15. Juni 2026, 14:43 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Nicht nur wir Menschen sehnen uns an heißen Tagen nach einer Erfrischung – auch Insekten benötigen Wasser. Neben speziellen Insektentränken im Garten können bestimmte Pflanzen ganz von selbst kleine Wasserstellen bilden. Tau, Regen oder sogar Guttationstropfen bleiben in Blättern und Blüten hängen und bieten Bienen, Schmetterlingen oder Käfern eine willkommene Tränke. Wer seinen Garten insektenfreundlich gestalten möchte, kann gezielt Pflanzen setzen, die genau diese Funktion erfüllen und als natürliche Insektentränken dienen.
Wasserstellen aus der Natur
Viele Insekten trinken nicht aus tiefen Wassergefäßen. Für sie sind kleine, flache Wasseransammlungen deutlich sicherer. Genau hier kommen bestimmte Pflanzen ins Spiel. Ihre Blätter, Blüten oder Blattansätze bilden kleine Mulden, in denen sich Wasser sammelt. Diese natürlichen Mini-Reservoirs bieten Insekten eine wichtige Trinkquelle – ganz ohne Gefahr, zu ertrinken.
Besonders in Zeiten zunehmender Trockenheit können solche Pflanzen einen wertvollen Beitrag leisten. Sie ergänzen klassische Insektentränken und fügen sich harmonisch in naturnahe Gartenkonzepte ein.
Frauenmantel
Eine der bekanntesten Gartenpflanzen in diesem Zusammenhang ist der Frauenmantel (Alchemilla). Seine Blätter sind so geformt, dass sie Tautropfen wie in einer Schale sammeln. Wer frühmorgens durch den Garten geht, kennt das beeindruckende Schauspiel: Auf den samtigen Blättern des Frauenmantels sammeln sich perfekte Wasserperlen, die wie kleine Kristalle wirken. Die schalenförmigen Blätter halten Tau und Regenwasser besonders lange fest und bieten damit ideale Trinkmöglichkeiten für kleine Insekten.
Frauenmantel gilt zudem als äußerst pflegeleicht, winterhart und kommt mit dem deutschen Klima hervorragend zurecht. Er wächst sowohl in sonnigen als auch in halbschattigen Bereichen und eignet sich für Beete ebenso wie für naturnahe Pflanzungen.
Wilde Karde als Insektenbar für den Sommer
Die Wilde Karde gehört zu den spannendsten Pflanzen für tierfreundliche Gärten. Ihre gegenständig angeordneten Blätter bilden am Stängel kleine Becken, in denen sich Regenwasser sammelt. Diese Wasserstellen werden regelmäßig von Insekten genutzt.
Darüber hinaus locken die markanten Blüten zahlreiche Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge an. Im Herbst und Winter dienen die Samenstände außerdem vielen heimischen Vogelarten als Nahrungsquelle.
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Kapuzinerkresse – essbar und nützlich zugleich
Auch die beliebte Kapuzinerkresse kann einen Beitrag leisten. Ihre runden Blätter halten nach Regen oder Morgentau kleine Wasseransammlungen fest. Besonders auf Balkonen und Terrassen bietet sie damit eine unkomplizierte Möglichkeit, Insekten zu schützen.
Hinzu kommt ihr weiterer Vorteil: Die farbenfrohen Blüten sind essbar und machen die Pflanze zu einem dekorativen Allrounder für Garten und Küche.
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Blüten als Trinkschalen
Nicht nur Blätter, auch Blüten können als Wasserquelle dienen. Vor allem schalen- und trichterförmige Blüten fangen nach einem Regen oder bei morgendlichem Tau kleine Mengen Wasser auf. Dazu gehören etwa die Stockrose (Alcea rosea) und verschiedene Malvenarten, die im Sommer nicht nur farbenfrohe Blickfänge sind, sondern auch für durstige Insekten wertvolle Tränken.
Auch die eleganten Taglilien und der Garteneibisch bilden in ihren Blütenbechern kleine Wasserreservoire. Sie sind damit nicht nur eine Nektarquelle, sondern gleich doppelt attraktiv für die Besucher des Gartens.
Ein naturnaher Garten hilft am meisten
Natürliche Insektentränken entfalten ihre volle Wirkung, wenn sie Teil eines vielfältigen Gartens sind. Blühpflanzen, heimische Stauden, wilde Ecken und verschiedene Wasserquellen schaffen zusammen einen Lebensraum, der Insekten langfristig unterstützt. Gerade in Zeiten heißer und trockener Sommer sind solche grünen Helfer eine einfache Möglichkeit, die Artenvielfalt direkt vor der eigenen Haustür zu fördern.
Wer Frauenmantel, Wilde Karde, Funkien oder Silphie in seine Pflanzplanung integriert, verbindet Ästhetik mit ökologischem Nutzen. Die Pflanzen sehen nicht nur attraktiv aus, sondern leisten einen kleinen, aber wichtigen Beitrag zum Schutz von Bienen, Schmetterlingen und vielen anderen Gartenbewohnern.
Darüber hinaus lohnt es sich aber immer, zusätzlich eine klassische Insektentränke einzurichten: Ein flaches Gefäß mit Wasser, in das kleine Steine oder Moos gelegt werden, bietet sicheren Halt und verhindert, dass Insekten ertrinken. In Kombination mit natürlichen Insektentränken entsteht so ein wahres Paradies für viele Insekten.
Gut zu wissen: Damit Insekten das ganze Jahr über Zugang zu natürlichen Tränken haben, lohnt es sich, verschiedene Arten so zu kombinieren, dass sie sich in ihrer Blühzeit abwechseln.