26. Februar 2026, 5:23 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Anzuchtgefäße kann man kaufen, muss man aber nicht. Aus Klopapierrollen, Obstschalen und anderem Müll, der im Haushalt anfällt, lassen sich ohne viel Aufwand einfache Anzuchtgefäße herstellen.
Für viele Gärtner beginnt die Gartensaison auf der Fensterbank – mit der Anzucht von Gemüse, Blumen und Kräutern. Manche nutzen dafür Multitopfplatten, andere Erdballenpressen oder Quelltabs. Wer ohne gekaufte Anzucht-Utensilien auskommen möchte, findet im Gelben Sack oder im Altpapier nützliche Helferchen.
1. Klopapierrollen
Kinder nutzen leere Klopapierrollen gerne zum Basteln, die Papprollen taugen aber auch als Anzuchtgefäße. Wegen ihrer Höhe sind sie besonders gut für die Anzucht tiefer wurzelnder Pflanzen wie Bohnen, Sonnenblumen oder Wicken geeignet.
Die unten offenen Rollen befüllt man mit Anzuchterde und stellt sie auf einen wasserundurchlässigen Untersetzer. Anschließend kann man säen. Wenn die Pflanzen bereit für den Umzug sind, setzt man sie samt Papprolle einfach in die Erde, weil die Pappe dort schnell zerfällt. Da die Röllchen keinen Boden haben, können die Wurzeln sofort ins umgebende Erdreich wachsen.
Der Nachteil dieser Anzuchtmethode liegt in der begrenzten Haltbarkeit der Rollen. Die dauerhafte Feuchtigkeit, die für die Keimung benötigt wird, macht die Pappe instabil und anfällig für Schimmel.
2. Tetra Paks
Tetra Paks, etwa leere Saft- oder Milchkartons, bleiben wegen ihrer wasserundurchlässigen Beschichtung formstabil und sind weniger schimmelanfällig. Sie lassen sich auf zwei Arten nutzen: quer und hochkant.
Quer hingelegt und von der oberen Seite befreit, lassen sich Tetra Paks als Aussaatschalen für die gemeinsame Aussaat vieler Samen nutzen. Hier kann man Kulturen hineinsäen, die man später pikieren muss, etwa Tomaten, Paprika, Chili, Auberginen, Salate, Kohlrabi oder Mangold.
Sobald die Jungpflanzen die ersten Laubblätter gebildet haben, ziehen sie in Einzelgefäße um. Für Tomaten, Paprika, Chili und Auberginen eignen sich hier weitere Tetra Paks – diesmal als hochkant aufgestellte Pflanztöpfe. Darin können die Jungpflanzen bis zum Auspflanzen weiterwachsen. Salate, Kohlrabi oder Mangold pflanzt man dagegen oft früher aus oder nur kurz in kleinere Töpfe.
Unbedingt beachten: Bevor man die Tetra Paks mit Erde befüllt, sollte man sie gründlich ausspülen. Zudem sollte man in den Boden großzügige Löcher schneiden, damit überschüssiges Gießwasser abfließen kann.
3. Plastikschalen
Für die erste Phase der Anzucht sind auch feste Schalen aus Plastik aus dem Supermarkt geeignet, etwa die stabilen Verpackungen von Obst, Pilzen oder Spinat. Besonders praktisch sind hier Schalen mit Deckel, weil darunter eine hohe Luftfeuchtigkeit entsteht und die Erdoberfläche nicht so schnell austrocknet. Ist kein Deckel vorhanden, kann die Schale mit Folie abgedeckt werden. Alternativ kann eine zweite, gleich große Schale als Abdeckung aufgelegt werden.
Damit keine Staunässe entsteht, brauchen die Schalen Löcher im Boden. Manche Plastikschalen haben schon geeignete Löcher. Sind keine Löcher vorhanden, müssen sie reingeschnitten werden. Sobald die Keimlinge nach den Keimblättern die ersten echten Laubblätter gebildet haben, vereinzelt man sie und pikiert sie in größere Töpfe.
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4. Eierkartons und Eierschalen
Auch Eierkartons lassen sich als einfache Anzuchtgefäße nutzen. Die Mulden füllt man mit Anzuchterde und stellt sie auf wasserundurchlässige Untersetzer. Dann wird angegossen und schließlich eingesät. Zum Auspflanzen kann man die Jungpflanzen samt ihrer Pappzelle in die Erde setzen, weil die Pappe schnell aufweicht. Wenn die Pflanzen vor dem Auspflanzen mehr Platz brauchen, lassen sich die einzelnen Zellen auch in größere Töpfe setzen. Damit die Wurzeln leichter in die umgebende Erde wachsen, kann man den Boden der Pappzellen vorsichtig aufreißen.
Wie bei Klopapierrollen liegt der Nachteil der Anzucht in Eierkartons in der Schimmelgefahr. Hinzu kommt, dass die Kartons keimbelastet sein können. Sauberes Arbeiten und Händewaschen sind daher sinnvoll.
Auch Eierschalen eignen sich als Mini-Töpfchen für die Anzucht. Dafür bohrt oder sticht man vor dem Befüllen mit Erde vorsichtig Abflusslöcher in den Schalenboden. Eierkartons sind ideale Halterungen für die Eierschalen-Töpfchen, brauchen aber einen wasserundurchlässigen Untersetzer. Wer sich Sorgen über eine mögliche Keimbelastung macht, nutzt Schalen von gekochten Eiern. Wer rohe Schalen verwenden möchte, sollte diese gut ausspülen.
5. Aussaatschnecken
Ist der Platz auf der Fensterbank knapp, sind Aussaatschnecken eine gute Option. In ihnen wachsen zahlreiche Keimlinge auf engem Raum. Für Kulturen, die sehr groß werden wie Kürbis, Gurken oder Zucchini, ist diese Methode nicht geeignet.
Aussaatschnecken lassen sich ganz einfach herstellen:
- Ein Streifen wasserfeste, etwa 15–20 Zentimeter breite Folie wird flach ausgelegt.
- Darauf wird eine etwa 1 bis 2 Zentimeter dicke Schicht feuchte Anzuchterde gleichmäßig verteilt.
- Der Streifen wird nun vorsichtig, aber stramm, ähnlich wie eine Biskuitrolle, zusammengerollt und mit einem Gummiband oder einer Schnur fixiert.
- Die so entstandene Schnecke wird aufrecht in ein wasserundurchlässiges, hohes Gefäß gestellt.
- Das Substrat wird vorsichtig etwas nach unten gedrückt und gegebenenfalls nachgefüllt.
- Dann werden die Samen entlang der aufgerollten Folie in die Erde gesät und behutsam angegossen.
Beim Pikieren zeigt die Aussaatschnecke eine weitere Stärke. Die Rolle wird abgewickelt, sodass die Jungpflanzen ordentlich nebeneinander liegen und sich nacheinander entnehmen lassen. Weil die Wurzeln in der Schnecke vor allem nach unten wachsen, ist das Trennen, solange das Substrat leicht feucht ist, meist problemlos möglich.
Der häufigste Fehler bei der Pflege der Aussaatschnecke ist zu viel Wasser. Weil die Erde in der Rolle langsamer abtrocknet als in Töpfchen, sollte zurückhaltender gegossen werden. Zusätzlich sorgt ein Standort mit guter Luftzirkulation dafür, dass Schimmel nicht so schnell entsteht.
Extra-Tipp
„Egal, in welchen Gefäßen Jungpflanzen vorgezogen werden: Das richtige Maß an Licht und Temperatur ist ausschlaggebend für kräftiges Wachstum. Oft liegen die Temperaturen zu hoch, während das Licht zu knapp ist. Zu erkennen ist dieses Missverhältnis daran, dass die Keimlinge sehr lange, dünne Stiele bekommen. Dann sollte schnell gegengesteuert werden.“