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Ernte retten

Häufige Krankheiten und Schädlinge bei Kirschbäumen

Methoden, um Kirschbäume vor Schädlingen zu schützen
Kirschen schmecken nicht nur Menschen, sondern auch Schädlingen. Vor allem die Larven zweier Fliegenarten haben es auf die Früchte abgesehen.Foto: Getty Images

Verschiedene Schädlinge und Krankheiten können die Kirschernte ruinieren – darunter die Larven von Kirschfruchtfliege und Kirschessigfliege. Aufgrund des Klimawandels sind die Schädlinge immer mehr auf dem Vormarsch. Mit einigen Methoden können Gartenbesitzer die Ernte retten. Was dafür zu tun ist und wie man die Obstbäume schützen kann.

Kirschen sind aromatisch und gesund – aber hungrige Würmer können den Genuss verderben und im Extremfall sogar die gesamte Ernte ruinieren. Dabei geht es vor allem um die gefräßigen Larven von zwei Fliegenarten, die sich immer weiter ausbreiten. Sowohl die Larven der Kirschessigfliege als auch die der verwandten Kirschfruchtfliege lassen sich das Obst schmecken. Doch Hobbygärtner können Schädlingen am Kirschbaum mit verschiedenen Maßnahmen vorbeugen. Zudem erfahren Sie in diesem Artikel, welche weiteren Krankheiten und Schädlinge die Kirschbäume im Garten befallen können.

Kirschessigfliege und Kirschfruchtfliege – was ist der Unterschied?

Larven sind gefräßige Schädlinge – und zwar sowohl von der Kirschessig- (Drosophila suzukii), als auch der Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi). Vor allem die Kirschessigfliege, gewöhnlich auch Frucht- oder Obstfliege genannt, ist in Deutschland auf dem Vormarsch und verbreitet sich seit 2011 rapide. Laut dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) kann eine weibliche Fliege in einer einzigen Saison mehr als 3000 Eier legen. Aber nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in vielen privaten Gärten ist die kleine Fliege mittlerweile ein ernstes Problem. Sie befällt nicht nur Kirschen, sondern auch Weintrauben, Erdbeeren, Himbeeren oder Holunder.

Damit könnte die Kirschessigfliege bald einem bereits etablierten und noch weiter verbreiteten Schädling den Rang ablaufen – der Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi). Zusammen mit der Amerikanischen Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cingulata), die vor einigen Jahren eingeschleppt wurde, gehören beide Arten zur Familie der Bohrfliegen. Sie legen ab Juni ihre Eier in den Kirschen ab, darin wachsen dann die Larven heran und fressen die Früchte von innen auf. Die Würmchen können bis zu sechs Millimeter lang werden.

Schädlingen am Kirschbaum bekämpfen

Es gibt einige Methoden, mit denen Gartenbesitzer den Befall von Schädlingen am Kirschbaum zumindest eindämmen können. Zudem empfehlen sich auch vorbeugende Maßnahmen, damit die Invasion im nächsten Jahr nicht erneut passiert.

1. Leimfallen gegen die Kirschfruchtfliege einsetzen

Um zu verhindern, dass Schädlinge wie die Kirschfruchtfliege über Obstbäume herfallen, rät der Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen den Gartenbesitzern, Anfang Juni Leimfallen an den Bäumen anzubringen. Diese Fallen, auch Gelbtafeln genannt, haben eine gelbe Färbung und locken damit die Fliegen an, die anschließend am Leim kleben bleiben. Befestigt man die Fallen an den bedrohten Bäumen, sollen sie einen Wirkungsradius von rund fünf Metern haben.

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2. Baumkronen mit Netzen abdecken

Die Experten vom Pflanzenschutzdienst NRW empfehlen alternativ, die Kronen des Kirschbaums mit einem Netz abzudecken. Allerdings sollte es ein besonders engmaschiges Netz sein, das den Fliegen den Zugang zu den Früchten versperrt. Die Maschen sollten dabei maximal 0,8 mal 0,8 Millimeter groß sein.

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Hinweis: Bei der Kirschessigfliege sei dies laut BZL sogar die einzige wirkungsvolle Methode. Bisher gebe es nicht ausreichend Fressfeinde, um den Schädling auf natürliche Art und Weise einzudämmen. Die Experten raten davon ab, vor der Ernte Insektizide einzusetzen.

3. Früchte auflesen und Boden abdecken

Hobbygärtner sollten zudem das befallene Obst, die sogenannten Fruchtmumien, rasch aufsammeln, wenn es auf dem Boden liegt. Denn hat sich die Larve in der Kirsche satt gefressen, fällt die Frucht zu Boden, die Larve verpuppt sich. Dadurch wächst in der folgenden Saison eine neue Generation heran. Auch das Abdecken des Bodens mit einer Folie kann sich lohnen. Dadurch können Hobbygärtner eine erneute Invasion der Fliegen verhindern.

Hinweis: Das befallene Obst auf keinen Fall auf dem Kompost entsorgen! Besser ist es, die Obstreste in einem Loch mindestens 20 Zentimeter tief im Boden zu vergraben.

4. Frühe Kirschsorten bevorzugen

Diese Methode gegen Schädlinge eignet sich nur, wenn man noch keinen Kirschbaum im Garten gepflanzt hat. Experten raten dann zu früh reifenden Sorten. Denn diese Bäume sind bereits reif, bevor sich die Kirschfruchtfliegen paaren und anschließend ihre Eier in die Kirschen legen. Der Bestand der Schädlinge wird damit automatisch eingedämmt.

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5. Nematoden gegen Schädlinge am Kirschbaum einsetzen

Auch der Einsatz von Nematoden (Fadenwürmer) kann eine Möglichkeit darstellen, Schädlinge am Kirschbaum einzudämmen. Im Fokus steht dabei die Nematodengattung „Steinernema“. Die winzigen Tierchen kann man online kaufen, sie werden über das Gießwasser um den Baum herum ausgebracht. Die Nematoden suchen sich gezielt die Larven als Beute aus, Pflanzen nehmen dadurch keinerlei Schaden. Allerdings sollte man mit dem Ausbringen der Fadenwürmer bis in die Abendstunden warten, da die Tierchen lichtscheu sind.

Schädlinge am Kirschbaum vorbeugen

Damit es erst gar nicht zu einer Plage von Kirschfruchtfliegen am Obstbaum kommt, können Gartenbesitzer auch vorbeugende Maßnahmen ergreifen. Das Informationsportal Ökolandbau der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung empfiehlt folgende Methoden, um den Befall im nächsten Jahr zu reduzieren:

  • Früchte zeitnah aufsammeln.
  • Bäume schnell und restlos abernten.
  • Bereich um den Baum mit Mulch abdecken, um Schlüpfen zu verzögern.
  • Fressfeinde wie Schlupfwespen, Spinnen, Schafe oder auch Hühner einsetzen.

Wie kann man überprüfen, ob Kirschen befallen sind?

Auch wenn sich viele vor Larven in den Kirschen ekeln – sie sind sowohl geschmacklos als auch unbedenklich für Menschen. Wenn man einen Befall feststellen möchte, kann man das vermutlich befallene Obst in eine Schüssel mit kaltem Wasser geben. Wenn die Würmchen nach einer halben Stunde zum Vorschein kommen, kann man das Obst mit einem Sieb abgießen. Ein Verzehr wäre danach problemlos möglich.

Weitere Schädlinge beim Kirschbaum

Kleiner und Großer Frostspanner

Große Fraßlöcher in den Blättern des Kirschbaums lassen auf den Kleinen sowie Großen Frostspanner schließen – ein Schädling, der es auf viele Obstbäume abgesehen hat. Was bei einem Befall zu tun ist, erfahren Sie im folgenden Artikel:

Schwarze Kirschenblattlaus

Im Frühjahr, sobald der Kirschbaum austreibt, kann man den schwarz glänzenden Schädling an den Blattunterseiten und Trieben entdecken. Die Kirschenblattlaus saugt an den Blättern, wodurch sich diese einrollen. Zurück bleiben deformierte Blätter mit einem klebrigen Belag, der Ameisen anlockt und zudem einen perfekten Nährboden für den Rußtaupilz bietet. Ein Befall lässt sich mit Mitteln auf Rapsöl- sowie Kaliseifen-Basis bekämpfen, die befallenen Triebe sollten außerdem kräftig zurückgeschnitten werden.

Schwarze Kirschblattwespe

Die Kirschblattwespe hat viel mit Schnecken gemein. Sie hinterlässt schleimige Spuren auf den Blättern und schabt diese zudem ab, sodass nur noch die Adern übrig bleiben – der sogenannte Fensterfraß. Hobbygärtner sollten befallene Triebe schnell entfernen, ein Rückschnitt verhindert eine weitere Ausbreitung. Um die Wespe zu bekämpfen, braucht es einen Tee aus Ackerschachtelhalm.

Kirschblütenmotte

Bei diesem Schädling leiden die Knospen des Kirschbaums, denn die Raupen der Kirschblütenmotte fressen sich in ebendiese und hinterlassen dadurch Fraßlöcher an den Blüten. Hobbygärtner gehen dagegen vor, indem sie während des Knospenaustriebs Produkte auf Neem-Basis verabreichen.

Obstbaumminiermotte

Schlangenförmige Fraßspuren auf den Blättern lassen auf die Obstbaumminiermotte schließen. Befallene Blätter sollte man umgehend entfernen, bei der Bekämpfung helfen außerdem Schlupfwespen.

Krankheiten beim Kirschbaum

Nicht nur Schädlinge können die Bäume befallen. Es gibt vier Krankheiten, die bei einem Kirschbaum besonders häufig auftreten:

Bakterienbrand

Der Bakterienbrand wird durch einen Erreger der Gattung Pseudomonas ausgelöst. Ist das Wetter im Herbst besonders feucht, infiziert sich der Baum durch seine Blattstielnarben. Eine Erkrankung macht sich dann durch kleine runde Flecken oder braune Verfärbungen auf den Blättern, unterentwickelten Knospen, Druckstellen auf den Früchten oder auch eine besonders rissige Rinde bemerkbar.

Um dagegen vorzugehen, sollten Hobbygärtner während des Blattfalls kupferhaltige Fungizide auf die Blattstielnarben auftragen und außerdem die befallenen Triebe rigoros zurückschneiden.

Schrotschusskrankheit

Beim Kirschbaum wird die Schrotschusskrankheit durch einen Pilz der Gattung Clasterosporium carpophilum ausgelöst. Sie macht sich durch rote Flecken und Löcher in den Blättern bemerkbar, die anschließend einfach abfallen.

Sprühfleckenkrankheit

Der Pilz Blumeriella jaapii befällt ab Juni vorzugsweise Kirschbäume. Besonders regnerische Sommer bieten die perfekten Voraussetzungen für die Krankheit, damit sie sich schnell im inneren sowie unteren Kronenbereich des Kirschbaums ausbreiten kann. Erkennungsmerkmal bei einem Befall sind Blätter mit rot umrandeten Flecken, die auf der Unterseite außerdem einen weißen Belag aufweisen. Um dem Pilzbefall vorzubeugen, sollten Hobbygärtner die Baumkrone regelmäßig auslichten. Bei einem Befall hilft nur, die Blätter zu entfernen und den Baum mit Nährstoffen sowie Wasser zu versorgen, um ihn zu stärken.

Monilia-Fruchtfäule und -Spitzendürre

Fruchtmumien sind ein deutliches Indiz für die Monilia-Pilzkrankheit. Doch nicht nur vertrocknete, faule Früchte machen die Erkrankung erkennbar, auch Blüten und Triebe des Baums vertrocknen. Dem kann man mit einem Tee aus Meerrettich vorbeugen, den man am besten unverdünnt auf die offenen Blüten des Kirschbaums aufträgt. Dafür 25 – 30 Gramm frische Blätter und Wurzeln etwa 24 Stunden ziehen lassen.

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