27. April 2026, 17:27 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Kleine Ameisen in der Küche oder im Bad? Viele greifen in solchen Fällen schnell zu Insektenspray. Bei der Pharaoameise ist das jedoch genau der falsche Ansatz – und kann das Problem sogar verschlimmern. myHOMEBOOK hat beim Berliner Schädlingsbekämpfungsverein nachgefragt und bekam erstaunliche Antworten.
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Leben im Verborgenen – und nur im Haus
Die Pharaoameise unterscheidet sich grundlegend von den meisten heimischen Ameisenarten, erklärt der Geschäftsführer des Berliner Schädlingsbekämpfungsvereins auf Nachfrage von myHOMEBOOK. „Pharaoameisen finden Sie nicht im Garten. Sie sind im Haus und brauchen viel Wärme.“ Statt draußen Nester zu bauen, leben sie ausschließlich in Innenräumen – versteckt in Wänden, hinter Fußleisten oder unter Böden. Entscheidend ist dabei eine konstante Temperatur, wie sie in beheizten Gebäuden herrscht.
Anders als viele vermuten, sind sie nicht an warme Sommer gebunden. „Die Pharaoameisen sind nicht unbedingt im Sommer am aktivsten, sondern im Winter, wenn die Heizungen an sind“, erklärt der Experte. Das bedeutet aber nicht, dass sie nur saisonal auftreten. Vielmehr sind sie das ganze Jahr über vorhanden – werden jedoch in den kälteren Monaten oft sichtbarer, weil die Bedingungen in Innenräumen dann besonders stabil sind.
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Warum Insektenspray das Problem verschärft
Wer einzelne Ameisen entdeckt, möchte sie möglichst schnell loswerden. Doch genau hier liegt das Problem. „Pharaoameisen mit Spritzmitteln oder Baumarktködern zu bekämpfen, ist nicht möglich“, erklärt der Schädlingsbekämpfer. Der Grund ist, dass die sichtbaren Tiere nur ein kleiner Teil eines viel größeren Systems sind.
„Pharaoameisen sitzen im Mauerwerk, wo Sie nicht herankommen.“ Das eigentliche Nest liegt verborgen, oft tief im Gebäude. Spray erreicht lediglich die Arbeiterinnen, die auf Nahrungssuche unterwegs sind. Die Reaktion der Kolonie ist jedoch fatal für Betroffene: „Spritzen oder vergiften Sie die Arbeiter, werden mehr produziert.“ Statt den Befall zu reduzieren, wird er so weiter angekurbelt – im schlimmsten Fall spaltet sich die Kolonie sogar auf und breitet sich aus.
Die Ameisen besitzen laut dem Experten eine besondere Fähigkeit: Über den Austausch von Mundsekret, das innerhalb der Kolonie weitergegeben wird, erhält die Königin chemische Signale über den Zustand des Volkes. Nimmt die Zahl der Arbeiterinnen ab, verändert sich dieses Signal – woraufhin die Königin verstärkt neue Ameisen produziert.
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Viele Königinnen, viele Nester
Ein wesentlicher Grund für die Hartnäckigkeit der Pharaoameise ist ihre ungewöhnliche Organisation. „Pharaoameisen können schnell mal so 100 Königinnen haben, die alle woanders sitzen.“ Anders als bei vielen anderen Arten gibt es also nicht ein zentrales Nest, sondern zahlreiche Teilkolonien, die miteinander verbunden sind.
Diese Struktur macht die Bekämpfung besonders schwierig. Wird ein Bereich gestört, entstehen oft neue Kolonien an anderen Stellen im Gebäude. Genau deshalb scheitern einfache Maßnahmen wie Sprays oder ungeeignete Köder fast immer.
Auch Profis kommen an ihre Grenzen
Die Bekämpfung der Pharaoameise gilt als anspruchsvoll – selbst für Profis. „Schädlingsbekämpfer können diese bekämpfen, wenn sie davon Ahnung haben. Ich schätze, dass nur etwa 30 Prozent der Schädlingsbekämpfer das können – wenn nicht sogar weniger.“ Die Erfolgsquote hängt stark von Erfahrung und Spezialisierung ab.
Hinzu kommt die Verwechslungsgefahr mit anderen Arten. „Verwechslungen mit der argentinischen Ameise sind möglich, hier braucht man dann schon wirklich einen Fachmann.“ Für Laien ist die Unterscheidung schwierig, auch weil die Tiere extrem klein sind.