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von myHOMEBOOK

Es droht Ärger mit dem Vermieter

Welche Pflanzen auf dem Balkon nicht erlaubt sind

Blumenampeln müssen am Balkon gesichert hängen
Blumenampeln auf dem Balkon sind okay, beim Baum wird's schwierigFoto: Getty Images

Begrünung ja, Dschungel nein: Ein Vermieter kann die Begrünung des Balkons grundsätzlich nicht verbieten. Doch gewisse Grenzen gibt es schon.

Die Bepflanzung des Balkons gehört grundsätzlich zum vertragsmäßigen Gebrauch der Mietwohnung. Welche Pflanzen Mieter in die Kästen setzen, bleibt ihnen weitgehend selbst überlassen. Sie müssen allerdings darauf achten, dass Blumentöpfe und Balkonkästen sicher angebracht sind und nicht Gefahr laufen, bei starken Sturmböen herunterzufallen. Wer trotz Abmahnung durch den Vermieter seine Balkon-Pflanzen ungesichert wachsen lässt, riskiert die fristlose Kündigung!

Muss ich Blumenkästen innen oder außen anbringen?

Eine Frage, die immer wieder deutsche Gerichte beschäftigt und je nach Ausgangslage unterschiedlich bewertet wird. Grundsätzlich gilt: Wenn Blumenkästen an der Außenseite des Balkongitters befestigt sind, sind sie Teil der Hausfassade, gehören daher nicht mehr zur Mietwohnung. So angebracht, beeinflussen die Kästen das Erscheinungsbild des Gebäudes – und da kann der Vermieter sein Okay verweigern. So wurde in einem Urteil des Landgerichts Berlin das Vermieter-Recht gestärkt: Hier müssen die Blumenkästen auf der Innenseite des Balkon-Gitters hängen (Az.: 655 S 40/12). Das Landgericht Hamburg entschied hingegen zugunsten der Mieter. Die Kästen dürfen außen angebracht werden, müssen jedoch ausreichend gesichert werden (Az.: 316 S 79/04).

Ahornbaum auf dem Balkon gibt Ärger

Stress mit dem Vermieter riskiert man schnell bei der falschen Wahl der Pflanzen. Denn bei der Auswahl gibt es durchaus Grenzen, erklärt der Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland. Hintergrund des etwas speziellen Falls: Ein Mieter topfte ein Ahornbäumchen in einem Holzkübel auf seiner Loggia. Der Holzkasten verrottete mit der Zeit, die Wurzeln des nunmehr hochgewachsenen Baumes gruben sich ins Mauerwerk. Hinzu kam, dass die Pflanze umzukippen drohte und deshalb mit Ketten gesichert werden musste. Der Vermieter forderte die Beseitigung des Baumes, der Mieter widersprach – der Fall landete vor dem Landgericht München I (Az.: 31 S 12371716).

Optik des Gebäudes nicht ohne Weiteres verändern

Wenn eine Bepflanzung aufgrund ihres Umfangs einer baulichen Veränderung gleichkommt oder das Erscheinungsbild der Hausfassade optisch beeinträchtigt, ist sie nicht mehr vom üblichen Mietgebrauch gedeckt. Entscheidend dafür, wann dies der Fall ist, sind stets die konkreten Umstände des Einzelfalls.

Weniger spektakulär, aber genauso problematisch können Rankpflanzen sein. Zwar dürfen Mieter grundsätzlich ein Rankgitter anbringen. Sie müssen jedoch darauf achten, dass die Pflanzen das Mauerwerk nicht beschädigen, befand das Amtsgericht Berlin-Schöneberg (Az.: 6 C 360/85). Efeu oder Wilder Wein sind damit eher ungeeignet zur Balkonbegrünung. Mieter sollten deshalb die Zustimmung des Vermieters einholen, bevor sie Efeu oder Wilden Wein auf dem Balkon pflanzen.

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Auch Hängepflanzen und Blumenampeln können Mieter auf dem Balkon anbringen. Hängen diese allerdings zum Nachbarbalkon hinunter, ist der Ärger im Haus vorprogrammiert – und die Abmahnung nicht weit. So entschied das Amtsgericht Hannover, dass man Nachbarn durch hängende Bepflanzung nicht beeinträchtigen darf (Az.: 538 C 9949/00).

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Ist Cannabis auf dem Balkon okay?

Nein. Lassen Sie bloß die Finger davon! Nur in ganz vereinzelten Ausnahmefällen dürfen schwerkranke Menschen Cannabis selbst anbauen – in engmaschigen Grenzen und zu medizinischen Zwecken. So entschied das Bundesverwaltungsgericht Leipzig in dritter Instanz 2016, dass ein an Multiples Sklerose erkrankter Mann zur Linderung der Symptome Cannabis in begrenzten Mengen in seiner Wohnung selbst anbauen durfte (BVerwG 3 C 10.14).

Der illegale Anbau von Cannabis auf dem Balkon rechtfertigt in jedem Fall eine fristlose Kündigung. Alleine schon wegen des Hausfriedens: So stellte das Landgericht Ravensburg fest, dass der Cannabis-Anbau das Vertrauensverhältnis zwischen Mieter und Vermieter zerstöre. Zudem werde der Ruf des Hauses beschädigt (Az.: 4 S 127/01).

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