9. September 2026, 16:18 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wer in diesem Jahr Äpfel ernten möchte, erlebt womöglich eine Enttäuschung: Viele Früchte bleiben ungewöhnlich klein. Andere fallen schon Wochen vor der eigentlichen Ernte vom Baum oder zeigen braune Stellen und erste Faulstellen. Der Eindruck drängt sich auf, dass mit den Apfelbäumen in diesem Jahr etwas nicht stimmt. myHOMEBOOK hat beim Bundeszentrum für Landwirtschaft (BZL), einem Informationsangebot der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), nachgefragt, was dahintersteckt.
Hitze und Trockenheit bremsen das Wachstum
Ob im Hausgarten oder im Erwerbsobstbau, in diesem Jahr fallen viele Äpfel kleiner aus als sonst. Das Bundeszentrum für Landwirtschaft (BZL) sieht dafür vor allem einen Grund. „Hitze und Trockenheit haben in diesem Jahr in vielen deutschen Apfelanbaugebieten zu kleineren Früchten geführt“, erklärt Barbara Moitz, Sprecherin der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), für das Bundeszentrum für Landwirtschaft (BZL) auf Anfrage von myHOMEBOOK.
Hintergrund ist die geringe Wasserverfügbarkeit während wichtiger Wachstumsphasen der Früchte. „Für das Fruchtwachstum ist eine ausreichende und gleichmäßige Wasserversorgung wichtig, insbesondere in der Phase des Zellwachstums. Bleibt die Wasserversorgung aus, kommt es zu Einschränkungen im Wachstum und in der Fruchtversorgung.“
Wie stark die Auswirkungen ausfallen, hängt jedoch vom jeweiligen Standort ab. Während einige Obstbauern ihre Anlagen bewässern konnten, waren andere vollständig auf Niederschläge angewiesen. Besonders aus der Bodenseeregion, Hessen sowie Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz berichten Obstbauern von kleineren Früchten infolge der anhaltenden Hitze- und Trockenperioden. Dort, wo eine Bewässerung möglich war, blieben die Größenunterschiede laut Moitz dagegen oft gering.
Auch in privaten Gärten zeigen sich deshalb große Unterschiede. „Auch im Hausgarten können Äpfel in diesem Jahr kleiner bleiben. Ursache ist vor allem der durch Hitze und Trockenheit verursachte Wasserstress. Besonders betroffen seien unbewässerte Bäume“, ergänzt Moitz.
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Nicht nur Hitze und Trockenheit führen zu kleineren Äpfeln
Der trockene Sommer erklärt die Probleme vieler Apfelbäume nur zum Teil, sagt Moitz. „Nicht nur Hitze- und Trockenphasen führen zu den oben beschriebenen Problemen, auch höhere Durchschnittstemperaturen, zunehmende Sonneneinstrahlung, Hagel, Starkniederschläge oder Unwetter haben Einfluss auf die Ertragsmengen und Fruchtqualitäten sowie auf die Entwicklungs- und Wachstumsphasen.“ Dadurch können Äpfel kleiner bleiben, Schäden an der Schale aufweisen oder die Bäume insgesamt weniger Ertrag liefern.
Warum Äpfel schon vor der Ernte vom Baum fallen
Nicht nur die Fruchtgröße bereitet vielen Gartenbesitzern Sorgen. Auch vorzeitig herunterfallende Äpfel scheinen in diesem Jahr häufiger vorzukommen. Dahinter steckt oft dieselbe Ursache, die auch das Fruchtwachstum beeinträchtigt. „Wenn Äpfel vorzeitig vom Baum fallen, ist das oftmals eine Folge von Trockenstress. Der Baum schützt seinen Fortbestand, indem er Nährstoffe und Energie einspart“, erklärt Moitz. Indem er einen Teil seiner Früchte abwirft, reduziert der Baum seinen Energiebedarf und erhöht seine Überlebenschancen.
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Braune Flecken und Fäulnis können verschiedene Ursachen haben
Nicht jeder beschädigte Apfel ist automatisch Opfer der Trockenheit geworden. Wetterextreme, Krankheiten und Schädlinge können die Früchte ebenfalls beeinträchtigen. „Braune Stellen deuten auf Verbrennungen (Sonnenbrand) hin. Deformierungen, offene Stellen oder Fäule können durch Starkwetterereignisse wie Hagel entstehen“, erläutert Moitz. Darüber hinaus können auch Schädlinge und Pilzkrankheiten Schäden verursachen. „Außerdem können Schädlinge wie Apfelwickler, Marmorierte Baumwanze oder Schadpilze wie Apfelschorf zu vorzeitigem Fruchtfall, Dellen, braunen Flecken, Rissen oder Deformierung führen.“
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Die diesjährige Saison hat viele Obstbauern vor Herausforderungen gestellt. Dennoch rechnen Fachleute nicht zwangsläufig mit einer schlechten Apfelernte. „In diesem Jahr haben die langanhaltenden Trocken- und Hitzeperioden sowie Starkwetterereignisse einzelne Regionen mit ihren Obstbaubetrieben stark beansprucht“, erklärt Moitz. Gleichzeitig beobachte man aber „zuversichtliche Betriebe, insbesondere was die Qualitäten der Äpfel und damit Geschmack, Zuckergehalte und Aussehen, angeht“. Auch wenn die Früchte in vielen Regionen kleiner ausfallen, könnte die Ernte also geschmacklich durchaus überzeugen.