Zum Inhalt springen
logo Das Do-it-yourself-Portal für Haus und Garten
Gartenpflanzen Alle Themen
Gartenexpertin verrät

„Die drei größten Anfängerfehler, die ich im Garten gemacht habe“

Der Kindheitsgarten hatten viele Blumen und eine Hollywoodschaukel auf der die Oma manchmal schlief. (Symbolfoto)
Der Kindheitsgarten hatten viele Blumen und eine Hollywoodschaukel auf der die Oma manchmal schlief (Symbolfoto) Foto: Credir: Getty Images/ tc397
Artikel teilen
Franka Kruse-Gering
Redakteurin

1. Juli 2026, 15:37 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Wer mit dem Gärtnern beginnt, macht zwangsläufig Anfängerfehler. Manche sind praktischer Natur und lassen sich schnell beheben. Andere entstehen jedoch im Kopf – durch Erwartungen, Vorstellungen oder den Wunsch, alles möglichst richtig zu machen. Gerade diese Fehler begleiten einen oft länger und prägen den eigenen Weg im Garten besonders. myHOMEBOOK-Gartenexpertin Franka Kruse-Gering blickt auf ihre Anfänge zurück und erzählt von drei Erkenntnissen, die sie heute jedem Gartenanfänger mit auf den Weg geben würde.

Unser Familiengarten war schon immer ein Teil meines Lebens – doch erst als Erwachsene habe ich verstanden, wie viel Liebe, Zeit und Geduld nötig sind, damit er zu dem wird, was er ist. Ich habe gepflanzt, ausprobiert, Fehler gemacht und dabei unglaublich viel gelernt. Nicht nur über Pflanzen, sondern auch über mich selbst.

Folgen Sie jetzt myHOMEBOOK bei WhatsApp

Mein Garten war schon immer da – das Gärtnern musste ich erst lernen

Unser Garten begleitet mich schon mein ganzes Leben. Als Kind war er einfach da – ein Ort zum Spielen, Verstecken und Barfußlaufen. Ich habe Blumen gepflückt, Beeren genascht und mich daran erfreut, dass immer irgendwo etwas blühte. Damals habe ich nie darüber nachgedacht, warum unser Garten eigentlich so schön war. Er war es einfach.

Heute weiß ich, wie viel Arbeit, Wissen und vor allem Liebe dahintersteckten. Meine Oma, meine Mutter und auch mein Vater haben sich über viele Jahre mit großer Hingabe um den Garten gekümmert. Sie wussten genau, wann eine Staude geteilt werden musste, welche Pflanze einen Rückschnitt benötigte oder wann der richtige Zeitpunkt zum Düngen war. Fast immer stand ein frischer Blumenstrauß aus dem Garten in unserem Wohnzimmer. Ganz selbstverständlich blühte vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst hinein immer irgendetwas. Als Kind erschien mir das ganz normal.

Auch interessant: „Deshalb habe ich mich für einen Naturgarten entschieden“

Mit der Zeit fehlte meiner Familie aus Alters- und Gesundheitsgründen zunehmend die Kraft und die Zeit, den Garten so zu pflegen wie früher. Und ich war damals noch nicht an dem Punkt, selbst Verantwortung zu übernehmen. So verwilderten nach und nach einige Beete, manche Pflanzen verschwanden und vieles wirkte längst nicht mehr so lebendig wie früher. Ehrlich gesagt tat es mir oft weh, den Garten so zu sehen – aber ich wusste auch nicht, wo ich anfangen sollte. Außerdem war neben Schule, Sportverein, Freunden, Haustieren, der ersten Liebe und dem Erwachsenwerden einfach keine Zeit.

Erst Jahre später entdeckte ich selbst die Liebe zum Gärtnern. Und mit ihr kam der Wunsch, den Garten wieder zu dem Ort zu machen, den ich aus meiner Kindheit kannte. Ich wollte wieder üppige Beete, blühende Ecken und Blumensträuße vom eigenen Grundstück. Am liebsten hätte ich all das sofort zurückgehabt.

Ich habe damals aber eine Sache völlig unterschätzt. Der Garten meiner Kindheit war nicht in einer Saison entstanden. Er war das Ergebnis jahrzehntelanger Pflege, Erfahrung und unzähliger kleiner Handgriffe. Trotzdem erwartete ich – wahrscheinlich ganz unbewusst –, dass ich ihn innerhalb kurzer Zeit wieder dorthin zurückbringen könnte. Genau daraus sind meine größten Anfängerfehler entstanden.

1. Ich wollte, dass alles sofort wieder so aussieht wie früher

Als ich anfing, den Garten wieder herzurichten, hatte ich dieses eine Bild im Kopf. Ich wollte den Garten aus meiner Kindheit. Üppige Dahlien, Rosen in voller Blüte und vor allem duftend, ein gepflegter Rasen und überall kleine Details, die den Garten lebendig machten. Dieses Bild war mein Antrieb – aber gleichzeitig setzte es mich unglaublich unter Druck.

Kaum hatte ich neue Stauden gepflanzt oder Samen ausgesät, wartete ich auf sichtbare Erfolge. Fast täglich lief ich durch den Garten und suchte nach jedem neuen Blatt und jedem kleinen Trieb. Blieb die Veränderung aus, begann ich an mir zu zweifeln. Hatte ich etwas falsch gemacht? Hätten die Pflanzen mehr Wasser gebraucht? Oder einfach mehr Aufmerksamkeit? Heute weiß ich, dass ich vor allem eines hätte tun sollen: abwarten.

Denn das Wichtigste passiert zunächst unter der Erde. Wurzeln wachsen, Pflanzen gewöhnen sich an ihren Standort und sammeln Kraft. Von außen sieht man davon fast nichts. Der Garten hat seinen eigenen Rhythmus und der lässt sich nicht beschleunigen.

Heute fällt es mir deutlich leichter, geduldig zu sein. Trotzdem ertappe ich mich immer mal wieder dabei, nachzusehen, ob eine Pflanze endlich gewachsen ist. Dann muss ich mich selbst daran erinnern, dass die wichtigsten Entwicklungen oft im Verborgenen stattfinden und sich nicht beschleunigen lassen.

Das könnte Ihnen auch gefallen: „Darum kommt mir kein Zwiebelbeet in den Garten“

Mehr zum Thema

2. Ich wollte alles perfekt machen

Mit meiner Begeisterung fürs Gärtnern kam auch der Wunsch, alles richtig zu machen. Ich habe Bücher gelesen und mir Videos angesehen. Kein Gartenblog war vor mir sicher. Ich wollte keinen Fehler machen. Die Beete sollten ordentlich aussehen, jede Pflanze gesund sein und möglichst zu jeder Jahreszeit sollte irgendwo etwas blühen.

Wenn eine Pflanze einging oder sich nicht so entwickelte, wie ich es erwartet hatte, nahm ich das persönlich. Ich habe mich ständig gefragt, was ich falsch gemacht hatte. Dabei hatte ich unbewusst einen Maßstab gewählt, der kaum erreichbar war: den über Jahrzehnte eingewachsenen Garten meiner Kindheit. Heute sehe ich das völlig anders.

Ein Garten ist nicht perfekt. Er war es übrigens auch früher nicht – nur habe ich das als Kind nie wahrgenommen. Damals habe ich nicht gesehen, welche Pflanzen ersetzt werden mussten oder wie viel Arbeit hinter einem blühenden Beet steckte. Ich habe nur das Ergebnis gesehen.

Heute freue ich mich sogar über kleine Unvollkommenheiten. Über eine Rose, die etwas schief wächst. Über eine Staude, die sich ihren eigenen Platz sucht. Ich habe irgendwann verstanden, dass der Garten nicht nach meinem Plan wächst. Und ehrlich gesagt ist das auch gut so.

Gerade das macht einen Garten lebendig. Er ist kein Ausstellungsstück, sondern ein Ort, an dem die Natur mitgestaltet. Seit ich den Anspruch losgelassen habe, alles perfekt machen zu müssen, macht mir das Gärtnern viel mehr Freude.

3. Ich wollte zu viel auf einmal

Als ich meine Leidenschaft fürs Gärtnern entdeckt hatte, konnte ich kaum genug bekommen. Am liebsten wollte ich alles gleichzeitig umsetzen. Ein neues Staudenbeet hier, ein Gemüsegarten dort, dazu Dahlien, Hortensien, Kräuter und natürlich ganz viele Blumen für die Vase. Jeder Besuch im Gartencenter endete mit neuen Ideen – und meistens auch mit einem vollen Einkaufswagen und einem leeren Portemonnaie.

Was ich damals völlig unterschätzt habe: Jede Pflanze braucht Aufmerksamkeit. Sie möchte gegossen, beobachtet, zurückgeschnitten oder irgendwann umgesetzt werden. Plötzlich hatte ich so viele Baustellen gleichzeitig, dass ich kaum noch wusste, wo ich anfangen sollte. Aus der anfänglichen Begeisterung wurde manchmal sogar Überforderung. Ich hatte Wut, Trauer und den Gedanken alles abzureißen und nur eine Wiese anzulegen, die kaum Arbeit macht.

Heute nehme mir lieber ein Beet nach dem anderen vor und lasse den Garten Stück für Stück wachsen. So kann ich beobachten, was gut funktioniert, welche Pflanzen sich wohlfühlen und wo ich vielleicht noch etwas verändern möchte.

Heute setze ich mich damit nicht mehr unter Druck. Ich weiß inzwischen, dass ein Garten nie fertig ist. Es gibt jedes Jahr neue Ideen, neue Projekte und auch neue Herausforderungen. Statt alles auf einmal schaffen zu wollen, freue ich mich darüber, wenn sich der Garten Stück für Stück entwickelt.

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.