13. August 2025, 14:44 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Im Gemüsebeet wuchert das Grün – und die Schere ist schnell zur Hand. Doch nicht jedes Blatt darf einfach weg. Ob und wie man die Blätter von Tomaten und anderen Gemüsepflanzen abschneiden sollte, erklären wir hier auf myHOMEBOOK.
Übersicht
Mehr Licht, weniger Feuchtigkeit
Viele Hobbygärtner greifen zur Schere, um ihre Pflanzen gesund zu halten. Denn Pilzkrankheiten wie Mehltau oder Krautfäule treten vor allem dann auf, wenn feuchtes Laub nur langsam abtrocknet. Wird das Blattwerk also gezielt ausgelichtet, kann die Luft besser zirkulieren, und die Blätter sind nach einem Regenschauer schneller wieder trocken.
Auch die Fruchtbildung profitiert von mehr Licht und Übersicht: In dichten Blätterdächern bleiben Blüten oft so gut verborgen, dass selbst Bestäuber sie übersehen. Außerdem brauchen die Früchte zum Ausreifen ausreichend Sonne und Wärme – beides gelangt bei starkem Laubwuchs nur schwer bis zu den Fruchtansätzen. Und: Jedes Blatt kostet die Pflanze Energie. Je mehr Blattmasse sie versorgen muss, desto weniger Kraft bleibt für Blüte und Frucht. Bevor man zur Schere greift, lohnt sich jedoch ein genauer Blick auf die Aufgaben der Blätter sowie auf die möglichen Risiken des Schnitts.
Wozu die Blätter nützlich sind
Für eine gute Ernte braucht die Pflanze vor allem eines: gesunde, kräftige Blätter. In ihnen findet die Photosynthese statt, also die Umwandlung von Sonnenlicht in Energie. Werden zu viele Blätter entfernt, sinkt die Energieproduktion – und mit ihr oft auch die Fruchtqualität.
Zudem haben große Blätter eine Schutzfunktion: Sie beschatten den Boden und helfen so, die Feuchtigkeit im Wurzelbereich länger zu halten. Gerade in heißen, trockenen Sommern kann das von Vorteil sein.
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Wann das Schneiden sinnvoll ist und wann nicht
Blätter zu entfernen kann durchaus sinnvoll sein, wenn es gezielt und maßvoll geschieht. Wie das bei den wichtigsten Gemüsearten aussieht, zeigt der folgende Überblick:
Tomaten
Bei aufrecht wachsenden Tomatenpflanzen, insbesondere bei Stabtomaten, ist es sinnvoll, die unteren Blätter bis zur ersten Fruchtrispe zu entfernen – ganz besonders dann, wenn sie den Boden berühren oder sehr dicht stehen. Diese Maßnahme sollte aber erst dann erfolgen, wenn die Pflanze bereits gut entwickelt ist.
Auch im oberen Bereich können einzelne Blätter entfernt werden – etwa das erste unterhalb einer Fruchtrispe. Wichtig ist: Über jeder Rispe sollten mehrere Blätter stehenbleiben, da diese die Früchte vorrangig mit Energie versorgen.
Hinweis: Das Ausgeizen – also das Entfernen von Trieben in den Blattachseln – ist nicht mit dem Entblättern zu verwechseln. Beim Ausgeizen geht es um das Entfernen überflüssiger Seitentriebe, beim Entblättern um das gezielte Wegnehmen von Laub.
Zucchini, Kürbisse und Gurken
Auch bei Zucchini und Kürbissen kann es sinnvoll sein, einige Blätter im unteren Bereich zu entfernen – insbesondere dann, wenn sie Bodenkontakt haben oder kränkeln. Für die Versorgung der Früchte sind die Blätter oberhalb der Fruchtansätze entscheidend.
Wichtig: Die Schnittstellen sollten möglichst nah am Stielansatz liegen. So verhindert man, dass sich Regen- oder Gießwasser in den hohlen Blattstielen sammelt und die Entstehung von Fäulnis begünstigt. Bei Gurken, vor allem im Gewächshaus, kann das Entfernen der unteren Blätter ebenfalls helfen, die Luftzirkulation zu verbessern und Krankheiten vorzubeugen.
Wann es sinnvoll ist, Gurken auszugeizen
Tomatenpflanzen richtig schneiden für eine üppige Ernte
Der richtige Zeitpunkt zum Schneiden
Nicht nur das Wie, sondern auch das Wann spielt eine Rolle. Am besten werden Blätter an einem trockenen, leicht bewölkten Vormittag entfernt. So können die Schnittstellen rasch abtrocknen – und das Risiko für Infektionen bleibt gering.
Was man beim Schneiden beachten sollte
Jeder Schnitt ist eine Verletzung und damit eine mögliche Eintrittsstelle für Krankheitserreger. Wer entblättert, sollte deshalb besonders sorgfältig vorgehen:
- Scharfes, sauberes Werkzeug verwenden: Das verhindert Quetschungen und die Übertragung von Krankheiten. Bei befallenen Pflanzen sollte das Werkzeug nach jedem Schnitt gründlich gereinigt werden.
- Nicht zu viele Blätter auf einmal entfernen: Ein zu starker Schnitt schwächt die Pflanze. Besser ist es, in mehreren Etappen zu entblättern und der Pflanze dazwischen Zeit zur Erholung zu geben.
Extra-Tipp für andere Gemüsearten
„Ob Kohlrabi, Paprika oder Mangold – auch bei weniger laubintensiven Gemüsen lohnt sich ein prüfender Blick. Kranke oder faulige Blätter sollten regelmäßig entfernt werden, vor allem bei dicht nebeneinander wachsenden Pflanzen und wenn es über einen längeren Zeitraum feucht ist. So lässt sich der Krankheitsdruck im Beet deutlich verringern.“

