29. September 2025, 14:59 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Trotz „Bau-Turbo“ fehlt vielen Bürgern laut einer aktuellen Umfrage der Glaube an eine Trendwende auf dem angespannten Wohnungsmarkt. Die Zahlen offenbaren ein deutliches Misstrauen gegenüber der Politik – zumindest bei einer bestimmten Personengruppe.
Große Skepsis gegenüber Neubauzielen der Regierung
Die Bundesregierung hat sich mit dem sogenannten „Bau-Turbo“ ambitionierte Ziele gesetzt, um dem Wohnraummangel entgegenzuwirken. Doch laut einer aktuellen und repräsentativen Umfrage von Immowelt namens „Wohnraummangel-Barometer 2025“ bezweifeln viele Menschen, dass diese Pläne aufgehen. 76 Prozent der Befragten glauben nicht, dass die Regierung ihre Neubauziele erreichen wird. Nur 24 Prozent zeigen sich zuversichtlich, dass die selbst gesetzten Vorgaben erfüllt werden können. Für die Studie wurden deutschlandweit 1000 Personen ab 18 Jahren online befragt.
Auch insgesamt blickt die Bevölkerung pessimistisch auf die Entwicklung des Wohnungsmarkts. 42 Prozent rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit einer Verschlechterung der Wohnsituation. 46 Prozent erwarten keine Veränderung. Etwas mehr Vertrauen wird der Regierung beim Abbau bürokratischer Hürden zugetraut. 29 Prozent halten eine Vereinfachung von Bau-, Planungs- und Umweltvorschriften für realistisch. Die Chancen für eine wirksame Mietpreisregulierung in Ballungsräumen, die Vermeidung von Leerstand im ländlichen Raum sowie eine steigende Wohneigentumsquote sehen jeweils 27 Prozent.
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Drastisch steigende Mieten – energetische Sanierungen im Fokus
Ein zentrales Problem bleibt aus Sicht vieler Befragter die anhaltende Verteuerung des Wohnens. 80 Prozent sind überzeugt, dass Wohneigentum für die Mehrheit der Bevölkerung unerschwinglich bleiben wird. Fast ebenso viele (79 Prozent) rechnen mit weiter steigenden Mieten – unabhängig davon, welche Maßnahmen die Politik ergreift.
Ein wesentlicher Kostentreiber wird in den energetischen Sanierungen gesehen. Mehr als acht von zehn Befragten machen die Sanierungspflichten für die steigenden Mieten mitverantwortlich.
Jüngere und Familien mit mehr Vertrauen in die Politik
Insgesamt zeigt die Umfrage jedoch auch differenzierte Meinungen innerhalb der Bevölkerung. Während ältere Befragte besonders skeptisch sind, zeigen sich jüngere Generationen deutlich optimistischer. Bei den 18- bis 29-Jährigen und den 30- bis 39-Jährigen liegt der Anteil positiver Antworten bei allen abgefragten Themen mindestens 5 Prozentpunkte über dem Durchschnitt. So glaubt knapp die Hälfte der jüngeren Altersgruppe, dass die Regierung den Leerstand in Städten effektiv verhindern kann – bei den über 60-Jährigen ist es nicht einmal jeder Fünfte.
Auch Familien mit Kindern zeigen mehr Vertrauen: „Gleichzeitig sehen wir aber, dass jüngere Menschen und Familien mit Kindern deutlich mehr Vertrauen in die Maßnahmen der Bundesregierung haben. Mit den richtigen Weichenstellungen kann es der Politik gelingen, langfristige positive Entwicklungen anzustoßen“, sagt Dr. Robert Wagner, Geschäftsführer von Immowelt in der Pressemitteilung.
In dieser Gruppe liegen die Zustimmungswerte in allen Bereichen mindestens fünf Prozentpunkte über dem Durchschnitt. Während im Gesamtschnitt 24 Prozent glauben, dass die Politik Wohnraum für alle Einkommensgruppen schaffen kann, sind es unter den Mehrpersonenhaushalten mit Kindern 37 Prozent.
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Eigentümer blicken zuversichtlicher in die Zukunft
Ein weiterer Faktor für die unterschiedliche Wahrnehmung ist der Wohnstatus. Menschen mit Wohneigentum schätzen die Marktentwicklung positiver ein als Mieterinnen und Mieter. Rund jeder Sechste aus der Eigentümergruppe geht von einer Verbesserung der Situation im nächsten Jahr aus – unter den Mietenden teilen nur acht Prozent diese Hoffnung.
Appell an die Politik
Angesichts der allgemeinen Verunsicherung fordert Immowelt-Geschäftsführer Dr. Robert Wagner gezielte politische Maßnahmen zur Förderung des Eigentumserwerbs: „Die Sorgen über weiter steigende Mieten sind groß. Eigentümer blicken insgesamt optimistischer in die Zukunft des Wohnungsmarkts. Die Bundesregierung sollte also gezielt versuchen, den Erwerb von selbst genutztem Wohneigentum für Erstkäufer attraktiver zu machen. Beispielsweise mit Förderungen, Steuererleichterungen und staatlichen Bürgschaften für diese Käuferschicht.“ Und weiter: „Das würde den Mietmarkt entlasten und zudem das Risiko von Altersarmut für viele Menschen senken, die heute noch Mieter sind.“