18. Juni 2026, 13:53 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Für viele Gartenbesitzer ist ein sattgrüner, dichter Rasen das Aushängeschild ihres Gartens. Doch insbesondere in den Sommermonaten machen längere Trockenperioden diesem Wunsch oft einen Strich durch die Rechnung. Damit der Rasen gesund und kräftig bleibt, ist eine ausreichende Wasserversorgung unerlässlich. Wie sich der Rasen auch an heißen Tagen mit möglichst geringem Aufwand optimal bewässern lässt, erklärt ein Experte.
Der Wasserbedarf eines Rasens richtet sich vor allem nach den aktuellen Temperaturen sowie den Eigenschaften des Bodens. „Rasengräser bestehen zu fast 90 Prozent aus Wasser. Bei Wassermangel bricht der Stoffwechsel zusammen und die Gräser sterben ab“, erläutert Dr. Harald Nonn, ehemaliger Vorsitzender der Deutschen Rasengesellschaft, im Gespräch mit myHOMEBOOK. Welche Bewässerungsstrategie bei sommerlicher Hitze am sinnvollsten ist und worauf Gartenbesitzer achten sollten, verrät der Fachmann in seinen wichtigsten Empfehlungen.
Übersicht
Rasen bei Hitze bewässern und „Dauersäufern“ vorbeugen
Häufige, zu geringe Wassergaben können einem das üppige Grün kosten. Da der Boden nicht tief genug durchfeuchtet wird, verflachen die Wurzeln. Das durchwurzelte Bodenvolumen und damit der Wasservorrat, der für die Gräser erreichbar ist, verringern sich. Die Folge: Der Rasen wird trockenheitsanfälliger und sein Bewässerungsbedarf steigt.
Gießt man den Rasen nach einem festen Rhythmus alle ein bis zwei Tage, erzieht man „Dauersäufer“, wie Nonn erklärt. „Wenn ich jeden Tag ein bisschen gieße, ziehe ich die Wurzeln des Rasens nach oben. Dann muss ich öfter wässern als bei tieferliegenden Wurzeln.“
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Wann sollte man den Rasen gießen?
Nonn rät, nur zu gießen, wenn die Gräser sich hängenlassen. Das kann nach drei Tagen oder auch erst nach einer Woche der Fall sein. Vermeiden sollte man aber, dass der Boden vollkommen durchtrocknet. „Dann dichtet er ab, und das Wasser läuft ungenutzt weg“, erklärt Michael Henze vom Bundesverband Garten- und Landschaftsbau (BGL).
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Wie viel sollte man gießen?
Wie viel Wasser sollte man konkret geben? Für zehn Zentimeter Wurzeltiefe benötigt man bei Sandböden etwa 15 Liter. Bei Lehmböden sind es 25 Liter Wasser pro Quadratmeter, um den Vorrat im Boden aufzufüllen, erklärt Nonn. Dann bilden die Pflanzen tiefe Wurzeln aus, die das Wasser gut aufnehmen können.
Tipps zum richtigen Bewässern des Rasens
- Den Rasen nicht in homöopathischen Dosen gießen. Hier heißt die Devise: Klotzen, nicht kleckern. Bei Trockenheit sollte man den Rasen ein- bis zweimal pro Woche gründlich beregnen.
- Den Boden wurzeltief, am besten frühmorgens und möglichst über die gesamte Rasenfläche, durchfeuchten. Somit bleiben die Wurzeln in tieferen Bodenschichten. Bei zu geringen Wassergaben vertrocknen sie und das Wurzelwerk verflacht.
- Weiterer, positiver Nebeneffekt: Tiefreichende Wurzeln können Wasser aus tieferen Bodenschichten aufnehmen. Die erforderlichen Wassergaben und die Beregnungshäufigkeit reduzieren sich dadurch. Dabei sollte man bedenken, dass Gräser unter Bäumen häufiger Wasser benötigen.
- Bei großer Hitze und Trockenheit kann man das Gras auch ein bis zwei Zentimeter länger wachsen lassen. Die Blätter beschatten sich dann gegenseitig mehr und die Verdunstung wird verringert.
- Man sollte vermeiden, den Rasen bei großer Hitze zu mähen, da über die Schnittfläche viel Wasser aus der Pflanze in die Luft entweicht.
Tipp: Bei extremer Hitze kann auch das Abkühlen des Rasens durch ein kurzzeitiges Befeuchten, ähnlich einem kurzen Sprung ins Wasser für uns Menschen, sinnvoll sein. Die Gräser kühlen dann etwas ab und erleiden nicht den Hitzetod. „Verbrennungen“ durch Wassertropfen muss man laut den Rasenexperten bei den feinen Grasblättern jedoch nicht befürchten.
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Warum Dünger in Trockenphasen wichtig ist
Noch ein Tipp des Rasenprofis: „Eine Düngung mit viel Kalium vor Beginn des Sommers lässt die Gräser sparsamer mit Wasser umgehen. Kalium reduziert die Wasserverdunstung der Blätter und erhöht zugleich die Hitzetoleranz.“
Die Versorgung mit Nährstoffen ist ganz entscheidend dafür, wie gut der Rasen trockene und heiße Perioden übersteht. „Empfehlenswert ist ein Depotdünger mit Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium sowie das Kalken des Rasens“, erklärt Michael Henze vom BGL.
Gedüngt wird im April, Juni und August. „Besonders Kalium ist wichtig, denn es sorgt dafür, dass die Pflanzen sparsamer mit Wasser umgehen“, ergänzt Nonn. „Kaliumhaltige Rasendünger werden eigentlich für den Herbst empfohlen, sind aber auch im Frühsommer sinnvoll, besonders auf Sandböden.“
Sollte man braune Stellen weiterhin wässern?
Braune Stellen müssen nicht unbedingt bedeuten, dass der Rasen dort abgestorben ist. „Manche Gräser regenerieren sich, wenn sie wieder genügend Wasser bekommen“, erklärt Gert Schulte-Bunert, Präsident des Greenkeeper Verbands Deutschland in Wiesbaden.
Tipp: Um herauszufinden, ob der Rasen noch lebt, kann man ein Stück herausnehmen. Ist die Wurzel weiß, bestehen gute Chancen, dass er wiederkommt. Ist die Wurzel allerdings braun, ist es zu spät.

