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Typisches Wintergemüse

7 interessante Fakten über Kohl, die viele nicht kennen

Zierkohl
Zierkohl ist ein echter Hingucker im Garten Foto: Getty Images
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Katharina Petzholdt
Garten-Autorin

10. November 2025, 12:04 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Kohl hatte lange Zeit ein echtes Imageproblem. Er galt als muffiges Nachkriegsgemüse und diente eher zur Sättigung als zum Genuss. Inzwischen hat sich der Blick auf ihn gewandelt. Er gilt heute als gesundes Trendgemüse und hat auch im Hausgarten wieder viele Liebhaber. Hier sind ein paar interessante Fakten über Kohl, die wohl vielen nicht bewusst sind.

1. Eine Art, viele Erscheinungsformen

Weißkohl, Rotkohl, Spitzkohl, Wirsing, Grünkohl, Palmkohl, Rosenkohl, Brokkoli, Blumenkohl, Romanesco und Kohlrabi unterscheiden sich so stark im Aussehen, dass man kaum vermutet, dass sie botanisch zusammengehören. Tatsächlich aber gehören sie alle zur selben Art, nämlich zu Brassica oleracea. Ihre Formenvielfalt entstand, weil immer wieder Pflanzen weitervermehrt wurden, bei denen ein bestimmtes Merkmal stärker ausgeprägt war, sei es ein dichter Kopf oder richtig viel Blattmasse.

Gut zu wissen: Zur Gattung Brassica gehören nicht nur die hier vorgestellten Formen von Brassica oleracea, sondern auch andere Arten. Dazu zählen beispielsweise Brassica rapa, zu der Pak Choi, Chinakohl und verschiedene Asia-Salate gehören, oder Brassica napus, die Raps- und Steckrübenart.

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2. Zucht vom Blatt zur Blüte

Historisch verlief die Züchtung in Etappen. Zunächst standen lockere Blattformen im Mittelpunkt, wie sie dem ursprünglichen Wildkohl ähneln. Daraus entwickelten sich Varianten mit besonders ausgeprägter Blattmasse wie Grünkohl und später Kohlformen mit kompakten Köpfen, etwa Weißkohl und Rotkohl. Später rückten andere Pflanzenteile in den Fokus der Züchter: Bei Kohlrabi der verdickte Stängel, bei Brokkoli und Blumenkohl die noch geschlossenen Blütenstände.

3. Von der Küste ins Beet

Der Ursprung aller heutigen Kohlsorten liegt an den Küsten Westeuropas. Dort wächst der Wildkohl (Brassica oleracea var. oleracea) auf steinigen, kalkhaltigen Felsen in windoffenen Lagen. Er ist eine mehrjährige Pflanze mit kräftigem Wuchs, blaugrauen Blättern und einer erstaunlichen Toleranz gegenüber Salz und Wind. Diese robuste Wildform gilt als „Mutter“ sämtlicher heutiger Kulturkohlsorten. In seinem natürlichen Lebensraum ist der Wildkohl vergleichsweise unscheinbar. Doch seine Widerstandskraft und Anpassungsfähigkeit prädestinierten ihn für die Züchtung zahlreicher Kulturformen.

4. Kohl als essbare Zierpflanze

Wer Kohl nur als Nutzgemüse sieht, verkennt seinen optischen Reiz. Palmkohl mit seinen tiefgrünen, aufrechten Blättern beispielsweise erinnert fast an exotische Stauden. Violetter Grünkohl leuchtet im winterlichen Garten, wenn viele andere Pflanzen längst ihre Farbenpracht verloren haben. Und Romanesco zeigt mit seiner spiralförmigen Struktur fraktale Geometrie von ihrer schönsten Seite. Besonders farbenfroh hingegen ist Zierkohl. Er bleibt mit seinen rosa, weißen oder violetten Rosetten bis weit in den Winter attraktiv.

5. Was es mit dem typischen Kohlgeschmack auf sich hat

Kohl schmeckt nicht zufällig so charakteristisch. Beim Schneiden und Kauen verwandeln sich seine Glucosinolate in aromatische Senföle, die ihm je nach Sorte ein mildes bis pfeffriges Aroma verleihen. Diese Stoffe schützen die Pflanze und sind auch für den Menschen nützlich, da sie als sekundäre Pflanzenstoffe der Gesundheit zugutekommen. Schon in der Antike wurde Kohl als Heilpflanze geschätzt, etwa zur Linderung von Magenbeschwerden oder äußerlich bei Entzündungen. Im Winter diente er außerdem als wichtige Vitaminquelle, besonders in Form von Sauerkraut.

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6. Kohl sendet Signale

Kohlpflanzen schützen sich mit einem chemischen Abwehrsystem auf der Basis von schwefelhaltigen Glucosinolaten. Werden ihre Blätter verletzt, entstehen scharf riechende Senföle, die viele Fressfeinde abschrecken. Einige dieser Duftstoffe sind jedoch schon in unverletzten Blättern in geringer Menge vorhanden und verleihen dem Kohl einen Teil seines charakteristischen Geruchs.

Für spezialisierte Insekten wie den Kohlweißling ist dieser Duft ein wichtiges Erkennungsmerkmal. Er hilft ihnen, geeignete Wirtspflanzen zu finden. Kräuter wie Salbei oder Thymian zwischen den Kohlpflanzen können helfen einen Befall zu reduzieren, weil ihr intensiver Duft den Kohlgeruch überlagert und den Schmetterlingen die Orientierung erschwert.

7. Kohl blüht im zweiten Jahr

Eigentlich ist Kohl zweijährig, doch meist landet er schon wenige Monate nach der Aussaat auf dem Teller. Lässt man die Pflanze aber wachsen, bilden sich bei den meisten Sorten im zweiten Jahr eine Vielzahl von hübschen, kleinen gelben Blüten, die von Insekten gerne angeflogen werden.

Katharina Petzholdt
Garten-Autorin

Tipp: Saatgut gewinnen

„Wer Kohl bis zur Blüte stehen lässt und danach Geduld hat, bis die Samenstände vollständig ausgereift sind, kann eigenes Saatgut gewinnen. Die winzigen schwarzen Samen lassen sich im nächsten Jahr wieder aussäen – vorausgesetzt, es handelt sich um eine samenfeste Sorte und nicht um eine Hybridsorte.“

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