16. Juli 2026, 6:58 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Ein Spaziergang durch Wiesen und Wälder kann mehr sein als Erholung. Mit einem Korb und etwas Wissen wird er für viele zur Entdeckungssuche nach essbaren Pflanzen, Kräutern und Pilzen. Foraging heißt dieser Trend, der immer mehr Menschen begeistert.
Der Begriff Foraging beschreibt das Sammeln von essbaren Pflanzen, die in der freien Natur wachsen. Obwohl der Trend zunehmend an Beliebtheit gewinnt, ist er keineswegs neu. Bis vor etwa 12.000 Jahren versorgten sich unsere Vorfahren noch als Jäger und Sammler. Die zunehmende landwirtschaftliche und industrielle Produktion von Lebensmitteln machte das Sammeln von Wildpflanzen jedoch zunehmend überflüssig. Trotzdem ist Foraging auch heute noch eine attraktive Möglichkeit, um mehr Zeit in der Natur zu verbringen. Einige Punkte sollten Hobbygärtner aber dennoch beachten, bevor sie sich auf die Suche nach wild wachsenden Pflanzen machen. MyHOMEBOOK sprach dafür mit dem Bundesamt für Naturschutz.
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Was macht Foraging so beliebt?
Foraging vereint gleich mehrere Vorteile. Die Nahrungssuche ist vor allem jetzt im Sommer eine tolle Freizeitbeschäftigung, die körperliche Aktivität mit einem Naturerlebnis verbindet. Verantwortungsvolles Sammeln ist zudem nachhaltig, da Wildpflanzen in der direkten Umgebung wachsen und ganz ohne Transportwege und künstliche Düngemittel auskommen. Das Bundesamt für Naturschutz sieht in diesem Trend sogar die Chance, dass sich Menschen mehr mit der Natur und dem Schutz der Artenvielfalt beschäftigen.
Längst ist das Hobby auch in größeren Städten angekommen. Unter dem Namen „Urban Foraging“ bieten Plattformen geführte Gruppenkurse an, in denen gemeinsam nach essbaren Pflanzen im städtischen Gebiet Ausschau gehalten wird.
Ist Foraging überhaupt erlaubt?
Grundsätzlich ist das Sammeln wilder Pflanzen erlaubt. Das Bundesnaturschutzgesetz sieht jedoch Rücksichtsnahme beim Foraging vor. Natur und Landschaft dürfen nicht beeinträchtigt oder zerstört werden. Blumen, Gräsern, Pilzen oder Früchten dürfen nur „in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf“ gesammelt werden, schildert das Bundesamt für Naturschutz. Was die genaue Menge angeht, orientiert man sich am besten an der Handstraußregelung. Diese gesetzliche Regel besagt, dass nur so viel mitgenommen werden darf, wie in eine Hand passt, um den Bestand der Pflanzen und die Versorgungslage von heimischen Tieren nicht zu gefährden.
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Kann man überall Wildpflanzen sammeln?
Eine wesentliche Voraussetzung für erfolgreiches Foraging ist die Wahl eines geeigneten Standortes. Wälder, Streuobstwiesen und kleine Flussufer bieten zahlreiche Stellen, an denen Blüten, Kräuter, Pilze und Beeren wachsen. In größeren Städten können auch Grünanlagen einige Naturschätze bereithalten und für Foraging genutzt werden.
Daneben gibt es aber auch einige Orte, die man meiden sollte. Dazu gehören viel befahrene Straßen und Industriegebiete, die schädliche Abgase und Schadstoffe in der Umgebung hinterlassen. Auch öffentliche Parks, in denen viele Hunde spielen, sollte man eher meiden. Doch eins ist auf jeden Fall zu beachten: Das Sammeln in Naturschutzgebieten sowie auf Privatgrundstücken und landwirtschaftlich genutzten Flächen ist untersagt, sofern keine Erlaubnis vorliegt, wie das Bundesamt für Naturschutz informiert. Besonders in geschützten Naturparks trifft man als Sammler häufig auf ausgeschilderte Betretungsverbote, an die man sich unbedingt halten sollte.
So viel Kräuter darf man in der Natur sammeln
Welche giftigen Doppelgänger man beim Pilzesammeln kennen sollte
Wichtig: Unbedingt die Pflanzen kennen
Viele wild wachsende Pflanzen und Kräuter enthalten eine Vielzahl an Mineralstoffen und Vitaminen, die sich positiv auf unsere Gesundheit auswirken können. Vorab sollte man sich jedoch die Frage stellen, welche Pflanzen überhaupt für den Verzehr geeignet sind und von welchen man lieber die Finger lässt.
Die Natur erschwert diese Frage häufig durch giftige Doppelgänger, die manchen essbaren Pflanzen verblüffend ähnlich sehen. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der aromatisch duftende Bärlauch, der jedes Jahr von Mai bis Juni blüht. Er kann leicht verwechselt werden mit den Blättern des Maiglöckchens und der Herbstzeitlosen. Noch kniffliger ist die Unterscheidung zwischen dem Wiesenkerbel, einer würzig schmeckenden Pflanze, und dem giftigen Gefleckten Schierling. Abhilfe können dabei Ratgeber und Apps verschaffen. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie warnt jedoch vor Apps, die Pflanzen ausschließlich mit einem Scan identifizieren, da sie anfällig für Fehler sind. Wer sich nicht eindeutig sicher ist, ob eine Pflanze giftig oder ungiftig ist, sollte sie lieber nicht sammeln und verzehren.
Manche Pflanzen und Pilze, ob giftig oder ungiftig, können unter besonderen Artenschutz stehen und dürfen nicht entwendet werden. So beispielsweise Krokusse, Enziane, Steinpilze und alle Pfifferlingsarten. Um den Artenschutz leichter festzustellen, kann man online abrufbare Recherche- und Informationssysteme nutzen, wie das des Bundesumweltministeriums.
Richtiges Ernten ist entscheidend
Eine möglichst schonende Ernte ist beim Foraging mindestens so entscheidend wie die Wahl des richtigen Ortes. Das Bundesamt für Naturschutz erklärt, dass die Entnahme von Pflanzen „pfleglich erfolgen” soll, um „negative Einwirkungen auf die Pflanze und die Umgebung“ zu vermeiden. Man sollte deshalb darauf achten, nur die Früchte oder Blätter einer Pflanze zu ernten. Ganze Zwiebeln, Knollen und Wurzeln dürfen nicht ausgegraben werden, um die Bestände langfristig zu schützen. Nach der Ernte ist es ratsam, die Pflanzen gründlich abzuwaschen und sie erst im Anschluss zu verzehren.