter. In Städten wie München können das auch Doppelverdienende in guten Berufen sein, die ein oder zwei Kinder haben. Dort kostet eine Familienwohnung mit 100 Quadratmetern schnell 2000 Euro Kaltmiete – und dazu kommen dann noch die Nebenkosten. „Wer soll sich das noch leisten können?“, fragt der Mietrechtler. Aber auch Alleinerziehende und Rentner würden unter der eh schon angespannten Situation ächzen.

Bekommen Mieter zu wenig Unterstützung?

Angesichts der steigenden Energiekosten kann es laut Rastätter nicht sein, dass diese nur die Mieter schultern. Er fordert: „Hinsichtlich des CO2-Preises ist es aus unserer Sicht so, dass Vermieter diesen tragen sollten.“ Schließlich entscheiden auch die Vermieter über die Art der Heizung und können entsprechend reagieren. „Wenn Energiekosten immer weiter steigen, muss der Staat helfen“, so der Geschäftsführer des Mietervereins.

Ist es realistisch, dass Vermieter einen Teil der Kosten übernehmen?

Auch der Dachverband – der Deutsche Mieterbund (DMB) – fordert Maßnahmen, um die Mieter vor steigenden Nebenkosten zu schützen. Bei den Energiekosten sei es allerdings laut Rastätter unrealistisch, dass die Vermieter diese übernehmen. „Hier muss der Staat Mieter bei den aktuellen extremen Preissprüngen helfen“, meint er. Anders sieht es beim CO2-Preis aus – diesen sollten laut Mieterverein die Vermieter tragen.

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Was muss sich für Mieter in Zukunft ändern?

Laut Rastätter muss bei den steigenden Nebenkosten verhindert werden, dass Mieter noch extremer belastet werden als bisher, „besonders wenn es um den Umweltschutz geht – Stichwort CO2-Steuer.“ Zudem fordert der Geschäftsführer des Mietervereins, dass auch beim Wohngeld die Energiekosten einberechnet werden, wie es auch der Dachverband fordert.

Quellen:
Mieterverein München e.V.
Heizspiegel von co2online
Deutscher Mieterbund: Energiekosten auf Rekordniveau – Verbraucher:innen schützen & Klimaschutz stärken

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