22. Oktober 2026, 12:17 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Ab Oktober liefert das Balkonkraftwerk spürbar weniger Strom. Die Sonne steht tief und trifft flach auf die Module. Ein steilerer Winkel fängt mehr Licht ein, wie myHOMEBOOK beim Bundesverband des Solarhandwerks erfahren hat. Auch Schatten, Schmutz und der Standort eines Speichers entscheiden mit, wie viel Strom im Herbst ankommt.
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Wie sich die Sonnenstrahlung im Herbst verändert
Im Sommer steht die Sonne mittags hoch über dem Balkon. Im Herbst zieht sie flach über den Horizont. Ihre Strahlen treffen dann schräg auf das Modul. „Bei einem flachen Einfallswinkel trifft deutlich weniger Sonneneinstrahlung auf die gesamte Modulfläche“, erklärt Lucas Flügel, Pressesprecher beim Bundesverband des Solarhandwerks (BDSH), auf Nachfrage von myHOMEBOOK.
Das Prinzip kennt jeder von einer Taschenlampe. Gerade auf die Wand gerichtet, wirft sie einen kleinen, hellen Lichtfleck. Schräg gehalten, wird der Fleck größer und blasser. Die gleiche Energie verteilt sich auf mehr Fläche. Kürzere Tage, längere Schatten und trübes Wetter drücken den Ertrag zusätzlich.
Wie stark er sinkt, zeigen Erfahrungswerte. Bei Dachanlagen entstehen laut BDSH etwa 85 Prozent des Jahresertrags zwischen März und Oktober. Auf November bis Februar entfallen nur etwa 15 Prozent.
Für Balkonkraftwerke nennt Flügel ähnliche Größenordnungen. Im August liefern sie etwa 12 Prozent des Jahresertrags, im Oktober noch 7 bis 8 Prozent. Im November sind es etwa 4 Prozent, im Dezember und Januar jeweils etwa 3 Prozent. Dabei handelt es sich um Durchschnittswerte. Exakte Werte hängen von Ausrichtung, Neigung und der Sonneneinstrahlung am Standort ab.
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Das Wichtigste ist, den Winkel anzupassen
Die wichtigste Stellschraube für optimale Leistung des Balkonkraftwerks, ist der Winkel. Um noch einmal auf das Beispiel mit der Taschenlampe zu verweisen: Ein steiler gestelltes Modul steht der tiefen Sonne gerader gegenüber. „Grundsätzlich ist eine steilere Modulneigung in diesen Monaten günstig“, sagt Flügel. Viele Balkonmodule hängen ohnehin fast senkrecht am Geländer. Sie fangen die flachen Strahlen besser ein als ein flach aufgeständertes Modul. Bei verstellbaren Halterungen lässt sich der Winkel für den Winter steiler stellen. Allerdings gleicht ein steilerer Winkel die Verluste gegenüber den sonnigen Monaten laut Flügel nur ‚ein wenig‘ aus.
Was das in Zahlen bedeutet, zeigt eine Beispielrechnung mit dem Solarrechner PVGIS der EU-Kommission. myHOMEBOOK hat dafür ein Balkonkraftwerk mit 800 Watt Modulleistung in Kassel angenommen, ausgerichtet nach Süden und ohne Schatten:
- Bei 30 Grad Neigung liefert die Anlage im Dezember im Mittel etwa 20 Kilowattstunden.
- Bei steileren 60 Grad sind es knapp 25 Kilowattstunden, ein Plus von einem Viertel.
- Das bedeutet: Über die vier Monate von Oktober bis Januar bringt die steilere Ausrichtung zusammen knapp 20 Kilowattstunden mehr.
- Auch senkrecht am Geländer liefert das Modul von November bis Januar mehr als bei 30 Grad, im Dezember etwa ein Fünftel.
- Im Sommer trifft die hohe Sonne ein senkrechtes Modul dafür sehr flach. Übers Jahr gerechnet erzeugt es deshalb fast 30 Prozent weniger Strom.
Die Zahlen dienen nur zur Veranschaulichung. An Standorten mit viel Schatten können die Werte abweichen und geringer ausfallen.
Schatten, Schmutz und graues Licht
Die tiefe Sonne wirft lange Schatten. Nachbarhäuser, Bäume oder der Balkon darüber verdecken das Modul somit schneller als im Sommer. Moderne Module federn das ab. Dank Bypass-Dioden und Halbzellentechnik liefern die freien Zellgruppen weiter Strom. Flügel schränkt allerdings ein: „Die Verschattung wird dadurch jedoch lediglich begrenzt und nicht vollständig ausgeglichen.“ Wie viel verloren geht, hängt von Ausrichtung, Dauer und Fläche des Schattens ab.
An grauen Tagen kommt vor allem gestreutes Licht an. Hocheffiziente Module verwerten dieses diffuse Licht inzwischen gut. Direkte Sonne ersetzt es laut Flügel aber nicht, egal wie gut das Modul ist.
Gleichzeitig bleiben Laub und Schmutz im Herbst leichter liegen. Bei senkrecht montierten Balkonmodulen rutscht laut Flügel das meiste von selbst ab. Er spricht vom Selbstreinigungseffekt. Andere Fachleute halten senkrechte Module für weniger selbstreinigend, weil Wasser dort schlechter abperle.
„Wir empfehlen, ab und zu einen Blick auf das Modul oder die Module zu werfen“, sagt Flügel. Hartnäckig hält sich vor allem Vogelkot. Zum Reinigen genügen klares, kalkarmes Wasser und ein weicher Schwamm oder ein Mikrofasertuch. Hochdruckreiniger und Scheuermittel können die Oberfläche zerkratzen. Wichtig: Vorher den Stecker ziehen.
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Sturmfeste Montage ist wichtig
Im Herbst nehmen zudem die Stürme zu. Sie zerren an jedem Modul. Flügel nennt eine stabile Unterkonstruktion „das A und O“. Wind drückt dabei nicht nur von vorn auf die Platte. Greift er von hinten darunter, entsteht ein Sog. Gerade aufgeständerte Module sind dafür anfällig. „Das bedeutet, dass Module in beide Richtungen gesichert sein müssen“, betont Flügel. Bei Modulen an der Brüstung übernehmen das die Modulhaken plus ein Sicherungsseil aus Edelstahl. Mit welcher Windlast Planer an einem Standort rechnen, legt die Norm DIN EN 1991-1-4 fest, Teil des europäischen Eurocode 1. Sie teilt Deutschland in vier Windzonen ein. Im Norden fällt die Windlast demnach deutlich höher aus als im Süden.
Fällt ein Modul herunter, haftet der Besitzer. Schäden an Dritten deckt laut Flügel die private Haftpflichtversicherung. Das Gerät selbst gehört seiner Einschätzung nach in die Hausratversicherung. Das bestätigt der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV). Der Verband rät, die Anlage dem Versicherer zu melden.
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Nachgerüstete Speicher frostfrei aufstellen
Ein Batteriespeicher gehört nicht zur Grundausstattung, lässt sich aber nachrüsten. Auf die kühleren Temperaturen im Herbst und vor allem im Winter reagiert der Speicher empfindlich. In den Lithiumzellen steigt der Innenwiderstand. Laden und Entladen werden langsamer, die nutzbare Kapazität sinkt.
Flügel vergleicht das mit einem Handy im Winter. Auch der Smartphone-Akku entlädt sich bei Kälte schneller und lädt langsamer, bis er sich erwärmt hat. Manche PV-Speicher geben bei Kälte gezielt Strom ins Netz ab. So bleiben sie in einem sicheren Ladebereich. Flügels Rat: Der Speicher gehört in einen ‚temperaturstabilen‘ Raum. Der Raum sollte trocken, frostfrei, gut zugänglich und vor direkter Hitze geschützt sein.
Der Wechselrichter verträgt Kälte hingegen meist gut. Probleme macht eher Hitze. Bei Frost steigt zwar die Spannung der Module. Bei üblichen Balkonkraftwerken mit ein oder zwei Modulen ist das laut Flügel aber in der Regel unkritisch. Voraussetzung: Die Spannung der Module bleibt auch bei Frost unter dem Wert, den der Wechselrichter laut Datenblatt verträgt. Bei Komplettsets passt das meist.