16. Oktober 2026, 14:22 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Hitze, Trockenheit und Wind haben vielen Obst- und Gemüsekulturen in diesem Jahr zugesetzt. Zwar lassen sich die Auswirkungen auf die Lebensmittelpreise nicht pauschal vorhersagen. Doch bei einigen Produkten sind die Folgen bereits sichtbar. Nach Einschätzung von Thomas Els von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) müssen Verbraucher vor allem bei bestimmten Gemüsesorten und Kartoffeln mit höheren Preisen rechnen. Gleichzeitig zeigt sich: Nicht nur die Trockenheit entscheidet darüber, was im Supermarkt teurer wird.
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Salate, Brokkoli und Möhren litten besonders unter der Trockenheit
Besonders stark machten sich die extremen Wetterbedingungen bei einigen Freilandgemüsen bemerkbar. Nach Angaben von Thomas Els fielen die Erträge bei Salaten, Blumenkohl, Brokkoli und Möhren geringer aus als üblich. Entsprechend wurde das Angebot knapper und die Verbraucherpreise stiegen.
Grundsätzlich seien trockene Phasen für den Obst- und Gemüseanbau nicht zwangsläufig ein Problem. Fehlender Regen könne häufig durch Bewässerung ausgeglichen werden. In diesem Jahr sei die Situation jedoch schwieriger gewesen.
„Durch die anhaltende Trockenheit ist die Wasserentnahme eingeschränkt, somit kann nicht überall bewässert werden, wo es eigentlich notwendig wäre“, erklärt Els. Gleichzeitig hätten hohe Temperaturen und Wind die Verdunstung erheblich erhöht. Die Pflanzen benötigten deshalb besonders viel Wasser.
Kartoffeln dürften ebenfalls teurer werden
Auch bei Kartoffeln hat sich die Marktlage verändert. In den vergangenen Jahren sorgten große Ernten dafür, dass die Preise niedrig blieben und die Lebensmittelinflation gedämpft wurde.
Mit der neuen Ernte hat sich die Situation jedoch gedreht. Laut Els treffen mehrere Faktoren zusammen: Hitze und Trockenheit führten zu geringeren Erträgen. Gleichzeitig wurde die Anbaufläche im Vergleich zum Vorjahr um mehr als elf Prozent reduziert.
„Unterdurchschnittliche Erträge auf einer reduzierten Anbaufläche aufgrund der unbefriedigenden Erlössituation in der letztjährigen Kampagne sorgen derzeit für höhere Preise“, sagt der AMI-Marktexperte.
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Nicht nur die Trockenheit beeinflusst die Preise
Wer steigende Preise allein auf die Dürre zurückführt, greift nach Einschätzung von Els allerdings zu kurz. Für Landwirte seien zahlreiche Produktionskosten in den vergangenen Jahren gestiegen.
„Für die Produzenten werden Produktionsmittel wie Kraftstoffe, Düngemittel oder Pflanzenschutzmittel teurer. Auch die Lohnkosten steigen“, sagt Els. Hinzu kämen die Kosten für zusätzliche Bewässerung, die ebenfalls erwirtschaftet werden müssten.
Deshalb seien höhere Verbraucherpreise nicht immer ausschließlich auf schlechte Ernten zurückzuführen.
Warum manche Obstsorten trotz schwieriger Bedingungen günstiger wurden
Die Entwicklung bei Obst zeigt, wie komplex die Preisbildung am Markt ist. So mussten Verbraucher für Kirschen in diesem Sommer deutlich weniger bezahlen als im Vorjahr.
Der Grund lag jedoch nicht in den deutschen Ernten. Vielmehr standen nach den frostbedingten Ausfällen des Vorjahres wieder größere Mengen aus Ländern wie der Türkei und Griechenland zur Verfügung. Das Angebot stieg und drückte die Preise.
Ähnlich entwickelte sich die Situation bei Pfirsichen, Nektarinen und Aprikosen. Auch hier sorgten größere Liefermengen aus Spanien und der Türkei für Entlastung.
Bei Zwetschgen dagegen war das Angebot aufgrund der Trockenheit eingeschränkt. Die Preise lagen zuletzt über dem Vorjahresniveau.
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Äpfel sind derzeit noch vergleichsweise günstig
Eine Sonderrolle nehmen Äpfel ein. Obwohl die Ernte 2026 nach Einschätzung der Branche kleiner ausfallen dürfte, liegen die Preise derzeit noch unter dem Vorjahresniveau.
Grund dafür sind die großen Lagerbestände aus der ertragreichen Ernte 2025. Sie sorgen weiterhin für ein reichliches Angebot am Markt und wirken preisdämpfend. Die Auswirkungen der aktuellen Trockenheit spielen bei Äpfeln nach Angaben von Thomas Els bislang noch eine untergeordnete Rolle.
Wann Verbraucher die Folgen bemerken
Bei frischem Obst und Gemüse zeigen sich Ernteausfälle meist schnell an der Kasse. „Preisentwicklungen bei frischem Obst und Gemüse sind meist kurzfristig und wirken sich direkt und nicht erst im Folgejahr aus“, erklärt Els.
Anders könne es bei verarbeiteten Produkten wie Tiefkühlgemüse, Säften oder Konserven aussehen. Dort würden sich Veränderungen mitunter erst zeitversetzt bemerkbar machen. Außerdem spielten bei diesen Produkten zusätzliche Kosten für Energie, Verpackung und Verarbeitung eine wichtige Rolle.