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Ehemaliger Hausbesitzer berichtet

„Diese 5 Dinge würde ich heute beim Hausbau anders machen“

Ein ehemaliger Hausbesitzer sprach mit myHOMEBOOK darüber, was er nach Hausbau und Privatinsolvenz anders machen würde
Ein ehemaliger Hausbesitzer sprach mit myHOMEBOOK darüber, was er nach Hausbau und Privatinsolvenz anders machen würde Foto: Getty Images
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22. Mai 2026, 17:11 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Ein Haus zu bauen, ist eine Entscheidung für das Leben. Nur die wenigsten von uns durchleben diesen Traum mehrmals, für manche platzt er sogar aus finanziellen Gründen. Ein Angehöriger von myHOMEBOOK-Redakteurin Laura Kästner ging nach seinem Hausbau vor 20 Jahren in die Privatinsolvenz. Er berichtet, welche fünf gravierenden Fehler er heute beim Hausbau nicht mehr machen würde.

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Ein Hausbau als Statussymbol

In einem Haus zu leben, ist ein Wunsch, der für viele ein Gefühl von „Angekommensein“ vermittelt. Genau das hat sich ein Familienmitglied von mir gewünscht. Vor über zwanzig Jahren zog Steffen E. mitsamt Frau und Kind in ein Einfamilienhaus. 180 Quadratmeter Wohnfläche, mitten in einer ruhig gelegenen Siedlung in einer Kleinstadt. Kreditsumme: 225.000 Euro. Weitere 120.000 Euro besaß er zusätzlich an Eigenkapital.

Zu diesem Zeitpunkt war Steffen selbstständig als Makler tätig, seine Frau Britta zog das gemeinsame Kind groß und war Hausfrau, half hin und wieder bei ihrem Mann aus. Das Haushaltseinkommen der Familie war so ausreichend, dass sich die Familie auch zwei Autos leisten konnte. Ein Haus sollte die Krönung sein. Doch schon kurz nach Fertigstellung des Hauses verlor Steffen seinen Job. Und selbst nachfolgende Tätigkeiten und das spätere Minijob-Gehalt von Britta halfen nicht, die monatliche Rate von 1.800 Euro zu stemmen. Steffen meldete Privatinsolvenz an und die Familie verlor das Haus.

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Nicht jedes Haus bleibt für immer Eigentum

„Ich habe damals einige falsche Entscheidungen getroffen“, sagt Steffen im Gespräch mit myHOMEBOOK. Auch ich habe damals miterlebt, wie die Familie aus dem Haus ausziehen musste und wie schwer es für alle drei war, ihr Zuhause zurückzulassen. Als Kind habe ich die Tragweite dieser Situation für die Familie nicht verstanden. Heute bin ich selbst erwachsen, habe eine Familie und kann nur erahnen, wie schwer es für Steffen war.
Doch heute blickt er anders auf diese Erfahrung: „Das war schon schlimm, aber ich würde viele Dinge heute auch anders machen.“

Fünf Fehler beim Hausbau

1. Das Leben kann man nicht planen

Steffen sagt im Gespräch, er habe damals nicht an die schlechten Zeiten gedacht. Dass er mal den Job verlieren könnte, hatte er gar nicht einberechnet. Auch, dass die Familie nur ein Vollzeitgehalt hatte, schien ihm damals vollkommen ausreichend. „Uns ging es finanziell gut, aber es war unser erster Hausbau. Wir hatten keinerlei Erfahrung damit, wie man das richtig plant, und vielleicht dachten wir auch einfach, dass immer alles so bleiben würde, wie wir es kannten. Aber das Leben macht andere Pläne.“

Das rät er angehenden Bauherren: „Man sollte niemals mit nur einem Gehalt planen oder leichtsinnig an die Sache herangehen. Krankheiten, Trennungen oder auch Unfälle können nie vorhergesehen werden. In einem solchen Fall muss man aber dann trotzdem die Rate für das Haus bezahlen, Lebenshaltungskosten kommen auch noch dazu. Paare sollten immer genau rechnen, ob beide auch einzeln die Kosten im Notfall für eine gewisse Zeit stemmen könnten.“

2. Die Rate für das Haus niemals zu hoch ansetzen

Wer einen Kredit aufnimmt, sollte bei der Finanzierung des Eigenheims auch an die Rate denken, die dann an die Bank zurückgezahlt werden muss. Steffen E. sollte monatlich 1.800 Euro zahlen. Mit seinem Gehalt als Makler konnte er dies zwar zahlen, doch als der Job wegfiel, gab es kein zweites Einkommen im Haushalt, das diese enorme Summe abdecken konnte. Er sagt, heute würde er nur noch ein Haus bauen, wenn er das Geld komplett in bar hätte. „Die Bank“, so sagt er, „kommt am Ende so oder so an die Restsumme, die man ihr schuldet. Als ich es nicht mehr zahlen konnte, wurde das Haus zwangsversteigert. Da kam nochmal eine gute Summe rein. Aber meine Existenz war erst mal für viele Jahre am Limit.“

Er rät jenen, die selbst ein Haus bauen wollen, die Rate nicht zu hoch anzusetzen. Zwar liegen die monatlichen Raten, die man heute in Deutschland durchschnittlich für ein neugebautes Haus zahlen muss, bei mehr als 1.800 Euro, je nach Kreditsumme natürlich, doch auch da sollte gut gerechnet werden.

Übrigens: Allein zwischen 2010 und 2022 sind die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser in Deutschland um rund 94 Prozent angestiegen. Nicht nur die Kosten für Baumaterialien, sondern auch erhöhte Nachfrage und niedrigere Zinsen ließen die Preise in die Höhe schnellen.

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3. Nur noch schriftlich alle Absprachen festhalten

Wer sein Haus baut, sollte daran denken, dass bei einem möglichen Rechtsstreit nur das gilt, was schriftlich im Bauvertrag festgehalten wurde. Auch Steffen E. machte den Fehler und glaubte, dass auch mündliche Absprachen mit Architekt und Bauleiter ein Gewicht haben. „Ich würde heute jedes kleine Detail schriftlich festhalten. Im schlimmsten Fall kann schon ein kleiner Fehler am Bau riesige Kosten nach sich ziehen. Ich habe mich damals zu sehr auf die Absprachen verlassen. Der Preis war meine spätere Insolvenz.“

4. Ein paar Quadratmeter weniger am Haus

Steffens Haus hatte 180 Quadratmeter für eine dreiköpfige Familie. Mit großem Badezimmer, Gäste-WC und separatem Schlafraum für Besucher. Obwohl die Gesamtsumme für das Haus mit fast 400.000 Euro aus heutiger Sicht sogar noch günstig ist, hätte Steffen auch schon damals lieber etwas kleiner gebaut. „Je kleiner man baut, desto geringer sind in der Regel auch die Raten des Kredits und damit die laufenden Kosten. Für uns war das Haus zwar wunderschön, aber am Ende viel zu groß.“

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5. Mehr Kontrolle

„Ich war damals sehr viel am Arbeiten, hab nur selten kontrolliert, was auf der Baustelle gemacht wurde. Unsere Treppe war beispielsweise beim Einzug noch lange nicht fertig, genauso wenig auch die Terrasse. Beides wurde nicht fertig, bis wir aus dem Haus ausgezogen sind.“

Rückblickend, so sagt Steffen, habe er vom Bauprozess zu wenig mitbekommen. Müsste er jetzt noch einmal bauen, würde er einem Sachverständigen die Prüfung der Arbeiten übergeben. Er selbst sei Laie und hätte es damals auch nicht erkennen können, wenn etwas falsch läuft. myHOMEBOOK hat in diesem Zuge beim Bundesverband Deutscher Bausachverständiger nachgefragt, welche die häufigsten Fehler sind, die beim Bau privater Eigentumshäuser passieren, und welche Summen Bauherren als Sicherheit zurücklegen sollten, um im Schadensfall abgesichert zu sein. Der Verband wollte sich auf Rückfrage nicht äußern.




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