4. Oktober 2026, 13:50 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Kletterpflanzen haben unterschiedliche Tricks, um in die Höhe zu wachsen. Manche winden ihre Triebe um eine Stütze, andere greifen mit Ranken danach oder kleben sich fest. Ein Überblick über sechs Kletterstrategien von Pflanzen.
Kletterrosen klettern nicht. Jedenfalls nicht mit einem speziellen Kletterorgan. Stattdessen legen sie ihre langen Triebe auf ein Gerüst und klemmen sich dort fest. Andere Pflanzen kommen mit Ranken, Blattstielen oder Haftwurzeln nach oben – jede Art auf ihre Weise. Die Kletterstrategien verraten auch, welche Kletterhilfe im Garten passend ist.
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1. Schlinger: Der ganze Trieb windet sich nach oben
Bei Schlingern übernimmt der gesamte Trieb die Kletterarbeit. Er kreist wie ein Lasso, trifft dabei auf eine Stütze und windet sich spiralförmig um sie. Dafür eignen sich vor allem senkrechte Stäbe, Seile oder Drähte. Zu dick sollte die Kletterhilfe nicht sein.
Zu den Schlingern gehören u.a. Blauregen, Geißblatt, Pfeifenwinde, Kiwi, Akebie, Stangen- und Feuerbohnen sowie Malabarspinat.
2. Sprossranker: Mit kleinen Greifern aufwärts
Sprossranker schicken dünne Ranken aus, die sich um eine geeignete Stütze legen. Anders als beim Schlinger wickelt sich also nicht der ganze Trieb um das Gerüst, sondern nur spezielle Ranken. Botanisch ist diese Ranke ein umgebauter Trieb. Deshalb funktionieren feine Gitter, Netze und Drähte besonders gut. Ein bekanntes Beispiel ist die Weinrebe. Aber auch Passionsblumen, Gurken und einige andere Kürbisgewächse gehören dazu.
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3. Blattstielranker: Das Blatt hilft beim Klettern
Bei Blattstielrankern wird der Blattstiel einzelner Blätter zum Kletterwerkzeug. Berührt er eine Stütze, windet er sich darum und hält den Trieb daran fest. Ein typischer Vertreter ist die Clematis, deren Blattstiele so fein sind, dass sie nur schlanke Gerüste wirklich fest umschließen können.
Zu den Blattstielrankern gehören verschiedene Waldreben wie Clematis alpina, Clematis montana, Clematis vitalba und Clematis viticella. Auch Erbsen arbeiten mit umgebildeten Blattteilen als Ranken. Botanisch ist das nicht exakt dieselbe Konstruktion wie bei der Clematis, das Prinzip ist aber verwandt: Ein Teil des Blattes übernimmt die Aufgabe des Kletterhakens.
4. Spreizklimmer: Festhalten ohne Ranken
Spreizklimmer haben weder Ranken noch Haftwurzeln. Ihre langen, oft etwas sperrigen Triebe legen sich über ein Gerüst. Je nach Art verhaken sie sich dort mit Seitentrieben, Stacheln oder Dornen, oder sie lehnen sich einfach an. Kletterrosen sind der Klassiker unter den Spreizklimmern. Sie brauchen ein stabiles Gerüst mit möglichst vielen waagerechten Möglichkeiten zum Einhängen und sollten zusätzlich angebunden werden. Auch Brombeere, Feuerdorn und Winterjasmin zählen zu dieser Gruppe.
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5. Wurzelkletterer: Mit Haftwurzeln direkt an der Wand
Wurzelkletterer bilden entlang ihrer jungen Triebe kleine Haftwurzeln, die sich an geeigneten Oberflächen festsetzen. Deshalb brauchen sie kein Gerüst. Der bekannteste Vertreter ist der Efeu. Auch Kletterhortensie, Klettertrompete und Kletterspindel gehören zu den Wurzelkletterern. Nicht jede Fassade macht das mit. Bei intakten, festen Oberflächen ist der Bewuchs etwas anderes als an brüchigem Putz oder offenen Fugen. Dort können Haftwurzeln in vorhandene Schäden hineinwachsen.
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6. Haftscheibenranker: Kleben statt festhalten
Haftscheibenranker bilden zunächst dünne Ranken, ganz ähnlich wie Sprossranker. Der Unterschied sitzt an deren Enden. Dort entwickeln sich kleine Haftscheiben, die wie winzige Saugnäpfe wirken und sich an einer geeigneten Oberfläche festhalten. Eine klassische Rankhilfe ist deshalb nicht nötig. Ein Paradebeispiel ist der Wilde Wein, auch Jungfernrebe genannt. Zu den Haftscheibenrankern zählen die Dreispitzige und die Fünfblättrige Jungfernrebe sowie die Varietät Parthenocissus quinquefolia var. engelmannii. Wichtig ist die Unterscheidung zum Efeu: Dort sitzen die Haftwurzeln direkt am Trieb, beim Wilden Wein die Haftscheiben an den Rankenenden.
Meine Kletterhilfe aus alter Hecke
„In meinem Vorgarten stand eine Thujahecke, die ich vor ein paar Jahren bis auf die geraden, senkrechten Haupttriebe zurückgeschnitten habe – komplett entgrünt, ohne Seitenäste. Zwischen diese Stämme habe ich weitere kahle Äste geflochten, wie bei einem Zaun. Heute ranken sich daran Clematis und Minikiwi hoch. Wie lange das hält, wird sich zeigen.“