27. Februar 2026, 16:33 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Viele Hobbygärtner sehnen die ersten Sonnenstrahlen im Frühling herbei, um endlich wieder ihren Garten aufzuhübschen. Doch bei dem ganzen Enthusiasmus und der Aufgeregtheit ist man schnell überfordert: Wo fange ich eigentlich an? Statt planlos loszulegen, lohnt es sich, strukturiert vorzugehen, denn die ersten Handgriffe entscheiden oft darüber, wie entspannt die restliche Saison verläuft. Was jetzt im Garten wirklich Priorität hat, sobald die Temperaturen steigen und die Natur aus der Winterpause erwacht, erklärt myHOMEBOOK-Gartenexpertin Franka Kruse-Gering.
Wenn nach grauen Winterwochen endlich wieder die Sonne scheint, zieht es mich sofort nach draußen. Der Garten wirkt oft noch ein wenig verschlafen, aber genau das ist der Moment, in dem man loslegen sollte. Jetzt wird die Basis für die ganze Saison gelegt. Aus Erfahrung weiß ich: Wer strukturiert startet, hat später deutlich weniger Arbeit und mehr Freude. Bis ich das wirklich verinnerlicht hatte, hat es allerdings ein paar Anläufe gebraucht. Früher habe ich manches einfach laufen lassen – und mich später geärgert. In diesem Jahr steht für mich sogar ein „Punkt 0“ ganz oben auf der Liste. Denn bevor die Schonzeit beginnt, möchte ich eine Aufgabe unbedingt erledigen.
0. Hecke schneiden – jetzt ist meine Zeit gekommen
Wenn es so lange kalt war wie in diesem Jahr, bleibt für den Heckenschnitt oft nur ein schmales Zeitfenster. Radikale Rückschnitte sind aus Gründen des Vogel- und Artenschutzes nur bis Ende Februar erlaubt. Ab Beginn der Schonzeit sind lediglich schonende Form- und Pflegeschnitte zulässig.
Deshalb hat der Heckenschnitt für mich jetzt oberste Priorität – noch vor allen anderen Frühjahrsarbeiten. Ich kontrolliere die Hecke sorgfältig auf Nester oder tierische Bewohner und kürze sie dann kräftig ein, falls ein stärkerer Rückschnitt nötig ist.
Das hat im Spätwinter mehrere Vorteile. Zum einen regt ein starker Rückschnitt den Neuaustrieb an, die Pflanze ist auch noch in der Ruhephase und man stört somit keinen laufenden Organismus. Bei nicht-immergrünen Hecken hat es sogar noch den Vorteil, dass man ohne Laub eine bessere Übersicht beim Schneiden hat.
Dass ein größerer Rückschnitt für mich im Spätwinter sinnvoller ist, musste ich schmerzlich lernen, als einen ganzen Winter lang meine Hecke sehr nackig aussah, weil nach meinem Schnitt im Herbst nicht sofort etwas nachgewachsen ist.
1. Aufräumen und Geräte checken
Im Winter hat nicht nur der Garten eine Pause gehabt, sondern auch ich. Im Herbst habe ich alles winterfest gemacht und mich dann nicht weiter gekümmert. Als Erstes muss ich mir also einen Überblick verschaffen und ein bisschen im Garten aufräumen. Das hätte man auch schon an milden Tagen im Januar machen können, aber ich hatte einfach keine Lust – muss auch mal sein. Lose Äste, heruntergewehte Zweige oder liegengebliebene Pflanzenreste entferne ich jetzt. Auch Wege, Beetränder und Einfassungen bringe ich in Form. Das schafft nicht nur Übersicht, sondern beugt auch Pilzkrankheiten und Schädlingsverstecken vor.
Genauso wichtig ist der Blick auf meine Geräte: Sind Scheren scharf? Funktioniert der Rasenmäher? Ich reinige, öle und schärfe meine Werkzeuge. Das spart Nerven, wenn im April plötzlich alles gleichzeitig erledigt werden will.
Bei einigen Pflanzen entferne ich den Frostschutz, lege ihn aber noch nicht ganz weit weg, da das Wetter ja auch noch einmal umschwingen kann. Was ich noch nicht überprüfe, ist mein Wasser im Garten. Denn es kann immer mal noch zu Bodenfrost kommen, und da möchte ich auf der sicheren Seite sein.
2. Beete auflockern
Da ich ein ungeduldiger Mensch bin und jetzt zu Beginn des Gartenjahres noch viel Tatendrang und Elan habe, setze ich mich zeitig an meine Beete. Sie müssen aufgelockert werden. Zusätzlich wird noch etwas Kompost eingearbeitet, damit meine Pflanzen, sobald sie in den Garten kommen, eine gute Grundlage haben. Ich bin kein großer Fan des Umgrabens, aber ein bisschen Lockerung muss schon sein. Durch den Winter mit seinem Schnee ist die Erde ganz schön verdichtet. Und verdichtete Erde behindert das Wurzelwachstum. Genau das möchte ich vermeiden. Manchmal finde ich sogar noch alte Möhren oder ein paar Kartoffeln, die ich bei der letzten Ernte vergessen habe.
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3. Gewächshaus auf Vordermann bringen
Geschützte Bereiche kann man deutlich früher nutzen als das Freiland. Deshalb kontrolliere ich nach dem Winter zuerst das Gewächshaus oder Hochbeet. Scheiben werden gereinigt, damit möglichst viel Licht hineinkommt. Alte Pflanzenreste und Wurzeln entferne ich gründlich, um Krankheiten vorzubeugen.
Im Hochbeet sackt die Erde über den Winter oft zusammen – hier fülle ich frisches Substrat oder Kompost auf. Im Gewächshaus lockere ich den Boden und arbeite ebenfalls Kompost ein. Robuste Kulturen wie Spinat, Radieschen oder Salat können hier oft schon früh ausgesät werden, je nach Witterung ab März. Tomaten hingegen pflanze ich in unbeheizten Gewächshäusern meist erst ab Mitte bis Ende April aus – vorausgesetzt, die Nachttemperaturen fallen nicht mehr deutlich unter fünf Grad.
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4. Den Rasen langsam in Schwung bringen
Beim Rasen ist Geduld gefragt. Ich starte erst dann, wenn er sichtbar wächst – also nicht nach dem Kalender, sondern nach der Entwicklung der Gräser. Der erste Schnitt erfolgt nicht zu kurz, damit die Halme stabil bleiben und ausreichend Blattmasse für die Photosynthese behalten. Dr. Harald Nonn von der Deutschen Rasengesellschaft bestätigte in einem früheren Interview mit myHOMEBOOK mein Vorgehen: „Ab März kann man beginnen, regelmäßig zu mähen.“ Wichtig sei dabei die richtige Schnitthöhe. Diese sollte in der Regel bei rund dreieinhalb Zentimetern liegen. Zu kurzes Mähen schwächt den Rasen unnötig – besonders, wenn noch einmal kühlere Nächte folgen.
Auch beim Düngen ist das Timing entscheidend. „Spätestens im März ist der Zeitpunkt gekommen, an dem gedüngt werden sollte“, sagt der Rasen-Experte. „Wer jetzt noch nicht gedüngt hat, sollte ernsthaft darüber nachdenken, dass er das jetzt natürlich einsetzende Wachstum unterstützt, und zwar mit einer entsprechenden Nährstoffgabe.“ Nonn hat dabei einen stickstoffbetonten Dünger empfohlen, der das Wachstum gezielt ankurbelt. Und daran halte ich mich auch in diesem Jahr.
Mit intensiveren Maßnahmen wie dem Vertikutieren warte ich hingegen, bis keine stärkeren Fröste mehr zu erwarten sind und der Rasen stabil im Wachstum ist. Ein zu früher Eingriff kann die Grasnarbe schwächen. Außerdem ist Vertikutieren nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung, die schiebe ich gern etwas auf oder lasse sie ganz weg.
5. Rosen schneiden und düngen – mit Blick auf die Witterung
Rosen gehören zu den Pflanzen, bei denen das richtige Timing entscheidend ist. Ich orientiere mich gern an der Forsythienblüte – sie zeigt mir, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Ich entferne dabei erfrorene und schwache Triebe, kürze kräftige Triebe zurück und sorge für eine luftige Struktur. Gedüngt wird erst nach dem Schnitt. Wichtig ist, nicht direkt vor angekündigten Frostnächten radikal zu schneiden. Frisch geschnittene Triebe sind empfindlicher.
In diesem Jahr blüht bei mir die Forsythie noch nicht. Diplommeteorologe Jörg Riemann von der Wettermanufaktur erklärte mir, dass es jetzt zwar vorübergehend schön und auch warm sein wird, es allerdings auch noch zu Frostnächten kommen kann. „Nachtfrost ist erstmal selten, aber ab dem Wochenende um den 8. März kommt wieder nachts Frost dazu.“ Die Rosen sind demzufolge in diesem Jahr erst einmal auf einem der hinteren Plätze meiner Liste.
Mein grober Strickplan
„Dieser Plan ist nicht in Stein gemeißelt, es sind die Aufgaben, die auf meiner Liste stehen. Es ist kein Nachmittag, an dem das alles erledigt wird, es sind teils Wochen, die ich dafür brauche. Manchmal mache ich mehr und manchmal weniger. Für mich soll sich der Garten nicht nach Arbeit anfühlen, sondern Spaß machen, und wenn eine Aufgabe aufgrund der Wetterverhältnisse nicht passt, dann rutscht sie eben weiter nach hinten. Auch Aufgaben, die bei mir eigentlich keine Priorität haben, können unter Umständen ein Stück nach oben rutschen.“