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Grünes Statussymbol

Warum Rasen ein Muss für viele Gartenbesitzer ist

Auf einen Rasen wollen die meisten Gartenbesitzer nicht verzichten
Auf einen Rasen wollen die meisten Gartenbesitzer nicht verzichten Foto: Getty Images
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Lena Hackauf
myHOMEBOOK-Redaktion

6. Oktober 2025, 5:45 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

In Deutschland findet man kaum einen Garten ohne Rasen. Ob sattgrün und akkurat getrimmt oder doch etwas wilder gewachsen – Gras scheint der gemeinsame Nenner aller Gartenträume zu sein. Aber warum ist das eigentlich so? Tatsächlich ist die Geschichte des Rasens im Garten tiefgründiger, als man denkt.

Rasen ist weit mehr als nur eine grüne Fläche im Park. Für viele Gartenbesitzer ist die Rasenfläche ihr ganzer Stolz. Und nicht ohne Grund: Ein sattgrüner, gepflegter Rasen verleiht jedem Garten eine besondere Ausstrahlung. Damit er in voller Pracht glänzen kann, sind jedoch Zeit, Hingabe und nicht selten auch finanzielle Investitionen nötig. Doch weshalb messen wir einer makellosen Rasenfläche so große Bedeutung bei?

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Antike: Garten ja – Rasen nein

Schon in der Antike haben Menschen Gärten angelegt, um sich zu erholen oder Pflanzen anzubauen. Weitläufige Rasenflächen suchte man im alten Griechenland jedoch vergeblich. Erst im Mittelalter entstand die Idee, Flächen gezielt mit Gras zu bepflanzen und so den Grundstein für den Rasen zu legen, wie wir ihn heute kennen.

Klostergärten dienten der Selbstversorgung
Klostergärten dienten der Selbstversorgung Foto: Getty Images

Land war im Mittelalter ein wertvolles Gut und wurde vor allem für den Anbau von Lebensmitteln oder als Weidefläche für Nutztiere verwendet. In den Gärten von Bauern und Klöstern standen daher Hochbeete im Mittelpunkt, in denen Gemüse und Kräuter wuchsen, als Nahrung ebenso wie als Heilmittel. Zwischen den Beeten führten Wege hindurch, die – sofern man es sich leisten konnte – mit Kies ausgelegt oder mit Trittsteinen aus Holz oder Stein befestigt wurden. So blieben Schuhe und Rocksaum vor Schmutz geschützt.

Im Mittelalter war Rasen ein Statussymbol

Erst im 15. Jahrhundert, also im Spätmittelalter, begannen englische und französische Adlige damit, Rasenflächen vor ihren Schlössern anzulegen. Dabei ging es weniger um die reine Zierde, sondern vielmehr um ein Statussymbol: Die weiten, offenen Flächen standen für den Wohlstand der Familie. Und das gleich in zweifacher Hinsicht: Zum einen war die Pflege äußerst aufwendig, wie auch heutige Hobbygärtner nur zu gut wissen. Während sie jedoch auf Rasenmäher, automatische Bewässerungsanlagen oder Vertikutierer zurückgreifen können, mussten die Gärtner des Mittelalters mit einfachen Werkzeugen arbeiten. Wer Rasen wollte, brauchte zahlreiches Personal. Ein sichtbarer Beweis für Macht und Reichtum.

Doch nicht nur das: In einer Zeit ohne Globalisierung und Supermärkte waren die meisten Menschen gezwungen, sich weitgehend selbst zu versorgen. Auch der niedere Adel folgte diesem Prinzip. Bauern bewirtschafteten das Lehen, lieferten Nahrung und Abgaben. Wohlhabendere Adelsfamilien jedoch setzten andere Zeichen. Statt ihre Flächen für den Ackerbau zu nutzen, ließen sie weite Areale in Rasen verwandeln. Damit demonstrierten sie Macht und Wohlstand. Die Botschaft war eindeutig: „Wir müssen kein Getreide anbauen – wir können uns das leisten.“ Denn eine Rasenfläche hatte, anders als fruchtbares Ackerland, keinerlei praktischen Nutzen, sondern diente allein als prestigeträchtiges Symbol.

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Englische Rasenkultur in der Neuzeit

Im 18. Jahrhundert erlebte die Rasenkultur in England einen besonderen Aufschwung durch die Vorliebe für Landschaftsgärten. Im Gegensatz zur strikten Gartenkunst des Barocks, in der die Natur gezähmt werden sollte, zeichnen sich englische Landschaftsgärten durch eine malerische Natürlichkeit aus. Typische Merkmale sind weitläufige Grasflächen mit weichen Linien, vereinzelte Baumgruppen und Staffagebauten.

Englische Landschaftsgärten zeichnen sich durch eine naturverbundenheit aus
Englische Landschaftsgärten zeichnen sich durch ihre Naturverbundenheit aus Foto: Getty Images

Rasenflächen etablierten sich beim Adel zunehmend als zentrales Gestaltungselement im Garten. Schon bald griff die aufstrebende Mittelschicht, auch in Deutschland, dieses Symbol des Wohlstands auf. Wer es sich leisten konnte, ließ vor seinem Haus eine Rasenfläche anlegen. Nicht aus praktischem Nutzen, sondern um nach adligem Vorbild zu leben und gesellschaftlichen Status zu demonstrieren.

Übrigens: Rasenmäher konnten damals blöken. Es handelte sich nämlich um Schafe, die für einen kurzen und saftig grünen Rasen sorgten. Gleichzeitig dienten die Hinterlassenschaften als Dünger. Später nutzten die Gärtner Sensen.

Rasenzüchtung im 19. Jahrhundert

Anfangs bestanden Rasenflächen einfach aus den natürlich vorkommenden Gräsern. Darunter waren neben Kleearten insbesondere das Deutsche Weidelgras (Lolium perenne). Mit der Zeit begann man jedoch gezielt Sorten zu züchten, um sie an unterschiedliche Nutzungsarten anzupassen.

Als Wegbereiter gilt der Amerikaner James Bradford. Bereits um 1885 erkannte er in seinen Anbauversuchen, dass sich besonders Schwingel- (Festuca) und Straußgräserarten (Agrostis) als Grundlage für die Weiterentwicklung eignen. Heute steht eine Vielzahl an Rasensaatmischungen zur Verfügung – von feinen Zierrasen und Golfrasen hin zu robusten, strapazierfähigen Varianten für den Alltagsgebrauch.

Die heutige Rasenkultur ist also das Ergebnis einer langen Entwicklung vom adligen Prestige über bürgerliche Statussymbole bis zum allgegenwärtigen Gestaltungselement in Gärten. Sie spiegelt nicht nur ästhetische Vorlieben wider, sondern auch soziale, ökologische und ökonomische Fragen.

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