17. August 2026, 13:03 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Zwei benachbarte Gärten können sich an Hitzetagen völlig unterschiedlich anfühlen. Der eine angenehm kühl, der andere kaum auszuhalten. Wie es Ihnen gelingt, in Ihrem Garten ein günstiges Mikroklima zu schaffen, das an Hitzetagen für Abkühlung sorgt, verraten wir Ihnen bei myHOMEBOOK.
Die Sonne ist lange untergegangen, doch die Terrassenplatten sind noch immer warm. Nicht mehr so heiß wie zur Mittagszeit, als man die Terrasse barfuß gar nicht betreten konnte, aber dennoch ziemlich warm. Die Steine haben die Hitze des Tages gespeichert und geben sie langsam wieder ab. Nur ein paar Schritte weiter, unter einem Apfelbaum, ist es spürbar kühler. Der eine Ort hält die Hitze fest, der andere heizt sich erst gar nicht in diesem Ausmaß auf. Diese Unterschiede in den verschiedenen Bereichen haben einen Namen: Mikroklima. Und diese kleinen Klimazonen in Bodennähe lassen sich beeinflussen.
Wie Mikroklima im Garten entsteht
Bäume und Sträucher spenden Schatten, Pflanzen und feuchter Boden kühlen die Umgebung durch Verdunstung. Steinflächen und andere versiegelte Böden hingegen speichern Wärme und geben sie nur langsam wieder ab. Wie warm oder kühl sich ein Ort anfühlt, hängt aber nicht nur von der tatsächlichen Temperatur der Luft ab. Entscheidend ist auch, wie viel Sonnenstrahlung auf den Körper trifft. Deshalb kann ein schattiger Platz deutlich angenehmer sein, obwohl die Lufttemperatur kaum niedriger ist.
Was den Garten kühlt und was ihn aufheizt
Besonders wirkungsvoll sind Bäume mit dichter, großer Krone wie Eiche, Hainbuche oder Feldahorn. Sie spenden Schatten und geben über ihre Blätter Wasser an die Umgebung ab, das bei der Verdunstung Wärme bindet. Gleichzeitig kommen diese Arten vergleichsweise gut mit längeren Trockenperioden zurecht. Wie viel Wasser sie verdunsten und wie stark sich das auf die Lufttemperatur auswirkt, unterscheidet sich von Art zu Art.
Auch kleinere Pflanzen beeinflussen das Mikroklima. Hecken wirken wie natürliche Windbremsen und verringern dadurch die schnelle Austrocknung des Bodens in ihrer Umgebung. Wird eine Hecke aber zu dicht, kann sie den Wind komplett blocken, statt ihn nur zu bremsen. Dann staut sich die Wärme dahinter. Bleibt der Boden feucht, können Pflanzen weiterhin Wasser verdunsten und so zur Kühlung beitragen. Auch Rasen und Bodendecker übernehmen diese Aufgabe, solange ihnen ausreichend Wasser zur Verfügung steht.
Wie stark der Unterschied ausfallen kann, zeigte kürzlich eine Messung im Münchner Prinz-Eugen-Park, über die der Bayerische Rundfunk berichtete: Auf dem gepflasterten Platz zeigte das Thermometer im Schatten junger, gerade erst gepflanzter Bäume 25 Grad, wenige Schritte weiter in der Sonne 34 Grad, obwohl die Bäume noch gar keine ausladende Krone haben.
Pflanzen arbeiten also gegen die Hitze, Steinflächen arbeiten ihr zu. Kies- und Schotterareale können sich an Sommertagen auf 50 bis 60 Grad aufheizen, teilweise sogar auf 70 Grad. Was sich tagsüber an Wärme in ihnen sammelt, strahlen sie noch weit in den Abend hinein wieder aus. Dunkle Materialien verstärken diesen Effekt, weil sie weniger Sonnenstrahlung reflektieren. Anders als Pflanzen bieten solche Flächen keine Kühlung, sondern verlängern die Hitze im Garten.
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Wie Wasser das Mikroklima im Garten verbessert
Wasser kühlt den Garten nicht, weil es kalt ist, sondern weil es verschwindet. Jeder Tropfen, der aus einem Teich verdunstet, nimmt aus der Umgebungsluft Wärme mit. Wer keinen Platz für einen eigenen Gartenteich hat, kann mit einem kleinen Wasserspiel oder Brunnen zumindest einen Mini-Effekt erzielen. Selbst wenn die Kühlkraft gering bleibt: Für Vögel und Insekten zählt jede Wasserstelle.
Kurzfristige Maßnahmen, langfristige Maßnahmen
Eine Mulchschicht auf den Beeten hält die Feuchtigkeit länger im Boden, sodass Pflanzen länger Wasser verdunsten und dadurch kühlen können. Sinnvoll ist es auch, unnötige Schotter- oder Pflasterflächen zurückzubauen und zu bepflanzen. Müssen Wege erhalten bleiben, lässt sich zumindest ihre Oberflächentemperatur senken: Werden die Fugen verbreitert und mit trittfesten Pflanzen wie Thymian oder Sternmoos begrünt, kann die Fläche mehr Wasser speichern und sich weniger stark aufheizen.
Auch Kletterpflanzen an Hauswänden, Garagen oder Sichtschutzzäunen schaffen Abhilfe: Sobald sie die Flächen bedecken, verhindern sie, dass sich das Mauerwerk stark aufheizt und die Wärme nachts wie ein Heizkörper abstrahlt.
Auch wenn Bäume ihre volle Wirkung oft erst nach Jahrzehnten entfalten: Schon neu gepflanzte Bäume spenden Schatten, und zwar jedes Jahr ein bisschen mehr. Eine Hecke ist schneller am Ziel und kann schon nach wenigen Jahren ihr volles Potenzial ausspielen. Weil Hitzeperioden durch die Klimakrise weiter zunehmen, kühlt ein heute gepflanzter Baum die Sommer, die es später noch nötiger haben werden.
Wie viele Grad sich der eigene Garten insgesamt herunterkühlen lässt, kann niemand seriös beziffern, dafür hat ein Garten zu viele unterschiedliche Bereiche. Wer mehrere kühlende Maßnahmen kombiniert, verschiebt das Verhältnis aber zugunsten der angenehmen Zonen. Und genau das entscheidet darüber, ob Sie in den kommenden Sommern auf Ihrer Terrasse grillen oder gegrillt werden.
Meine Josta im Schutz der Weiden
„Im vergangenen Jahr ist mir an einem einzigen viel zu heißen, sehr sonnigen Tag mehr als die Hälfte meiner Jostabeeren verbrannt. Trotz der Hitzewellen in den letzten Wochen war der Schaden dieses Jahr deutlich geringer. Und das lag an meiner Nachlässigkeit: Ich bin nicht dazu gekommen, meinen alten, lebenden Weidenzaun wie gewohnt im Februar zurückzuschneiden. Er wuchs wie wild und spendete meinen Jostabeeren genau den Schatten, der meine Ernte in diesem Jahr gerettet hat, zumindest den größten Teil davon.“