13. September 2026, 15:03 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Fast 30 Jahre lang war Innova eine bundesweit bekannte Berliner Institution, denn das Konzept des Elektrohändlers war von Beginn an einzigartig. Bei Innova waren Preisverhandlungen nicht verpönt, sondern ausdrücklich erwünscht. 2016 war damit Schluss.
Was Innova von anderen Elektrohändlern unterschied, war nicht das Sortiment, sondern die Haltung. Während das Feilschen bei anderen Händlern und in Kaufhäusern eher unschicklich war, gehörte es bei Innova zum Konzept. Das war im deutschen Fachhandel Ende der 1980er Jahre ungewöhnlich genug, um für Schlagzeilen zu sorgen.
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Vom Ladengeschäft zur bundesweit agierenden Handelsgruppe
Die Geschichte der Innova Handelshaus AG begann 1987 in der Riehlstraße am Kaiserdamm in Berlin, mit hundert Quadratmetern Verkaufsfläche und lediglich vier Angestellten. „Innova hat fast alles, außer teuer“, lautete eine der ersten Werbebotschaften – ein Konzept, das einschlagen sollte. In den folgenden Jahrzehnten dehnte sich das Filialnetz stetig aus, auf über zwanzig Standorte, darunter neun Fachmärkte mit bis zu sechstausend Quadratmetern Fläche. Weil das Konzept einen Nerv bei der Kundschaft traf, schlossen sich bundesweit 28 Betriebe als Partner an.
Bereits 1990 gründete Innova zudem einen Kundenclub. Wer dort Mitglied wurde, profitierte von Rabatten und verlängerten Garantien.
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Das Produktangebot wuchs stetig
Getragen vom Erfolg, wuchs auch das Sortiment deutlich an: Nach Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräten kamen Einbauküchen, Badausstattungen, Möbel, Schuhe und Geschenkartikel hinzu. Am Ende gehörten sogar vier eigene Reisebüros in Berlin zum Unternehmen. Auf dem Höhepunkt des Erfolgs arbeiteten über dreihundert Menschen für Innova und erwirtschafteten einen Jahresumsatz von 120 Millionen Euro. Aus dem kleinen Berliner Elektrohändler war eine Aktiengesellschaft geworden.
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Das Internet beschleunigte den Niedergang
Im April 2016 war die Erfolgsgeschichte von Innova zu Ende, denn nachdem ein Kreditversicherer die weitere Finanzierung verweigert hatte, blieb dem Unternehmen nur noch der Schritt in die Insolvenz. Die Bemühungen, aus eigener Kraft die Wende einzuleiten, scheiterten, und im Sommer 2016 blieb nur noch die Abwicklung, also der Ausverkauf.
Was genau zum Scheitern der Firma führte, wurde nie offiziell im Detail veröffentlicht. Einen Hinweis lieferte jedoch der Mann, der am Ende den Ausverkauf organisierte. Gegenüber der Zeitung „Tagesspiegel“ sagte Kurt Zass von der Verwertungsgesellschaft MHZ: „Fallende Margen, der Konkurrenzdruck in der Branche und der Handel im Internet haben der Firma schwer zu schaffen gemacht.“
Mit diesen drei Einflüssen hatten zu dieser Zeit viele Handelsunternehmen zu kämpfen, doch Innova dürfte vor allem das eigene Markenversprechen zum Verhängnis geworden sein. Denn „immer billiger als die Konkurrenz“ zu sein, ist schwierig, wenn die Kundschaft dank des Internets über völlige Preistransparenz verfügt. Und gegenüber dem Online-Handel konkurrenzfähig zu bleiben, ist fast unmöglich, wenn zugleich teure Ladenflächen in Berlin finanziert werden müssen.
Am Ende zog ein Kreditversicherer die Reißleine, denn Hersteller und Großhändler, die ihre Forderungen nicht mehr versichert sehen, stellen ihre Lieferungen unmittelbar ein. So bleibt nicht nur Berlinerinnen und Berlinern lediglich die Erinnerung an ein Unternehmen mit einem besonderen Konzept.