13. Januar 2026, 10:53 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Man hat den ganzen Garten voller Kräuter, doch im Winter muss man auf jene aus dem Supermarkt zurückgreifen, da man die eigenen nicht verletzen oder gar töten möchte – oder doch nicht? myHOMEBOOK erklärt, ob man Kräuter auch im Winter schneiden und ernten kann.
Es kommt auf die Pflanze an, nicht auf die Jahreszeit
Im Winter stellt sich weniger die Frage, ob man grundsätzlich schneiden darf, sondern ob die jeweilige Pflanze dazu in der Lage ist, einen Schnitt zu reparieren. Manche Kräuter behalten auch in der kalten Jahreszeit lebende Triebe und können einen kleinen Blattverlust verkraften. Andere ziehen sich vollständig zurück und reagieren empfindlich auf jede zusätzliche Belastung.
Ob ein Kraut geschnitten werden kann oder nicht, entscheidet sich an seiner Regenerationsfähigkeit. Pflanzen, die Reserven besitzen und auch nach einem Blattverlust stabil bleiben, verkraften eine vorsichtige Ernte. Pflanzen, die im Winter vollständig ruhen, profitieren dagegen davon, ungestört zu bleiben.
Bitte nicht bei Frost
„Bei Frost sollten Kräuter grundsätzlich nicht geschnitten werden. In gefrorenen Pflanzenteilen ist das Zellwasser erstarrt, das Gewebe wird spröde und bricht leicht. Ein Schnitt verursacht dann größere Schäden, als beabsichtigt, und die Pflanze kann die Wunde nicht schließen. Zudem befindet sie sich bei Frost vollständig in Winterruhe und ist nicht in der Lage, Verletzungen zu reparieren. Ernten ist deshalb nur an frostfreien Tagen sinnvoll, wenn die Triebe aufgetaut sind und die Temperaturen zumindest vorübergehend über null Grad liegen.“
Mediterrane Herkunft und Winterhärte sind kein Widerspruch
Viele mediterrane Kräuter sind robuster, als ihr Ruf vermuten lässt. Salbei, Thymian oder Rosmarin wachsen in ihrer Heimat in trockenen Regionen, in denen Frost keine Seltenheit ist. Solange sie trocken stehen, behalten sie oft einen Teil ihres Laubs oder zumindest lebende Triebe. Diese Pflanzen können, wenn man behutsam vorgeht, auch im Winter noch einzelne Blätter liefern, ohne Schaden zu nehmen.
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Mehrjährige Kräuter halten viel aus
Mehrjährige Kräuter speichern ihre Energie in Wurzeln und verholzten Pflanzenteilen. Sie besitzen mehrere Knospen, die im Frühjahr wieder austreiben. Ein kleiner Schnitt entzieht ihnen daher keine lebenswichtige Substanz, solange er an frostfreien Tagen erfolgt und sich auf einzelne Triebe beschränkt. Hier geht es weniger um Schneiden im klassischen Sinn als um vorsichtiges Ernten.
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Finger weg von einjährigen Kräutern
Einjährige Kräuter verhalten sich im Winter grundsätzlich anders als mehrjährige Arten. Sie sind darauf ausgelegt, innerhalb einer Saison zu wachsen, zu blühen und Samen zu bilden. Sobald Licht und Wärme fehlen, stellen sie diesen Lebenszyklus ein oder sterben im Freiland vollständig ab. In dieser Phase können sie keine neuen Blätter mehr bilden und auch keinen Substanzverlust ausgleichen.
Typische Vertreter sind Basilikum, Dill, Koriander oder Kerbel. Basilikum verschwindet schon bei den ersten kühlen Nächten, Dill und Koriander ziehen sich nach der Samenreife zurück. Selbst wenn noch einzelne grüne Pflanzenteile vorhanden sind, befindet sich die Pflanze nicht mehr im aktiven Wachstum. Ein Schnitt würde ihr Energie entziehen, ohne dass sie die Möglichkeit hätte, darauf zu reagieren.
Deshalb lässt man einjährige Kräuter im Winter unberührt oder nutzt sie nur dann weiter, wenn sie im Warmen und bei ausreichendem Licht kultiviert werden. Im Garten hingegen profitieren sie davon, in Ruhe gelassen zu werden – ihre Aufgabe für das Jahr ist erfüllt.
Nicht schneiden, wenn es nicht wirklich sein muss
Selbst robuste Kräuter wachsen im Winter kaum. Schnittstellen schließen sich langsam, gefrorene Triebe sind empfindlich, und jede Verletzung bedeutet zusätzlichen Stress. Wer sich jetzt auf das Nötigste beschränkt oder ganz auf das Schneiden verzichtet, unterstützt die Pflanzen dabei, gesund durch die kalte Jahreszeit zu kommen.