14. Juli 2026, 11:12 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wer schon einmal durch eine Filiale von Søstrene Grene geschlendert ist, weiß: „Mal kurz etwas holen“ funktioniert hier meistens nicht. Unternehmenschef Mikkel Grene beschreibt die Geschäfte als eine kleine Stadt mit Plätzen zum Verweilen und einer bewusst gestalteten Ladenatmosphäre. Nicht selten landet am Ende mehr im Einkaufswagen als ursprünglich geplant. Doch wie transparent ist Søstrene Grene? Wo werden die Produkte hergestellt und welche Informationen gibt das Unternehmen über seine Lieferkette preis?Folgen Sie jetzt myHOMEBOOK bei WhatsApp
Die Geschichte hinter Søstrene Grene
Mit inzwischen 106 Filialen ist Deutschland heute der wichtigste Markt für die dänische Handelskette. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1973 von Knud Cresten Vaupell Olsen und Inger Grene. Die Idee dahinter: Ein völlig neuer Ladentyp, gedacht als Ort für sinnliche Erlebnisse. Da der Vater aus der Welt des Balletts und Theaters kam und die Mutter als Innenarchitektin arbeitete, standen Inszenierung und Ästhetik von Anfang an im Mittelpunkt.
Søstrene Grene wagte den Schritt nach Deutschland erst mehr als 40 Jahre nach der Gründung. „Anfangs“, so Unternehmenschef Mikkel Grene, „waren wir mit dem Markteintritt in Deutschland etwas zurückhaltend, weil wir gesehen hatten, dass andere skandinavische Einzelhändler, die in anderen europäischen Ländern erfolgreich waren, auf dem deutschen Markt gescheitert sind.“ Von dieser Zurückhaltung ist heute jedoch nichts mehr zu spüren. Nach eigenen Angaben sieht Søstrene Grene in Deutschland langfristig Potenzial für rund 150 Filialen oder mehr.
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Das Ladenkonzept
Zum Sortiment gehören Bastelbedarf, Keramik, Schreibwaren, Küchenartikel, Wohnaccessoires und kleinere Möbel. Die Produkte sind entlang eines festen Rundgangs angeordnet, der Kunden durch die verschiedenen Themenwelten führt. Abkürzungen gibt es nicht: Wenn man nur einen bestimmten Artikel kaufen möchte oder erst am Ende merkt, dass man am Anfang etwas vergessen hat, muss man den Rundgang erneut gehen. Hinter jeder Ecke warten neue Produktwelten und regelmäßig wechselnde Artikel. Das Konzept soll dazu beitragen, dass Kunden möglichst das gesamte Sortiment wahrnehmen, aber auch dazu führen, dass die Leute noch andere Produkte kaufen, die sie nicht zwingend brauchen.
Die fiktiven Schwestern Anna und Clara führen auf den Schildern und Plakaten durch die verschiedenen Themenwelten. Sie sind fester Bestandteil des Markenauftritts von Søstrene Grene. Die Schwestern treten offiziell als „Gastgeberinnen“ auf.
Jeder Text in den sozialen Medien, im Onlineshop oder auf den Schildern im Laden ist so geschrieben, als würden Anna und Clara direkt zum Kunden sprechen, meist durch Sprechblasen inszeniert. Laut Handelsexperten verleihen die beiden den Produkten eine emotionale Ebene und sollen Kunden zum Stöbern anregen.
Nach Unternehmensangaben richtet sich das Angebot an Menschen jeden Alters. Eine wichtige Rolle spielen außerdem Kreativ- und DIY-Produkte. Wie viele Anbieter von Wohnaccessoires steht auch Søstrene Grene immer wieder in der Kritik, mit häufig wechselnden Sortimenten den Konsum kurzlebiger Produkte zu fördern.
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Wo werden die Produkte hergestellt?
Mittlerweile ist Søstrene Grene in zahlreichen europäischen Ländern vertreten. Mit dem internationalen Wachstum steigt auch der Bedarf an Waren. Umso interessanter ist, wo das Familienunternehmen die Produkte herstellen lässt und wie transparent das Unternehmen über seine Lieferkette informiert.
Wo genau Søstrene Grene seine Produkte herstellen lässt, bleibt jedoch offen. Auf die Frage nach den vergleichsweise günstigen Preisen verweist das Unternehmen auf seine Philosophie, Produkte „nicht teurer zu machen, als sie sein müssen“. Nach eigenen Angaben arbeitet es mit Zulieferern in verschiedenen Teilen der Welt zusammen.
Konkrete Produktionsländer oder Fabriken nennt das Unternehmen aber nicht. Im Verhaltenskodex für Lieferanten verlangt Søstrene Grene von seinen Zulieferern die Einhaltung sozialer und ökologischer Standards und ist Mitglied der amfori BSCI, einer internationalen Initiative zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Sozialstandards in globalen Lieferketten.
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Rückrufe und Konkurrenz
In den vergangenen Jahren musste Søstrene Grene zudem mehrfach Produkte zurückrufen. Betroffen waren unter anderem Wasserfarben wegen einer erhöhten Bleibelastung, Wärmekissen aufgrund von Brandgefahr, Brennöfen für die Mikrowelle wegen der Gefahr eines elektrischen Schlags, feste Handseifen aufgrund einer möglichen Gesundheitsgefahr sowie Lichterketten aus Sicherheitsgründen.
Ähnliche Konzepte finden sich auch bei Butlers, Flying Tiger Copenhagen und Dille & Kamille. Auch sie verkaufen Wohnaccessoires, Haushaltswaren und Dekorationsartikel und wechseln ihr Sortiment regelmäßig. Unterschiede zeigen sich vor allem im Ladenkonzept und der Gestaltung der Geschäfte.
Während viele Kunden das Sortiment und das Ladenkonzept schätzen, sorgt der internationale Warentransport im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit immer wieder für Diskussionen. Da Søstrene Grene seine Produktionsstandorte nicht offenlegt, bleibt die Herkunft vieler Produkte für Außenstehende nur eingeschränkt nachvollziehbar.