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Zwei Zentimeter groß

Gärtner sollen Monster-Zecke ans Robert-Koch-Institut schicken

Monsterzecke Hyalomma überträgt Krankheiten
Die Monsterzecke Hyalomma überträgt KrankheitenFoto: Robert-Koch-Institut

Hat sie erstmal Witterung aufgenommen, kann Hyalomma das Opfer mehrere hundert Meter verfolgen! Und die Zecke überträgt fiese Krankheiten wie das Zeckenstichfieber oder Krim-Kongo-Fieber. Das Robert-Koch-Institut ruft nun dazu auf, das Spinnentier einzusammeln und einzuschicken!

Hyalomma – mit dieser Zecke ist nicht zu Spaßen! Ein Pferdehalter aus dem Raum Siegen (NRW) wurde von der Riesenzecke gestochen. Bei ihm konnte nun Zeckenstichfieber* nachgewiesen werden – übertragen durch den Zeckenstich! Neben erhöhter Temperatur führt die Erkrankung zu rotfleckigem Hautausschlag und extremen Kopf- und Gelenkschmerzen.

Hyalomma überträgt auch Krim-Kongo-Fieber

Noch schlimmer: Wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass die Riesenzecke Hyalomma das Krim-Kongo-Fieber überträgt. Gegen diese Erkrankung besteht kein Impfschutz.

Die durch ein Virus ausgelöste Krankheit verursacht hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Schüttelfrost und in schweren Fällen innere Blutungen mit Todesfolge. Allerdings tritt das Krim-Kongo-Fieber in Deutschland bisher nicht auf, wie eine Mitarbeiterin vom Robert-Koch-Institut (RKI) erklärt. 2018 untersuchte das Institut insgesamt 19 Exemplare der Riesenzecke.

Die neue Zeckenart hat hier überwintert

Dass sie in Deutschland noch selten zu finden ist, könnte sich ändern. Denn auf Grund des milden Winters 2018 hat die Hyalomma-Zecke, die ursprünglich in Asien, Afrika und Südeuropa heimisch ist, erstmals in Deutschland überwintert. Davor trat sie in einigen Regionen Deutschlands vereinzelt auf.

Die Wissenschaftler des RKI vermuten, dass Vögel das Spinnentier nach Deutschland eingeschleppt haben. Etabliert sich die Zecke, könnten von ihr übertragene Krankheiten in Deutschland zunehmen.

RKI bittet um Mithilfe wegen Hyalomma

Um zu untersuchen, welche weiteren Krankheitserreger die Hyalomma-Zecke in sich trägt, ruft das RKI auf Twitter zur Mithilfe auf. Wer die Riesenzecke sichtet, sollte sie mit einem Glas oder einer Tüte einfangen. Anschließend muss das Spinnentier mit einem Klebestreifen auf einem Blatt Papier geklebt und in einem normalen Briefumschlag an das Institut geschickt werden. (Robert Koch-Institut, ZBS 1 –„Zecke“, Seestraße 10, 13353 Berlin)

Vorsicht: Fangen Sie die Zecke behutsam ein – nicht zerquetschen! Es besteht ansonsten Gefahr, mit Krankheitserregern in Berührung zu kommen.

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Wie sieht Hyalomma aus und wo tritt sie auf?

Heimische Zecken finden sich bei uns meist in Wäldern und auf Wiesen mit hohem Graswuchs. Hyalomma ist da anders gestrickt. Die Zecke wandert aktiv umher, auch in Wohngebieten, Parks und heimischen Gärten. Allgemein gilt: Grundstücke am Waldrand sind eher von Zeckenbefall betroffen.

Im Vergleich zu der Zeckenart Gemeiner Holzbock ist Hyalomma mit zwei Zentimetern doppelt so groß. Charakteristisch sind ihre acht kräftig gerundeten Beine, die gestreift sind. Damit krabbelt die Riesenzecke gezielt und schnell ihrem Opfer hinterher – und zwar bis zu mehreren hundert Metern!

Monsterzecke Hyalomma ist größer
Der Gemeine Holzbock ist klein, die Hyalomma-Zecke ist deutlich größer – und schnellerFoto: dpa picture alliance

Wie schützt man sich im heimischen Garten vor Zecken?

Zecken lassen sich nicht von Bäumen fallen, sie finden sich in Büschen und im Gras, von wo sie auf ihr Opfer gelangen. Das Gras muss gar nicht hoch gewachsen sein. Deshalb sind auch Gärten mit kurzem Rasen und wenig Unterholz nicht vor Zeckenbefall geschützt.

Nach Aufenthalt im Freien Körper gut absuchen

Neben Hobby-Gärtnern sollte sich generell jede Personen, die sich in Gegenden mit erhöhter Zeckengefahr aufgehalten hat, danach absuchen. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung finden sich bevorzugte Saugstellen am Kopf, Haaransatz und Hals. Aber auch unter den Armen, zwischen den Beinen und in den Kniekehlen.

Zudem gibt es synthetische oder natürliche Geruchsstoffe, die Zecken vertreiben. Diese können Sie auf die Hand auftragen und haben dann für einen kurzen Zeitraum Schutz vor den Spinnentieren. Die Mittel heißen Repellentien und sind in Apotheken oder Drogerien frei erhältlich. Für Haustiere gibt es spezielle Zecken-Halsbänder.

Wohnen Sie in einem Gebiet mit erhöhtem Risiko von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), sollten Sie sich impfen lassen.

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Wie entferne ich eine Zecke?

Ziehen Sie die Zecke vorsichtig mit einer Pinzette von der Haut ab. Oder Sie benutzen ein spezielles Zeckenentfernungsinstrument. Haben Sie beides nicht dabei, können Sie Ihre Fingernägel benutzen. Dabei sollten alle Teile der Zecke langsam und gerade herausgezogen werden, damit keine Entzündungen entstehen. Achtung: Die Experten vom RKI empfehlen, die Zecke immer an den Mundwerkzeugen zu greifen, nie am mit Blut vollgesogenen Körper!

Und die Zecke möglichst nicht drehen! Vor der Enfernung kein Öl oder Klebstoff auf das Spinnentier geben. Das würde die Zecke reizen, wodurch sie zusätzliche Krankheitserreger abgibt.

Anschließend sollten Sie die Wunde mit Desinfektionsmittel reinigen! Weitere Informationen zur Entfernung von Zecken finden Sie auf der Internetseite des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

* In einer früheren Version des Artikels berichteten wir, dass Hyalomma Fleckfieber überträgt, gemeint waren fleckfieberähnliche Symptome, ausgelöst durch Zeckenstichfieber. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.