24. Juli 2025, 6:20 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Ein kleiner, runder Körper, eine feine, spitze Nase und flauschiges Fell – rein optisch sieht die Wasserspitzmaus ganz harmlos aus, eben wie eine ganz normale mitteleuropäische Spitzmaus. Tatsächlich handelt es sich bei ihr aber um eines der wenigen giftigen Säugetiere hierzulande. Wie man richtig handelt, wenn man die Wasserspitzmaus im eigenen Garten entdeckt, erfahren Sie hier.
Was ist das Besondere an der Wasserspitzmaus?
In Deutschland sind sechs Spitzmausarten heimisch. Die größte von ihnen ist die Wasserspitzmaus (Neomys fodiens). Sie wird bis zu neun Zentimeter groß – ein echter Riese im Vergleich zu kleineren Arten wie der Zwergspitzmaus, die nur etwa fünf Zentimeter erreicht. Durch ihr wasserabweisendes Fell und ihre größeren, mit Borstenkränzen besetzten Hinterfüße ist sie hervorragend an das Jagen im Wasser angepasst. Wie auch die anderen Spitzmausarten ist die Wasserspitzmaus ein kleiner Räuber, der sogar Beutetiere jagt, die größer sind als sie selbst.
Die wohl bemerkenswerteste Eigenschaft der Wasserspitzmaus ist jedoch nicht ihre Größe oder ihr Leben im Wasser, sondern ihr Speichel – der ist nämlich giftig. Unter ihrer Zunge befinden sich Giftdrüsen. Durch den giftigen Biss kann die Wasserspitzmaus Beutetiere wie Insekten, Würmer oder kleine Amphibien lähmen.
Übrigens: Die Bezeichnung „Spitzmaus“ ist etwas irreführend. Sie zählt nicht zur Familie der Mäuse, sondern ist mit Maulwurf, Igel und Co. verwandt. Anders als Mäuse ernähren sich Spitzmäuse von Insekten und Spinnen.
Was treibt die Wasserspitzmaus in unsere Gärten?
Zum Leben benötigt die Wasserspitzmaus feuchte Gebiete wie Bachläufe, Wiesengräben, Teiche oder Flüsse. Befinden sich innerhalb des Gartenzauns ein Teich, ein feuchter Komposthaufen, viele Versteckmöglichkeiten wie Laub, Steine oder Holzstapel sowie zahlreiche Beutetiere – darunter Insekten, Schnecken und Spinnen –, ist das ein echtes Schlaraffenland für die kleinen Säugetiere. Insbesondere naturnahe Gärten bieten ideale Bedingungen für die Tiere, um sich niederzulassen.
Spuren der Wasserspitzmaus richtig erkennen
Um festzustellen, ob Wasserspitzmäuse im Garten leben, ist ein aufmerksames Auge nötig. Die Tiere selbst wird man vermutlich kaum zu Gesicht bekommen, denn sie sind nicht nur äußerst scheu, sondern auch dämmerungs- und nachtaktiv. Findet man Fraßspuren an kleinen Amphibien, Schnecken oder Insektenresten, kann das ein Hinweis sein. Auch Gangsysteme und kleine Tunnel in feuchtem Boden oder in der Nähe eines Gewässers können darauf hindeuten, dass eine Wasserspitzmaus dort lebt. Wirkliche Gewissheit hat man jedoch nur, wenn man das kleine Raubtier etwa beim Jagen im Wasser beobachtet.
Auch interessant: Tierkot im Garten erkennen und richtig zuordnen
8 giftige Tiere, denen man im Garten begegnen kann
Was tun, wenn man eine Schlange im Garten entdeckt?
Für wen ist die Wasserspitzmaus gefährlich?
Als Gärtner muss man sich im Grunde keine Sorgen um den giftigen Biss der Wasserspitzmaus machen. Zum einen kommt es nur selten vor, dass der kleine Jäger Menschen beißt. Zum anderen ist der Biss in der Regel nicht stark genug, um die Haut zu durchdringen. Wer jedoch Haustiere hält, sollte vorsichtig sein: Das Nervengift ist für Katzen und Hunde zwar nicht tödlich, kann aber dennoch schmerzhaft sein.
Was tun, wenn die Wasserspitzmaus im eigenen Garten ist?
Tatsächlich ist der Mensch weitaus gefährlicher für die Wasserspitzmaus als umgekehrt. Immer mehr natürliche Gewässer werden vom Menschen trockengelegt, umgebaut oder landwirtschaftlich genutzt. Der Lebensraum der gefräßigen Tiere schrumpft dadurch zunehmend. Aufgrund des Verlusts ihrer Jagdgebiete steht die Wasserspitzmaus inzwischen unter Artenschutz, wie Geo informiert. Als gefährdete Art auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion darf sie weder gefangen noch verletzt oder getötet werden.
Umfasst der eigene Garten das Revier einer Wasserspitzmaus, kann das also zunächst ein Grund zur Freude sein. Wer die Tiere dulden möchte, sollte auf chemische Unkrautvernichter und Schädlingsbekämpfungsmittel verzichten. Stört man sich hingegen an dem kleinen Säugetier, ist eine Umsiedlung nicht erlaubt. Besser ist es, den Garten möglichst unattraktiv zu gestalten: Wasserstellen und Laubhaufen sollten entfernt, Versteckmöglichkeiten reduziert und der Garten insgesamt trocken gehalten werden. Allerdings leiden darunter auch andere Gartentiere, etwa Igel oder Vögel.