12. August 2026, 6:58 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Große Fensterfronten und lichtdurchflutete Räume waren lange das Aushängeschild moderner Einfamilienhäuser. Doch mit steigenden Temperaturen reichen diese Baukonzepte allein oft nicht mehr aus. Zwei Experten zeigen, worauf man beim Hausbau achten sollte und welche Lösungen langfristig ein angenehmes Raumklima schaffen können.
Bereits in der Solararchitektur der 1980er-Jahre verwendete man bewusst großflächige Verglasungen, um möglichst viel Sonnenenergie ins Haus zu holen und den Heizbedarf im Winter zu senken. In den 1990er-Jahren gab es die heute üblichen Wärmeschutzverglasungen jedoch noch nicht.
Große Fenster mit richtiger Planung
Johannes Kreißig, geschäftsführender Vorstand der DGNB e. V. und Geschäftsführer der DGNB GmbH, betont, dass große Fensterfronten nicht grundsätzlich falsch sind, vorausgesetzt, man bindet sie von Anfang an in ein durchdachtes Gesamtkonzept ein. „Wenn ich das planerisch nicht entsprechend mit Verschattung ausrüste, habe ich natürlich jetzt, wenn es warm wird, ein Problem. Ich habe zu viel Energie im Haus“, erklärt er. Außerdem weist er darauf hin, dass zu große Fensterflächen auf der Nordseite dagegen deutlich unproblematischer sind, weil dort keine direkte Sonneneinstrahlung auftritt. Gleichzeitig bieten moderne Dreifachverglasungen heute einen wesentlich besseren Wärmeschutz als noch in den 90er Jahren, sodass man dort große Verglasungen problemlos umsetzen kann.
Dennoch stößt man als Hausbesitzer an heißen Sommertagen oft an seine Grenzen und sieht Klimaanlagen als einzige Lösung. Dipl.-Ing. Thomas Penningh vom Verband Privater Bauherren (VPB) erklärt zwar, dass Klimaanlagen einen höheren Stellenwert bekommen, eine Planung, die sich an das Klima anpasst, jedoch langfristig die bessere Lösung ist.
Daher sollte man auf die Ausrichtung des Hauses, die Anordnung der Räume nach den Himmelsrichtungen, die Größe der Fensterflächen sowie auf eine natürliche Durchlüftung achten.
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Verschattung und Materialien als Schlüssel zum Hitzeschutz
Für den DGNB-Vorstand sind außenliegende Verschattungsmöglichkeiten das „A und O“. Wenn man einen solchen Sonnenschutz später nachrüstet, kann es schwieriger werden und auch mehr kosten. Dass diese Methode keineswegs neu ist, zeigt ein Blick in die Architekturgeschichte. Der geschäftsführende Vorstand der DGNB e. V. verweist auf das New Yorker Flatiron Building, dessen Fenster Anfang des 20. Jahrhunderts nahezu vollständig mit außenliegenden Markisen ausgestattet waren. Sie schützten die Räume vor direkter Sonneneinstrahlung, lange bevor Klimaanlagen Standard waren. Mit der Verbreitung der Klimatechnik verschwanden viele dieser Verschattungselemente wieder. Für Kreißig ist dieses Beispiel eine bewährte architektonische Lösung, die heute wieder stärker in den Mittelpunkt rücken sollte. Nachhaltiger ist es, Wärme gar nicht erst ins Gebäude eindringen zu lassen, als sie später mit hohem Energieaufwand wieder herauszukühlen.
Doch nicht nur Markisen, Pergolen oder Dachüberstände schützen ein Einfamilienhaus vor sommerlicher Hitze. Auch die Gestaltung des Grundstücks spielt eine wichtige Rolle. Nach Ansicht Kreißigs sind besonders Laubbäume wichtig. Sie spenden im Sommer natürlichen Schatten und lassen im Winter, wenn sie ihre Blätter verlieren, wieder Sonnenlicht ins Haus.
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Eine kluge Planung ist entscheidend
Aber selbst der beste Sonnenschutz allein reicht nicht immer aus. Die Bauweise eines Einfamilienhauses ist ebenso entscheidend. „Es kommt immer auf eine kluge Planung an“, so Penningh. Dabei spielen der Standort, das Mikroklima, die Wünsche der Nutzer und die gesamte Bauweise eine entscheidende Rolle.
Außerdem hebt er hervor, dass nicht ein einzelner Baustoff den Unterschied macht, sondern das Zusammenspiel verschiedener Materialien. Kombiniert man schwere Baustoffe mit hoher Speichermasse sinnvoll mit gut dämmenden Materialien, lässt sich das Eindringen von Wärme deutlich reduzieren. Auch die richtige Anordnung der Wärmedämmung, etwa im Dach, trägt dazu bei. Massive Decken und Wände heizen sich langsamer auf und geben Wärme zeitverzögert wieder ab.
Kreißig erklärt, dass die tagsüber aufgenommene Wärme den Innenraum idealerweise erst am Abend oder in der Nacht erreichen sollte. Dann kann man sie durch nächtliches Querlüften wieder abführen. „Diese Kombination aus einer guten Phasenverschiebung mit Querlüftungsmöglichkeit für die Nacht ist eigentlich schon die Voraussetzung, dass ich gar keine Klimaanlage benötige.“
Der DGNB-Vorstand findet, dass neben klassischen massiven Baustoffen heute natürliche Materialien wie Lehmsteine wieder an Bedeutung gewinnen. Sie speichern Wärme, regulieren die Luftfeuchtigkeit und sorgen für ein angenehmes Raumklima.
Was wir von heißen Regionen lernen können
Doch reicht es aus, nur einzelne Materialien zu übernehmen, oder können auch Bauweisen aus Ländern mit heißem Klima für Einfamilienhäuser ein Vorbild sein? „Nicht unbedingt“, meint Penningh. Bauweisen sind immer auch durch Klima, Kultur und Geschichte geprägt und lassen sich deshalb nicht eins zu eins übertragen. Von ihren Prinzipien können wir jedoch lernen. Gerade bei der Luftführung und Verschattung gebe es seit Langem gute Beispiele aus arabischen und afrikanischen Ländern, aber auch von deutschen Architekten.
Auch Kreißig verweist auf Innenhöfe, wie sie in vielen mediterranen oder arabischen Regionen zu finden sind. Sie schaffen durch Verschattung und Verdunstung, etwa durch einen Brunnen, ein angenehm kühles Klima.
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Wer heute ein Einfamilienhaus plant oder baut, sollte deshalb nicht nur auf das Gebäude selbst achten, sondern den Außenraum von Anfang an mitdenken. Bäume, Verschattung und eine kluge Grundstücksgestaltung gehören ebenso zu einem zukunftsfähigen Wohnkonzept wie langlebige Baumaterialien und eine durchdachte Ausrichtung des Hauses. Ist eine natürliche Verschattung nicht möglich, sollte man den außenliegenden Sonnenschutz direkt einplanen. „Früher oder später wird der kommen, und dann wird es deutlich teurer“, sagt Kreißig.
Auch Penningh rät dazu, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Wer ein Einfamilienhaus baut, sollte genau überlegen, wie viel Wohnfläche tatsächlich nötig ist, und die Haustechnik auf das notwendige Maß beschränken. Langlebige und nachhaltige Materialien senken den Wartungsaufwand, reduzieren die Betriebskosten und sorgen dafür, dass ein Einfamilienhaus auch in Zukunft komfortabel und energieeffizient bleibt.
Am Ende sind sich beide Experten einig. Das Einfamilienhaus der Zukunft muss nicht völlig neu gedacht werden. Viel wichtiger ist es, auf bewährte architektonische Stile zurückzugreifen und sie an heutige Anforderungen anzupassen.